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Geschichte

Habsburger

Fast vier Jahrhunderte habsburgischer Herrschaft verbinden die Geschichte Böhmens und Mährens mit der Geschichte Österreichs. Bilder und Dokumente begleiten den Weg von der Reformation über den Dreißigjährigen Krieg bis zum Ende der Monarchie.

Aufstieg der Habsburger

Die Habsburger herrschten fast vier Jahrhunderte lang über Böhmen und Mähren. Deshalb ist ihre Geschichte für die deutsch- und tschechischsprachigen Menschen dieser Länder wichtig. Die Dynastie erhielt ihren Namen von der Habsburg im Schweizer Kanton Aargau. 1273 wurde Rudolf I. zum römisch-deutschen König gewählt. Sein Enkel Rudolf wurde 1306 für kurze Zeit König von Böhmen.

Rudolf starb bereits 1307. Nach dem Tod König Sigismunds 1437 kam sein Schwiegersohn Albrecht V. aus dem Haus Habsburg auf die böhmischen und ungarischen Throne. Auch diese Herrschaft blieb kurz. Nach dem Tod von Albrechts Sohn Ladislaus 1457 verloren die Habsburger beide Königreiche zunächst wieder. Der Wiener Vertrag von 1515 zwischen Kaiser Maximilian I. und König Wladislaw II. regelte gegenseitige Heiraten und Erbansprüche.

Reformation und habsburgische Herrschaft

Der Ablasshandel wurde zu einem wichtigen Anlass für die Reformation. Die Strömung des Humanismus hatte sich bereits zuvor entwickelt.

Nach katholischer Lehre konnte ein Ablass zeitliche Sündenstrafen mindern. Er ersetzte nicht die Vergebung der Sünde. Die Verbindung von Ablässen und Geldzahlungen führte jedoch zu Missbrauch. Erzbischof Albrecht von Mainz hatte für die Übernahme seiner Ämter hohe Zahlungen geleistet und dafür Geld bei den Fuggern aufgenommen. Ein Teil der Einnahmen aus dem Ablasshandel sollte die Schulden decken.

Der Prediger Johann Tetzel warb für den Ablass. Dagegen wandte sich Martin Luther 1517 mit seinen 95 lateinischen Thesen. Er lud Gelehrte zur Diskussion ein. Die Thesen wurden bald übersetzt und gedruckt. Luther wurde schrittweise zu einer führenden Gestalt der Reformation. 1519 stellte er auch die Unfehlbarkeit von Päpsten und Konzilien infrage. Damit vertiefte sich sein Konflikt mit der römischen Kirche.

Papst Leo X. drohte Luther 1520 mit dem Kirchenbann. Luther verbrannte das päpstliche Schreiben. Im selben Jahr erschienen drei seiner wichtigsten Schriften: „An den christlichen Adel deutscher Nation“, „Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche“ und „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Karl V. wurde 1519 zum römisch-deutschen König gewählt, 1520 in Aachen gekrönt und 1530 in Bologna zum Kaiser gekrönt.

1521 hielt Karl V. seinen ersten Reichstag in Worms ab. Manche Anhänger der Reformation hofften, er werde ihre Anliegen unterstützen. Karl stellte sich jedoch gegen Luther. Der Kaiser verlangte einen Widerruf der Schriften und verhängte nach Luthers Weigerung die Reichsacht über ihn. Kurfürst Friedrich der Weise ließ Luther auf die Wartburg bringen. Dort übersetzte Luther das Neue Testament ins Deutsche. Seine Übersetzung beeinflusste die Entwicklung der neuhochdeutschen Schriftsprache stark.

Böhmen und Mähren unter den Habsburgern

1526 kamen Böhmen und Mähren unter habsburgische Herrschaft. Die Renaissance hatte sich dort bereits zuvor verbreitet. König Ludwig II. von Böhmen und Ungarn fiel 1526 in der Schlacht bei Mohács gegen die Osmanen. Ferdinand I. war mit Ludwigs Schwester Anna verheiratet. Nach Ludwigs Tod wählten ihn die böhmischen Stände zum König. Zur böhmischen Krone gehörten damals Böhmen, Mähren, Schlesien sowie die Ober- und Niederlausitz.

1529 belagerte ein osmanisches Heer unter Sultan Süleyman I. Wien. Die Verteidiger leisteten Widerstand. Wetter und Versorgungsprobleme trugen dazu bei, dass die Belagerung abgebrochen wurde. Die Stärke des Heeres wird in den Quellen unterschiedlich angegeben; 250.000 Mann sind keine gesicherte Zahl. 1531 schlossen sich protestantische Fürsten und Städte zum Schmalkaldischen Bund zusammen. 1535 legte die Böhmische Brüderunität ihr Glaubensbekenntnis in zwanzig Artikeln vor. 1546 begann Karl V. den Krieg gegen den Bund.

Karl V. führte Truppen aus verschiedenen Teilen seines Herrschaftsbereichs gegen den Schmalkaldischen Bund. 1547 erhoben sich auch böhmische Stände gegen Ferdinand I.; ein Prager Fenstersturz fand damals nicht statt. Nach der Niederlage des Bundes bei Mühlberg am 24. April 1547 setzte sich Ferdinand gegen die böhmischen Aufständischen durch. Er zog Güter ein, schränkte Rechte von Städten ein und ließ Beteiligte bestrafen. Vier Menschen wurden 1547 in Prag hingerichtet.

Zu den betroffenen Adelsfamilien gehörten Schlick, Wartenberg, Waldstein, Hassenstein-Lobkowicz, Pflug von Rabstein und Slawata. 1555 vereinbarten Kaiser und Reichsstände auf dem Augsburger Reichstag einen Religionsfrieden. Karl V. übergab 1556 die Reichsregierung an seinen Bruder Ferdinand I.; 1558 wurde Ferdinand Kaiser. Im selben Jahrzehnt kamen die Jesuiten nach Böhmen. Nach Ferdinands Tod 1564 regierte sein Sohn Maximilian II. Am 21. Februar 1575 legten böhmische Stände ihm die Confessio Bohemica [das Böhmische Bekenntnis] vor. Sie fasste die Glaubenspositionen mehrerer nichtkatholischer Gruppen zusammen. Auch die Utraquisten legten einen Entwurf vor. Beide Texte stießen bei katholischen Vertretern auf Widerstand.

Maximilian II. gab 1575 eine mündliche Zusicherung, aber keine entsprechende schriftliche Bestätigung. Sein Sohn Rudolf II. regierte ab 1576. Im Majestätsbrief vom 9. Juli 1609 gewährte Rudolf den erfassten nichtkatholischen Ständen weitreichende Religionsrechte. Das war keine allgemeine Religionsfreiheit im heutigen Sinn. Rudolf starb 1612 in Prag. Sein Bruder Matthias wurde im selben Jahr zum Kaiser gewählt.

Der Prager Fenstersturz · 1618

Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618. Kupferstich aus dem „Theatrum Europaeum“, hier aus der Ausgabe von 1662 – eine nachträgliche Darstellung des Ereignisses.
Prager Fenstersturz am 23. Mai 1618. Kupferstich aus dem „Theatrum Europaeum“, hier aus der Ausgabe von 1662 – eine nachträgliche Darstellung des Ereignisses.Matthäus Merian / Theatrum Europaeum · Digitalisat: Universitätsbibliothek Augsburg · Bildnachweis · gemeinfrei

1618 protestierten nichtkatholische böhmische Stände gegen das Vorgehen der katholischen Seite. Sie beriefen sich auf ihre zugesicherten Rechte. Kaiser Matthias wies ihre Beschwerde zurück und verbot Versammlungen des Adels ohne seine Genehmigung. Am 23. Mai 1618 zogen Vertreter der Stände auf die Prager Burg. Dort warfen sie die königlichen Statthalter Jaroslav Bořita von Martinic und Wilhelm Slawata sowie den Schreiber Philipp Fabricius aus einem Fenster.

Alle drei überlebten. Fabricius erhielt später den Adelsnamen „von Hohenfall“. Matthias starb am 20. März 1619. Der bereits 1618 begonnene Aufstand richtete sich auch gegen Ferdinand II., der 1617 zum böhmischen König gekrönt worden war und 1619 Kaiser wurde. Der Konflikt weitete sich zusammen mit anderen religiösen und politischen Gegensätzen zum Dreißigjährigen Krieg aus.

Der Dreißigjährige Krieg · 1618–1648

Die böhmischen Stände befürchteten eine strenge Gegenreformation. Deshalb wählten sie am 26. August 1619 den protestantischen Kurfürsten (Fürsten, die den römisch-deutschen König wählen durften) Friedrich V. von der Pfalz zum König von Böhmen. Am 4. November wurde er in Prag gekrönt. Während seiner kurzen Herrschaft gewann der reformierte, auch calvinistisch genannte Protestantismus an Einfluss.

Die Schlacht am Weißen Berg · 1620

Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620, dargestellt von Pieter Snayers. Historisches Schlachtenbild aus den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.
Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620, dargestellt von Pieter Snayers. Historisches Schlachtenbild aus den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen.Pieter Snayers · Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Inv. 2309 · technisch für das Web aufbereitet · Bildnachweis · CC BY-SA 4.0 (Digitalisat)

Am 8. November 1620 besiegten kaiserliche Truppen und die Katholische Liga das Heer der böhmischen Stände am Weißen Berg bei Prag. Friedrich V., später „Winterkönig“ genannt, floh. Der Sieg ermöglichte Ferdinand II., seine Herrschaft in Böhmen durchzusetzen und die Gegenreformation voranzutreiben.

Der Krieg weitete sich auf die Rheinpfalz und weitere Gebiete des Reiches aus. Zu Friedrichs Verbündeten gehörte zeitweise König Christian IV. von Dänemark. Feldherr Wallenstein stellte ein großes Heer für den Kaiser auf. Die Erneuerte Landesordnung von 1627 für Böhmen und 1628 für Mähren stärkte die habsburgische Herrschaft. Die böhmische Hofkanzlei wurde nach Wien verlegt. Mit dem Restitutionsedikt von 1629 verlangte Ferdinand II. die Rückgabe vieler seit 1552 eingezogener kirchlicher Güter.

Das Restitutionsedikt verschärfte die Konflikte im Reich. Es war keine einfache Aufhebung des Passauer Vertrages. 1630 landete der schwedische König Gustav II. Adolf mit seinem Heer an der Ostseeküste. Er kämpfte gegen den Kaiser und die Katholische Liga, verfolgte aber auch schwedische Machtinteressen. 1631 vereinbarten Frankreich und Schweden im Vertrag von Bärwalde französische Geldzahlungen für das schwedische Heer. Nach mehreren Schlachten schlossen der Kaiser und Kursachsen 1635 den Prager Frieden.

Der Prager Frieden von 1635 band wichtige Reichsstände an den Kaiser, erfasste aber nicht alle Kriegsparteien. Frankreich trat 1635 offen in den Krieg ein. Die politischen Ziele Frankreichs, Schwedens, der Habsburger und weiterer Beteiligter verhinderten einen umfassenden Frieden bis 1648.

Kriegserfahrung und Erinnerung

Plünderung eines Hauses: Jacques Callot, Blatt 5 der Folge „Les Misères et les Malheurs de la Guerre“, 1633. Die Radierung zeigt Kriegsgewalt gegen die Bevölkerung; sie stellt keinen bestimmten Vorfall in Iglau dar.
Plünderung eines Hauses: Jacques Callot, Blatt 5 der Folge „Les Misères et les Malheurs de la Guerre“, 1633. Die Radierung zeigt Kriegsgewalt gegen die Bevölkerung; sie stellt keinen bestimmten Vorfall in Iglau dar.Jacques Callot · Rijksmuseum, Amsterdam · Bildnachweis · gemeinfrei

Der Dreißigjährige Krieg veränderte das Leben in Böhmen und Mähren tief. Sächsische, schwedische, kaiserliche und andere Truppen zogen durch die Länder. Sie forderten Vorräte, plünderten und verbreiteten Gewalt. Die Erinnerung an den Krieg unterschied sich je nach Ort und späterer Überlieferung. Auch die Niederlage am Weißen Berg blieb in der böhmischen Geschichte bedeutsam.

Ein überlieferter Schlafspruch erinnert an die Angst vor schwedischen Soldaten:

"Bet´s Kinder, bet´!
Draußen geht der Schwed,
Draußen geht der Oxenstiern,
Der wird die Kinder beten lehr´n"

Der Spruch steht für eine Kriegserinnerung, die noch lange weitererzählt wurde. Berichte über den sogenannten „Schwedentrunk“ beschreiben eine Foltermethode. Übergriffe gab es auch durch kaiserliche Truppen. Welche Erzählungen verbreitet wurden, hing unter anderem vom Ort und von der konfessionellen Prägung der Überlieferung ab.

Auch eine von Hans Watzlik erzählte Sage aus der Iglauer Sprachinsel, „Die heilige Saat“, verarbeitet die Erinnerung an schwedische Soldaten. Darin singt ein Bauer einem betrunkenen Soldaten einen Vers vor:

„Is ejden wej gwest, wird wieda wej san, / is ols vergong, wird a dös wieda vergejhn.“ [Sinngemäß: Es war schon immer so und wird wieder so sein; alles vergeht, und auch das wird vergehen.] Die Schreibweise gibt die Mundart der älteren Überlieferung wieder.

Der Dreißigjährige Krieg begann mit dem böhmischen Ständeaufstand und traf Böhmen und Mähren schwer. Heere verschiedener Kriegsparteien zogen durch die Länder. Nach der Niederlage des Ständeaufstandes wurde der Katholizismus in Böhmen und Mähren mit staatlichem und kirchlichem Druck durchgesetzt. Auswanderung, Konversionen und verborgene nichtkatholische Religionsausübung prägten die folgenden Jahrzehnte. Die Erinnerung daran war je nach Bekenntnis unterschiedlich.

Ältere örtliche Darstellungen berichten von bäuerlichen Unruhen im Raum Stannern und Ullersdorf. Danach sollen Unruhen von 1712 und 1722 mit Haft auf dem Spielberg beziehungsweise mit Hinrichtungen geendet haben. Die Einzelheiten und Strafen sind bisher nicht sicher belegt; dazu müssten Gerichts- und Herrschaftsakten geprüft werden. 1717 wurden für Böhmen und Mähren neue Frondienstgesetze erlassen. Die erhofften Verbesserungen blieben aus, und die Unzufriedenheit der Bauern wuchs.

Ein weiteres Frondienstgesetz für Böhmen folgte am 27. Januar 1738. Die Frondienste waren unbezahlte Pflichtarbeit für die Grundherrschaft.

Maria Theresia und Joseph II.

Maria Theresia, Porträt aus der Werkstatt Martin van Meytens’ des Jüngeren, nach 1745.
Maria Theresia, Porträt aus der Werkstatt Martin van Meytens’ des Jüngeren, nach 1745.Werkstatt Martin van Meytens · Mauritshuis, The Hague, Inv. 38 · Bildnachweis · gemeinfrei

Im Österreichischen Erbfolgekrieg von 1740 bis 1748 verlor die Habsburgermonarchie den größten Teil Schlesiens an Preußen. Ein kleinerer Teil mit Troppau, Jägerndorf und dem Gebiet um Teschen blieb bei Österreich. Der Verlust veränderte die Länder der böhmischen Krone. Die damalige Bevölkerung lässt sich jedoch nicht zuverlässig nach heutigen nationalen Kategorien zählen. Karl Albrecht von Bayern ließ sich 1741 zum böhmischen König ausrufen. Seine Herrschaft blieb umkämpft.

Maria Theresia wurde 1743 in Prag gekrönt. 1756 marschierte der preußische König Friedrich II. in Sachsen ein. Damit begann in Mitteleuropa der Siebenjährige Krieg. Im Frieden von Hubertusburg 1763 musste Österreich den Verlust des größten Teils Schlesiens erneut anerkennen. Maria Theresia und ihr Sohn Joseph II. reformierten in den folgenden Jahrzehnten Verwaltung und bäuerliche Rechtsverhältnisse.

1749 löste Maria Theresia die böhmische Hofkanzlei in Wien auf. Die Verwaltung ihrer Länder wurde stärker zentralisiert. Im Hungerjahr 1771 ließ sie die Pflichten und Abgaben der Bauern gegenüber den Grundherren untersuchen. Nach einem großen Bauernaufstand 1775 wurden die Frondienste neu geregelt. Franz Anton von Raab erhielt die Leitung staatlicher und ehemals jesuitischer Güter. Der Jesuitenorden war 1773 aufgehoben worden.

Das Raabsche System sollte die Bewirtschaftung und die bäuerlichen Lasten neu ordnen. Mit dem Patent vom 1. November 1781 hob Joseph II. in Böhmen, Mähren und Schlesien die persönliche Leibeigenschaft auf. Robot (unbezahlte Pflichtarbeit für den Grundherrn), Abgaben und Grundherrschaft (Herrschaft über Land und die davon abhängigen Bauern) waren damit noch nicht insgesamt beseitigt. Seine weitergehende Steuer- und Urbarialreform von 1789 wurde nach seinem Tod zurückgenommen; die Aufhebung der persönlichen Leibeigenschaft blieb dagegen bestehen.

Napoleonische Kriege und Wiener Kongress

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stärkten Schriftsteller, Sprachforscher und Historiker das tschechische Nationalbewusstsein.

Vom 16. bis 19. Oktober 1813 kämpften Napoleons Truppen bei Leipzig gegen die verbündeten Heere Preußens, Österreichs, Russlands und Schwedens. Auch Soldaten aus deutschen Rheinbundstaaten kämpften zunächst auf Napoleons Seite. Die Völkerschlacht gehörte zu den größten Schlachten der napoleonischen Kriege.

Wiener Kongress: Kupferstich von Jean Godefroy nach Jean-Baptiste Isabey, 1819.Wiener Kongress: Kupferstich von Jean Godefroy nach Jean-Baptiste Isabey, 1819.Jean Godefroy nach Jean-Baptiste Isabey · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Auf dem Wiener Kongress von 1814/15 verhandelten europäische Staaten über die politische Ordnung nach Napoleons Niederlage. Die Abbildung zeigt unter anderem Wellington, Metternich, Hardenberg und Talleyrand.

Metternich spielte eine wichtige Rolle. Die Ergebnisse waren jedoch ein Kompromiss mehrerer europäischer Mächte. Der Deutsche Bund verband zahlreiche Staaten, ohne einen deutschen Nationalstaat zu schaffen. Im 19. Jahrhundert entstand auch eine neue slowakische Schriftsprache. Ľudovít Štúr prägte ihre Entwicklung in den 1840er Jahren besonders stark.

Franz Joseph I. und das Revolutionsjahr 1848

Kaiser Franz Joseph I., Porträt von Franz Xaver Winterhalter, 1865.Kaiser Franz Joseph I., Porträt von Franz Xaver Winterhalter, 1865.Franz Xaver Winterhalter · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Kaiser Franz Joseph I. übernahm am 2. Dezember 1848 die Regierung und regierte bis 1916.

Urk Iglau v. Kaiser Franz Josef.I
Überlieferte Iglauer Abbildung zu Kaiser Franz Joseph I. aus der bisherigen Sammlung.

Noch unter seinem Vorgänger Ferdinand I. hatte Hans Kudlich am 26. Juli 1848 im österreichischen Reichstag die Aufhebung des bäuerlichen Untertänigkeitsverhältnisses beantragt. Nach den Beratungen erhielt die Grundentlastung am 7. September 1848 die kaiserliche Sanktion. Robot und weitere grundherrliche Lasten wurden aufgehoben; für bestimmte Leistungen war eine Entschädigung vorgesehen. Die Durchführung wurde 1849 weiter geregelt.

Dieses Reformwerk überdauerte das Scheitern der Revolution. Der Reichstag war nach dem Wiener Oktoberaufstand nach Kremsier verlegt worden und wurde im März 1849 aufgelöst. Auf die Revolution folgte eine erneute Stärkung der monarchischen Gewalt; das Silvesterpatent von 1851 leitete den offenen Neoabsolutismus ein. Das Februarpatent von 1861 schuf wieder parlamentarische Einrichtungen, doch der Streit um die Stellung der Länder und Nationalitäten blieb bestehen.

Königgrätz und der Ausgleich von 1867

Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866: spätere Darstellung von Georg Bleibtreu.Schlacht bei Königgrätz am 3. Juli 1866: spätere Darstellung von Georg Bleibtreu.Georg Bleibtreu · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Im Deutschen Krieg von 1866 wurde Böhmen zum Hauptkriegsschauplatz.

Die Schlacht bei Königgrätz fand am 3. Juli 1866 statt, nicht 1870. Mit der Niederlage endete Österreichs Stellung im Deutschen Bund. Der Ausgleich von 1867 schuf die österreichisch-ungarische Doppelmonarchie. Die böhmischen Länder blieben in der österreichischen Reichshälfte; vergleichbare böhmische Autonomieforderungen fanden 1871 keine dauerhafte Verwirklichung.

Sprachenstreit und nationale Bewegungen

1878 entstand eine tschechische sozialdemokratische Organisation. Die Sprachenverordnungen von 1880 stärkten Tschechisch neben Deutsch im Verkehr der Behörden mit der Bevölkerung, während Deutsch zunächst die innere Dienstsprache blieb.

Unter Ministerpräsident Kasimir Badeni, der 1895 das Amt übernahm, verschärfte sich der Streit. Die Verordnungen vom April 1897 sollten beide Landessprachen auch im inneren Dienstverkehr gleichstellen. Die Anforderungen an die Zweisprachigkeit der Beamtenschaft wurden von vielen deutschsprachigen Beamten und politischen Vertretern als Bedrohung ihrer Stellung empfunden. Daraus folgte jedoch weder ein Verbot der deutschen Sprache noch eine bereits beschlossene Entlassung aller deutschsprachigen Beamten. Im Reichsrat kam es zu Obstruktion und gewaltsamen Auseinandersetzungen, auf den Straßen zu Demonstrationen und zu Einsätzen von Polizei und Militär.

Auch nationalistische und antisemitische Ausschreitungen gehörten zu dieser Krise. Die jeweiligen Gewalttaten dürfen nicht einem ganzen Volk zugeschrieben werden. Aus der Perspektive von vertriebenen Familien erzählt, rückt dabei die Sorge vieler Menschen um ihre vertraute Stellung und die Zukunft ihrer Sprache in der Verwaltung in den Blick. Diese Sorge prägte die spätere Erinnerung, auch in den Darstellungen der Vertriebenen. Badeni trat am 28. November 1897 zurück; in weiten Teilen der deutsch-österreichischen Öffentlichkeit wurde sein Sturz mit Erleichterung aufgenommen.

Nach Änderungen unter seinem Nachfolger wurden die Verordnungen 1899 aufgehoben. In diese Zeit fällt auch die von Georg von Schönerer geförderte „Los-von-Rom“-Bewegung, in der sich antikatholische und deutschnationale Strömungen verbanden. Davon zu unterscheiden ist die rassistische und antisemitische Ariosophie des Jörg Lanz von Liebenfels. Lanz verließ 1899 das Zisterzienserstift Heiligenkreuz; dieses war kein Templerkloster.

Titelblatt eines Ostara-Hefts aus dem völkischen Milieu
„Ostara“-Heft aus der bisherigen Sammlung. Dokument rassistischer Propaganda; die Einordnung erfolgt im Text.

Seine „Ostara“-Hefte und der von ihm gegründete Neutemplerorden gehörten zum völkischen Milieu.

Ein persönlicher Besuch Hitlers bei Lanz wird auf der Grundlage späterer Aussagen vermutet; Zeitpunkt und Ausmaß eines unmittelbaren Einflusses sind damit nicht zweifelsfrei belegt. Auch die Rolle einzelner weiterer Personen bedarf gesonderter Nachweise. Solche rassistischen Lehren waren keine gesicherte Wissenschaft. Der Deutsche Volksrat wurde 1903 gegründet und sollte die Zusammenarbeit deutscher Parteien in Böhmen fördern. Die von August Sauer mitbegründete Zeitschrift „Deutsche Arbeit“ erschien seit 1901.

1905 gelang in Mähren ein politischer Ausgleich zwischen tschechischen und deutschen Vertretern. Er regelte die politische Vertretung sowie Teile des Schul- und Sprachenwesens neu. Manche Konflikte wurden entschärft, doch die nationalen Gegensätze verschwanden nicht. In Böhmen kam kein entsprechender Ausgleich zustande. Die tschechische Bevölkerung gewann durch wirtschaftlichen und sozialen Aufstieg an politischem Gewicht.

Viele junge Tschechen studierten auch im Ausland. Tomáš Garrigue Masaryk war als Gelehrter und Politiker international bekannt. Seine Schriften zur böhmischen und sozialen Frage sowie zu Russland und Europa wurden viel gelesen. Tschechische und deutsche Parteien hatten unterschiedliche Vorstellungen über einen Ausgleich. Ihre Forderungen veränderten sich mit der politischen Lage.

1907 wurde für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrats das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Männerwahlrecht eingeführt. Frauen blieben ausgeschlossen; für die Landtage galten weiterhin andere Wahlordnungen. In den Sudetenländern, vor allem in Deutschböhmen, hatten die Sozialdemokraten zahlreiche Sitze an die Deutschradikalen und an andere nationale Fraktionen verloren. Auch in der tschechischen Politik gewannen national radikale Strömungen an Einfluss.

1914 wurde der Reichsrat arbeitsunfähig, und die Regierung arbeitete wieder mit dem Notparagraphen 14 der Verfassung. Auch der böhmische Landtag war seit 1913 aufgelöst. Die Landesautonomie war durch kaiserliche Verfügung suspendiert, eine Verwaltungskommission nahm ihre Befugnisse wahr. In Mähren ermöglichten die Ausgleichsregelungen eher eine Zusammenarbeit; daraus folgt nicht, dass die Landtage in Brünn und Troppau ohne politische oder nationale Konflikte arbeiteten. Der große böhmische Ausgleich war vertagt. Und vertagt waren in Österreich eigentlich alle wirklich politischen Entscheidungen.

Ein Teil der politischen Öffentlichkeit verband mit einem künftigen Thronwechsel Hoffnungen auf Reformen.

1898: Kaiserjubiläum, Trauer und politische Bindungen

1898 jährte sich der Regierungsantritt Kaiser Franz Josephs I. zum fünfzigsten Mal. Das Jubiläum bot Anlass, die Verbundenheit mit dem Kaiserhaus öffentlich zu zeigen. Zugleich lenkten zwei Todesnachrichten den Blick der Menschen auf Österreich-Ungarn und auf das Deutsche Reich.

30. Juli: Der Tod Otto von Bismarcks

Otto von Bismarck starb am 30. Juli 1898. Der frühere Reichskanzler wurde auch in Iglau mit großer Bewunderung gewürdigt. Der Nachruf stellte ihn als Gründer des Deutschen Reiches dar und verband die Trauer um ihn mit Stolz auf dessen Macht und wirtschaftlichen Aufstieg. So wird sichtbar, wie stark das Deutsche Reich als politischer Bezugspunkt über seine Grenzen hinauswirkte.

Otto von Bismarck. Zeitgenössisches Erinnerungsbild zum Nachruf von 1898.
Otto von Bismarck. Zeitgenössisches Erinnerungsbild zum Nachruf von 1898.

10. September: Die Ermordung Kaiserin Elisabeths

Am 10. September 1898 wurde Kaiserin Elisabeth in Genf ermordet. Die Nachricht überschattete das Jubiläumsjahr. Der in Iglau veröffentlichte Nachruf schilderte den Tod der Kaiserin und den Abschied Franz Josephs in einer Sprache tiefer Trauer und Verehrung. Das persönliche Leid des Kaisers wurde darin zur gemeinsamen Trauer des Reiches.

Kaiserin Elisabeth. Zeitgenössisches Erinnerungsbild zum Nachruf von 1898.
Kaiserin Elisabeth. Zeitgenössisches Erinnerungsbild zum Nachruf von 1898.

Diese Stimmen aus der Sprachinsel zeigen zwei politische Bindungen nebeneinander: die Verbundenheit mit der Habsburgermonarchie und die Bewunderung für das Deutsche Reich. Trauer, Kaisertreue und deutsches Nationalgefühl konnten sich in derselben Öffentlichkeit verbinden. Die ehrende Sprache gehört zur damaligen Sicht der Verfasser. Sie zeigt, welche Gefühle und Leitbilder öffentlich vermittelt wurden; wie jeder einzelne Bewohner die Ereignisse aufnahm, lässt sich daraus allein nicht ablesen.

Franz Ferdinand und Reformvorstellungen

Auf den Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand richteten sich Hoffnungen jener, die das Vielvölkerreich für erneuerungsfähig hielten. Andere standen seinen Vorstellungen ablehnend gegenüber. Er sah ein Grundproblem in der starken Stellung der magyarischen Führungsschicht und wollte den Dualismus von Österreich und Ungarn verändern. In seinem Umfeld wurden verschiedene Modelle erörtert, darunter eine stärkere Einbeziehung der Südslawen und föderale Neuordnungen. Zugleich hielt Franz Ferdinand an einer starken monarchischen Zentralgewalt und einer gemeinsamen Armee fest.

Ein verbindlich beschlossenes Programm zur Umwandlung in zwölf gleichberechtigte Nationalstaaten mit eigenen Parlamenten lag nicht vor. Seine Pläne müssen deshalb als unterschiedliche Reformvorstellungen und nicht als bereits feststehende demokratische Verfassung beschrieben werden.

Sarajevo und der Weg in den Ersten Weltkrieg

Attentat von Sarajevo: Zeitungsillustration von Achille Beltrame, 1914; keine Augenzeugenaufnahme.Attentat von Sarajevo: Zeitungsillustration von Achille Beltrame, 1914; keine Augenzeugenaufnahme.Achille Beltrame · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Am 28. Juni 1914 wurden Franz Ferdinand und seine Gemahlin Sophie, Herzogin von Hohenberg, geborene Gräfin Chotek, bei einer Fahrt durch Sarajevo erschossen. Der Täter Gavrilo Princip war 19 Jahre alt, ein bosnischer Serbe und Angehöriger des südslawisch-nationalistischen Umfelds von „Mlada Bosna“ – „Junges Bosnien“. Verbindungen der Verschwörer führten zu Personen aus serbischen militärischen und geheimdienstlichen Kreisen. Diese Verbindungen dürfen aber nicht ohne Weiteres mit einem nachgewiesenen Mordauftrag der serbischen Regierung gleichgesetzt werden.

Am 23. Juli 1914 stellte Österreich-Ungarn Serbien ein auf 48 Stunden befristetes Ultimatum. Es verlangte unter anderem Maßnahmen gegen antiösterreichische Organisationen und die Mitwirkung österreichisch-ungarischer Organe an der Aufklärung auf serbischem Boden. Serbien nahm einen großen Teil der Forderungen an, lehnte jedoch Eingriffe in seine staatliche Hoheit ab beziehungsweise machte Einschränkungen geltend. In Wien bestand bereits die Absicht, den Konflikt nötigenfalls militärisch zu entscheiden. Dass der serbische König und Ministerpräsident den Mordauftrag erteilt hätten, wurde zwar behauptet und vermutet, ist aber nicht nachgewiesen.

Aus einer solchen unbewiesenen Behauptung lässt sich auch keine allgemeine völkerrechtliche Berechtigung zum Krieg ableiten.

Russland unterstützte Serbien, während Frankreich mit Russland verbündet war. Deutschland hatte Österreich-Ungarn Anfang Juli weitreichende Unterstützung zugesagt, den sogenannten „Blankoscheck“. Österreich-Ungarn ordnete am 25. Juli die Teilmobilmachung gegen Serbien an und erklärte Serbien am 28. Juli 1914 den Krieg. Aus der Balkankrise entwickelte sich binnen weniger Tage ein europäischer Krieg. Diplomatische Vermittlungsversuche standen neben militärischen Vorbereitungen und bewussten Eskalationsentscheidungen.

Deutschland lediglich als Vermittler und Russland allein als zum Krieg entschlossene Macht darzustellen, würde diesen Ablauf verzeichnen.

Am 30. Juli 1914 ordnete Russland die Generalmobilmachung an. Am 1. August folgten die Mobilmachungen Frankreichs und Deutschlands; noch am selben Tag erklärte das Deutsche Reich Russland den Krieg. Am 3. August erklärte Deutschland Frankreich den Krieg. Deutsche Truppen besetzten bereits am 2. August Luxemburg und marschierten am 4. August unter Verletzung der belgischen Neutralität in Belgien ein. Daraufhin trat Großbritannien am 4. August in den Krieg gegen Deutschland ein. Die Abfolge der Kriegserklärungen und die tatsächlichen Grenzübertritte sind dabei voneinander zu unterscheiden.

Österreich-Ungarn hatte die Generalmobilmachung bereits am 31. Juli angeordnet. In Teilen der deutschsprachigen Öffentlichkeit der böhmischen Länder wurde der Kriegsausbruch mit Begeisterung oder Erleichterung begrüßt. Daneben standen Sorge, Ablehnung und die Angst vor den Folgen des Krieges. Manche erhofften sich von einem Sieg eine Lösung der innenpolitischen Krise und mehr Sicherheit für die eigene Sprache und Kultur.

Das Gefühl, Schulter an Schulter mit den Deutschen des Reiches für eine als gemeinsam empfundene deutsche Sache zu kämpfen, verstärkte in diesen Kreisen noch die Begeisterung. Eine staatliche Vereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich fand dadurch nicht statt.

Auch unter den Tschechen war die Haltung zum Krieg unterschiedlich. Neben Loyalität gegenüber der Monarchie und Pflichterfüllung standen Distanz, Sorge und Sympathien für Serbien oder Russland. Im Verlauf des Krieges veränderten Verluste, Versorgungskrisen und politische Unterdrückung diese Einstellungen. Ein geschlossen handelndes „tschechisches Volk“, das von Anfang an nur abgewartet oder auf zwei Seiten gesetzt hätte, wird den unterschiedlichen Erfahrungen nicht gerecht. Ebenso wenig lässt sich das Verhalten aller deutschsprachigen Bewohner auf Kriegsbegeisterung reduzieren.

Karl I. und die letzten Jahre der Monarchie

Kaiser Karl I., Porträt von John Quincy Adams, 1916.Kaiser Karl I., Porträt von John Quincy Adams, 1916.John Quincy Adams · Wikimedia Commons · gemeinfrei

Viele deutschsprachige Soldaten verbanden den Dienst für Österreich und den Kaiser mit deutschen nationalen Vorstellungen. Andere stellten die Treue zum Kaiser, die Heimat oder ihre militärische Pflicht in den Vordergrund. Die Hoffnung, ein Sieg würde ihre Stellung sichern, war eine damalige Erwartung. Kaiser Franz Joseph I. starb am 21. November 1916 nach 68 Jahren auf dem Thron.

Sein Nachfolger Karl I. war Franz Josephs Großneffe und ein Neffe des 1914 ermordeten Franz Ferdinand. Karl war 29 Jahre alt und hatte nur wenig Zeit gehabt, sich auf die Herrschaft vorzubereiten.

Im Frühjahr 1917 trat der österreichische Reichsrat wieder zusammen. Tschechische Abgeordnete forderten eine Neuordnung auf der Grundlage des böhmischen Staatsrechts. Die Positionen gegenüber der Dynastie wandelten sich; im Exil wurde unter Masaryk und Beneš bereits für einen selbständigen Staat gearbeitet. Nationale Konflikte und der Krieg erschwerten die parlamentarische Arbeit erheblich. Die Pläne des Kaisers, die auf die Föderalisierung Österreichs, mindestens auf die Bildung autonomer nationaler Einheiten abzielten, stießen auf den Widerstand der Deutschnationalen, ohne dass die Tschechen sich mit Nachdruck für die Krone eingesetzt hätten.

Der Kaiser fand keinen Politiker, der ein Kabinett der Staatsreform auf parlamentarischer Grundlage bilden konnte oder wollte. Zu den Männern, die Kaiser Karl ins Auge faßte, gehörte damals auch der sudetendeutsche Politiker Dr. Rudolf Ritter Lodgman von Auen. Er hatte sich seit Jahren sehr entschieden für den Gedanken der nationalen Selbstverwaltung auf demokratischer Grundlage eingesetzt und war deshalb zeitweise als "Verräter" an der deutschen Sache hingestellt worden.

Kaiser Karls innenpolitische Reformversuche standen unter dem Druck des fortdauernden Krieges, der Versorgungskrise und der zunehmend unvereinbaren nationalen Forderungen. 1917 ließ er über seinen Schwager Sixtus von Bourbon-Parma Möglichkeiten eines Friedens mit den westlichen Alliierten ausloten. Diese Bemühungen führten zu keinem Friedensschluss. Die Veröffentlichung der Sixtusbriefe im Frühjahr 1918 beschädigte Karls Stellung und verstärkte die Abhängigkeit vom Deutschen Reich. Die Auflösung der Monarchie war jedoch nicht von Beginn des Krieges an das unverändert feststehende Ziel aller Ententemächte gewesen.

Ihre Haltung entwickelte sich im Verlauf des Krieges. Gegen Kriegsende herrschte in vielen Teilen der Monarchie schwere Not. Davon waren auch die industriell geprägten deutschsprachigen Gebiete Böhmens und Mährens betroffen. Arbeitskräftemangel, sinkende Erträge, Transportprobleme, unzureichende Verteilung und der Gegensatz zwischen den beiden Reichshälften verschärften die Lage. Rationierung und staatliche Zentralstellen konnten den Mangel nicht beheben. Schwarzmärkte und Hamsterfahrten waren verbreitet. Die Versorgungskrise lässt sich nicht dadurch erklären, dass eine ganze nationale Gruppe ihre Pflicht erfüllt und eine andere sie geschlossen verweigert hätte.

Seit 1916 nahmen Hunger, Unterernährung und Proteste bedrohlich zu. Menge und Qualität der zugeteilten Lebensmittel verschlechterten sich weiter.

Quellen

Stadtverwaltung zwischen Landtag und Kaiser

Auch die Regeln der Stadtverwaltung wurden ausgehandelt. Am 7. Dezember 1872 beschloss der mährische Landtag ein überarbeitetes Gemeindestatut für Iglau. Der Kaiser verweigerte am 7. April 1873 die notwendige Bestätigung: Mehrere übernommene Bestimmungen entsprachen nicht mehr der geltenden Gesetzgebung. Der Landtagsbeschluss allein setzte die neuen Regeln also noch nicht in Kraft.

Quelle →

Fortschritt und Sorge am Ende des Jahrhunderts

Der Rückblick M. Simböcks von 1899 zeigt, wie zwiespältig der Wandel erlebt werden konnte. Der Verfasser begrüßt die Befreiung des Bauernstandes und die größere politische Beteiligung. Eisenbahn und Maschinen stehen für ihn für den wirtschaftlichen Fortschritt.

Zugleich beschreibt er verschärfte politische und nationale Gegensätze. Das Kleingewerbe sieht er durch die Großindustrie bedroht, die Arbeiterschaft im Ringen um bessere Lebensbedingungen. Sein Wunsch für die Menschen des Jahres 1999 gilt einem besseren materiellen und geistigen Wohlergehen. Hier spricht eine zeitgenössische Stimme mit Hoffnungen und Sorgen, keine einheitliche Meinung der gesamten Bevölkerung.

Quelle →

Gemeindeverwaltung und Bürgervertretung

Die neuen Quellen zeigen Verwaltung nicht nur als Gesetzestext, sondern als Tätigkeit gewählter und ernannter Personen. Für Iglau dokumentiert die Beschlusssammlung des mährischen Landtags die Auseinandersetzung um das Gemeindestatut von 1872/73. Der Stadtbericht von 1888 stammt aus dem Iglauer Gemeinderat. Ortsverzeichnisse von 1899 nennen für zahlreiche Dörfer Gemeindevorsteher, Gemeinderäte und Ausschussmitglieder.

Politische Beteiligung und politische Stimmung sind dabei zu unterscheiden. M. Simböcks Rückblick von 1899 begrüßt die Befreiung des Bauernstandes und eine breitere Beteiligung, beschreibt aber zugleich soziale und nationale Spannungen. Das ist seine zeitgenössische Sicht, nicht die einheitliche Haltung der Bevölkerung.

Diese Namenslisten sind Momentaufnahmen der jeweiligen Ausgabe. Sie werden deshalb auf den einzelnen Ortsseiten beim Dorfgeschehen eingeordnet und nicht als zeitlos gültige Zusammensetzung einer Gemeinde dargestellt.

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