Die Iglauer SprachinselGeschichte bewahren · Zusammenhänge verstehen
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Verkehr und Verbindungen

Über Znaim nach Wien

Von den alten Wegen über Pirnitz und der Wiener Reichsstraße bis zur Österreichischen Nordwestbahn.

Iglau war schon lange vor der Eisenbahn mit Wien verbunden. Altrichter beschreibt im Kapitel über Ranzern den älteren Hauptweg nach Süden: Er führte von Iglau über Pirnitz und Mährisch Budwitz nach Znaim und weiter nach Wien.

Die Wiener Reichsstraße

Mit dem Ausbau der Kaiserstraße erhielt die Verbindung im 18. Jahrhundert eine neue Gestalt. Nach Altrichter begann ihr Bau 1739. Die Straße führte südlich von Iglau über Ranzern und Stannern weiter Richtung Mährisch Budwitz, Znaim und Wien; nach Norden gehörte sie zur Verbindung nach Prag. Sie diente auch dem Postverkehr zwischen den beiden Städten. Der Josefsberg südlich von Ranzern erinnert mit seiner 1748 errichteten Statue des heiligen Josef an diese Straßenverbindung.

1871/72: Die Nordwestbahn

Im 19. Jahrhundert kam die Österreichische Nordwestbahn hinzu. 1871 erhielt Iglau die Bahnverbindungen nach Deutschbrod und Znaim. Mit der Eröffnung des Abschnitts Znaim–Stockerau am 1. November 1871 und dem Anschluss an die schon bestehende Strecke Richtung Wien entstand die Schienenverbindung über Retz nach Wien. 1872 wurde auch der eigene Wiener Nordwestbahnhof in Betrieb genommen.

Damit gehören die Straßen- und Bahnverbindungen nach Wien zur Geschichte der Stadt ebenso wie zur Geschichte der umliegenden Dörfer: als Wege für Reisende, Post und Waren.

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Der Bahnhof als Tor zur Stadt und zur Welt

Die Eisenbahn brachte Bewegung in das Verhältnis zwischen Iglau und den Dörfern. Am Hauptbahnhof kamen Reisende an, Post wurde abgefertigt und Waren wurden verladen. Gleisanschlüsse verbanden den Bahnhof mit Industriebetrieben. Zwischen 1890 und 1900 wurde er für den wachsenden Güterverkehr erweitert.

Für Reisende begann der Weg nicht erst am Bahnsteig. Der Hauptbahnhof lag fast drei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Droschken und später Omnibusse verbanden ihn mit der Stadt. Im Gebäude gab es einen Fahrkartenschalter, Warteräume, ein Restaurant und Diensträume der Post. Der Bahnhof war damit zugleich Arbeitsplatz, Verkehrsknoten und Ort des Wartens und Abschiednehmens.

Der Wiener Nordwestbahnhof nach 1872. Aufnahme von Carl Haack. Wien Museum, Inv. 93080/216, CC0.

Nach Wien: Bahnreise und neue Arbeitswelt

Die Österreichische Nordwestbahn verband Iglau über Znaim und Retz mit Wien. Die Schienenverbindung gehörte zu einem Verkehrsnetz, in dem Menschen ebenso unterwegs waren wie Briefe und Waren. Wer das Dorf für eine Stelle in der Stadt verließ, wechselte auch seine Lebenswelt: vom vertrauten Umfeld in einen fremden Haushalt oder Betrieb.

Ankunftshalle des Wiener Nordwestbahnhofs. Ansichtskarte nach Carl Karger; das Museum datiert den Kartendruck auf 1938–1945. Wien Museum, Inv. 226485, CC0.

Bauerntöchter und Ammen: Arbeit in einem fremden Haushalt

Frauen aus dem Igelland arbeiteten auch außerhalb ihrer Heimat. Besonders anschaulich wird das an den Iglauer Ammen: Emil Mayer fotografierte zwischen 1905 und 1911 eine als „Iglauer Amme“ bezeichnete Frau mit einem Kinderwagen im Wiener Prater. Eine Amme ernährte ein fremdes Kind mit ihrer eigenen Muttermilch. Für sie gehörten Erwerbsarbeit und die Verantwortung für die eigene Familie unmittelbar zusammen.

Eine Iglauer Amme mit Kind im Wiener Prater, 1905–1911. Aufnahme von Emil Mayer. Wien Museum, Inv. 111448/29, CC0.

Die Iglauer Ammen und ihre Arbeit →

Linz: Die Lebenswelt der Dienstmädchen

Einen persönlichen Einblick in die Linzer Arbeitswelt geben die Erinnerungen Käthe Diernesbergers. Sie stammte aus Freindorf im Bezirk Waizenkirchen und arbeitete schon als Jugendliche an wechselnden Dienststellen. In Linz fand sie unter anderem im Hotel Budweis in Urfahr eine Anstellung. Ihre späteren Aufzeichnungen berichten von schwerer Arbeit, schlechter Behandlung und häufigen Stellenwechseln.

So tritt neben die Geschichte der Bahnen die Geschichte der Arbeit. Ein neuer Arbeitsplatz konnte Einkommen eröffnen und zugleich Abhängigkeit von den Dienstgebern bedeuten. Hinter den Verkehrsverbindungen stehen Menschen, die Vertrautes zurückließen und sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden mussten.

Quellen und Bildnachweise zu Bahn, Mobilität und Frauenarbeit →

Quellenverzeichnis

  1. Anton Altrichter: Dörferbuch der Iglauer Sprachinsel; Kapitel Ranzern.
  2. Radvan Klimeš: Die Reichs- oder Kaiserstraße.
  3. Stadt Iglau: Hauptbahnhof Iglau. Jihlavský architektonický manuál, Objekt 11A
  4. Thomas Dammelhart: „Als das feurige Dampfross nach Retz kam“. Retzer Stadtnachrichten, Nr. 3/2021.
  5. Stadt Wien: „Nordwestbahnhof“. Wien Geschichte Wiki; zur Entstehung der Bahn und zur Inbetriebnahme des Wiener Bahnhofs 1872.
  6. Wikipedia: „Österreichische Nordwestbahn“.

Quellen

Die Iglauerin – Ammen aus dem Igelland →

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