Die Iglauer SprachinselGeschichte bewahren · Zusammenhänge verstehen
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Menschen und Berufe

Die Iglauerin – Ammen aus dem Igelland

Eine Herkunftsbezeichnung und die Geschichte der Frauen, die als Ammen außerhalb ihrer Heimat arbeiteten.

Wenn ein Herkunftsname zum Berufsbild wird

Eine Iglauerin ist zunächst eine Frau aus Iglau oder dem Igelland. Im historischen Ammenwesen erhielt das Wort eine besondere Bedeutung: Es bezeichnete auch eine Amme aus der Iglauer Sprachinsel. Die Bezeichnung verband die Herkunft einer Frau mit ihrer Arbeit in einem fremden Haushalt.

Die Iglauer Ammen

Iglau war in der gesamten Donaumonarchie bekannt. Ein Grund dafür waren seine Ammen. Das waren Bäuerinnen und Bauerntöchter aus dem Umland, die in wohlhabenden Familien der gesamten Monarchie als Lohnammen arbeiteten und hoch angesehen waren.

Was eine Amme tat

Eine Säugamme stillte ein fremdes Kind mit ihrer eigenen Muttermilch. Sie war damit mehr als eine Kinderfrau, die ein Kind beaufsichtigte und versorgte. Voraussetzung für ihre Arbeit war, dass sie selbst zuvor ein Kind geboren hatte und stillen konnte. Daneben wurde die Bezeichnung „Trockenamme“ auch für eine Kinderbetreuerin ohne Stillaufgabe verwendet.

Für eine Lohnamme gehörten Mutterschaft und Erwerbsarbeit unmittelbar zusammen. Während sie ein fremdes Kind ernährte, musste auch ihr eigenes versorgt werden. Aus der allgemeinen Geschichte des Ammenwesens sind Unterbringungen eigener Kinder bei Pflegemüttern bekannt. Wie eine einzelne Frau aus dem Igelland diese Aufgabe löste, lässt sich jedoch nur anhand ihrer persönlichen Überlieferung feststellen.

Eine Iglauer Amme im Wiener Prater

Iglauer Amme mit Kinderwagen vor einem Fahrgeschäft im Wiener Prater
Emil Mayer: „Im Wurstelprater, Iglauer Amme mit Kind“, 1905–1911. Wien Museum, Inv.-Nr. 111448/29. CC0.

Das Wien Museum bewahrt eine Aufnahme von Emil Mayer mit dem Titel „Im Wurstelprater, Iglauer Amme mit Kind“. Sie entstand nach der Datierung des Museums zwischen 1905 und 1911. Die Frau steht mit einem Kinderwagen vor einem Fahrgeschäft. Das Bild hält einen Augenblick ihres Arbeitsalltags fest und zeigt zugleich ihre auffällige Kleidung.

Auch das Österreichische Volkshochschularchiv verzeichnet in der Lichtbildersammlung Urania Wien ein Glasdiapositiv als „Amme (Iglauerin)“. Es wird auf etwa 1910 datiert. Damit ist die Verbindung der beiden Bezeichnungen nicht nur eine spätere Erklärung, sondern auch in der archivischen Bildüberlieferung greifbar.

Zwischen Dorf und Großstadt

Die Iglauer Ammen gehören zur Geschichte der Menschen, die das Igelland zeitweise verließen, um ihren Lebensunterhalt andernorts zu verdienen. Ihre Tätigkeit verbindet die Geschichte der Dörfer mit derjenigen der Wiener Haushalte. Hinter dem geläufigen Namen standen Frauen mit eigenen Kindern, Familien und Lebenswegen.

Quellenverzeichnis

  1. Österreichisches Volkshochschularchiv: „Amme (Iglauerin)“. Lichtbildersammlung Urania Wien, Schatulle 595 „Unser Prater“, Signatur B-VID Skio-Urania 595/49, Inventarnummer 4911; datiert um 1910.
  2. Wien Museum: Emil Mayer, „Im Wurstelprater, Iglauer Amme mit Kind“. Glasdiapositiv, 1905–1911, Inventarnummer 111448/29. Objektabbildung unter CC0 freigegeben.
  3. Familia Austria, Österreichische Gesellschaft für Genealogie und Geschichte: „Arbeitsgruppe Iglau“, Abschnitt „Die Iglauer Ammen“.
  4. Austria-Forum / Heimatlexikon: „Ammen“. Beitrag nach Rudi Palla, Verschwundene Arbeit, Christian Brandstätter Verlag, 2010; zur allgemeinen Geschichte des Ammenwesens.