

Die Geschichte der Iglauer Sprachinsel – von Besiedlung und Aufbau, vom Zusammenleben über Jahrhunderte und von den tiefen Brüchen durch Nationalismus, Krieg und Vertreibung.
10 / 10 Einträge






Vertiefungen: Über Znaim nach Wien – Wege und Bahn im 18. und 19. Jahrhundert




Keine passenden Einträge gefunden.
Die Geschichte der Sprachinsel beginnt bei den Menschen: auf den Höfen und in den Werkstätten, in den Familien, vor Gericht und in der Kirche. Ein Herrscherwechsel konnte neue Abgaben bedeuten. Ein Glaubensstreit konnte über Amt, Besitz oder Heimat entscheiden. Krieg und Seuchen griffen in die Arbeit, die Versorgung und das Zusammenleben ein. Die folgenden Stationen verbinden diese Lebenswelt mit den großen Ereignissen.
Bauern bewirtschafteten ihre Höfe unter den Bedingungen der jeweiligen Grundherrschaft. Dazu konnten Geld- und Naturalabgaben sowie Robot gehören: verpflichtende Arbeit für den Grundherrn. Ein solcher Arbeitstag beanspruchte Zeit, die am eigenen Hof fehlte. Auch die Stadt Iglau besaß Dörfer. Stadt und Land waren deshalb nicht nur durch Märkte verbunden, sondern auch durch Herrschaft und Abgaben.
Die überlieferten Rechtssprüche führen in einzelne Lebenslagen: Eine Frau tritt in einem Streit auf, Geschwister fordern ein Erbe, ein Verwandter darf nicht als Zeuge aussagen. Solche Fälle zeigen Rechte und Grenzen im Alltag. Bauern, Stadtbürger, Frauen und Dienstleute hatten je nach Zeit, Ort und persönlicher Stellung unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten. Die rechtliche Lage eines Menschen lässt sich deshalb nicht allein aus seinem Wohnort ableiten.
Stadtentstehung und Přemysliden → · Recht im Dorfalltag → · Städtischer Besitz am Beispiel Ranzern →
Die Hussitenzeit und die spätere Reformation verbanden Glaubensfragen mit politischer Macht. In Iglau wurden 1436 die Basler Kompaktaten öffentlich beschworen. 1522 predigte Paulus Speratus in der Stadt; bald darauf musste er das Land verlassen. Nach der Niederlage der böhmischen protestantischen Stände am Weißen Berg folgte auch in Iglau die Rekatholisierung. Religion betraf damit nicht nur den Gottesdienst, sondern auch Zugehörigkeit und die Möglichkeit, am bisherigen Ort zu bleiben.
Der Westfälische Friede von 1648 schuf keine allgemeine Glaubensfreiheit. Seine Religionsbestimmungen galten zudem nicht überall gleich; die habsburgischen Erblande nahmen eine Sonderstellung ein. Erst die Toleranzregelungen Josephs II. von 1781 eröffneten bestimmten nichtkatholischen Bekenntnissen wieder eine eingeschränkte Religionsausübung. Duldung und volle Gleichberechtigung waren dabei verschiedene Dinge.
Hussitenzeit → · Stände und Herrschaft → · Habsburger, Reformation und Gegenreformation →
An die Angst vor der Pest erinnert in Iglau die Mariensäule auf dem Hauptplatz. Die Stadt beschreibt sie als Dank für den Schutz vor einer Pestepidemie. Das Denkmal verbindet die Geschichte von Seuchen mit dem Glauben und dem Bedürfnis nach Schutz.

Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 verbanden sich konfessionelle Gegensätze mit dem Machtkampf europäischer Herrscher. In den Dörfern wird der Einschnitt an konkreten Angaben greifbar: Altrichter nennt für Dürre von zuvor 24 erfassten „Untertanen“ im Jahr 1631 nur noch zwölf. Spätere Einträge beschreiben öde und verwachsene Felder. Die Einträge führen von den großen Kriegsereignissen zu den Folgen für die Bewirtschaftung einzelner Höfe und Felder.
Dürre: Krieg und verlassene Gründe → · Iglau: Stadtgeschichte und Wiederaufbau →
Vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 kämpften bei Leipzig die Verbündeten Österreich, Preußen, Russland und Schweden gegen Napoleon. Die Schlacht gehört zum europäischen Rahmen der Habsburgergeschichte. Für die betroffenen Menschen bedeutete sie Verwundung, Tod und die Versorgung von Soldaten in Lazaretten und Notunterkünften. Die Erinnerung an einen militärischen Sieg steht deshalb neben der Erfahrung der Menschen, die den Krieg erleiden mussten.
Weiter durch die Habsburgerzeit →
Die Reformen des 18. Jahrhunderts und die Grundentlastung von 1848 waren verschiedene Schritte. Das Ende der persönlichen Leibeigenschaft beseitigte nicht zugleich alle Abgaben und Arbeitsdienste. 1848 verhandelte der Reichstag über die Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeit und über die Entschädigung der Grundherren. Kaiser Ferdinand sanktionierte den Beschluss am 7. September. Persönliche Lasten entfielen ohne Entschädigung; für bestimmte andere Lasten wurde eine Entschädigung vorgesehen. Herrschaftliche Verwaltung und Gerichte wurden anschließend durch staatliche Einrichtungen abgelöst.
Für den Alltag berührte dieser Wandel den Hof, die Arbeit und den Gang zur Behörde oder zum Gericht. Die Bahnverbindungen und neue Erwerbsmöglichkeiten verbanden die Dörfer im weiteren 19. Jahrhundert noch enger mit den Städten.
Reisen, Handel und Wege nach Wien → · Frauen zwischen Dorf und Großstadt →
Die späteren Kapitel führen von der Habsburgermonarchie in die Erste Republik, durch die nationalsozialistische Herrschaft und den Krieg bis zur Vertreibung. Dabei bleiben die Familien, Nachbarn und Dorfgemeinschaften im Blick. Persönliche Erinnerungen bringen ihre Erlebnisse und Wahrnehmungen zur Sprache; die historischen Kapitel erklären die politischen Entscheidungen und die Verantwortlichkeiten.

Erste Republik → · Protektorat → · Vertreibung → · Gedenken und Ausblick →
Quellen zu Recht, Glauben, Krieg und gesellschaftlichem Wandel →