Kloster Saar: Gesamtansicht aus dem 18. Jahrhundert. Sie zeigt den späteren Ausbau der Anlage.
Das Zisterzienserkloster Saar, heute Žďár nad Sázavou, war auch ein wirtschaftlicher und herrschaftlicher Mittelpunkt. Seine Urbare von 1407, 1462 und 1483 verzeichnen zinspflichtige Untertanen (Menschen, die einer Grundherrschaft oder einem Landesherrn unterstanden) und ihre Verpflichtungen. Geldzahlungen, Naturalabgaben und Frondienste gehörten zu diesem Verhältnis. Die Aufzeichnungen erfassten jeweils die damals unmittelbar der Klosterherrschaft unterstehenden Orte; sie sind kein vollständiges Verzeichnis aller früheren oder mittelbaren Rechte des Klosters.
Für Pelles (Polnička) nennt Maria Dorda-Ebert in ihrer Auswertung des Klosterurbars von 1483 acht Deutsche: Teussl, Czepl, Lorencz, Hoffman, Wencz, Rostausser, Jacob und Meusl.
Die Verbindung zum Silberbergbau
1257 erhielt Saar zusammen mit Sedletz und Münchengrätz einen Anteil an Smils von Lichtenburg Bergwerkseinkünften, unter anderem aus Schlappenz. Die neuere Untersuchung präzisiert: Gemeint war ein Zehnt (eine Abgabe, die häufig den zehnten Teil der Ernte ausmachte) seines rechtmäßigen Einkünfteanteils, aufgeteilt auf drei Klöster – nicht ein Zehnt der gesamten Förderung.
Das ist eine konkrete wirtschaftliche Verbindung zur späteren Sprachinsel. Einkünfte aus einem Bergwerk, der Besitz eines Dorfes und das Recht, über seine Bewohner Gericht zu halten, waren jedoch verschiedene Rechte. Dass Saar bestimmte Einkünfte erhielt, bedeutet deshalb noch nicht, dass dem Kloster ganz Schlappenz gehörte. Welche Dörfer zu welcher Zeit unmittelbar unter den Äbten standen, muss anhand der jeweiligen Besitzurkunden und Urbare beschrieben werden.
Ein Abriss der böhmischen Geschichte, die Premysliden und die Besiedlung
Der Sage nach lies sich im 6. Jahrhundert ein slawischer Volksstamm, die
Tschechen, sogenannt nach Ihrem Anführer Czech, in Mittelböhmen um den
sagenumwobenen Georgsberg, ( Tschechisch Hrip 459 m ü. N.N.), bei Raudnitz
an der Elbe nieder.
In dieser Gegend sind verschiedene historische Bodenfunde entdeckt worden.
So bei Bohusovice, Keramik aus dem Zeitraum der Völkerwanderung, also
ca. 375 n. Chr. und bei Cerneves eine Schüssel aus dem 5. Jahrhundert.
Die archäologisch fassbare slawische Besiedlung Böhmens und Mährens setzte im 6. Jahrhundert ein. Ihr genauer Beginn und Verlauf werden weiterhin erforscht. Oft waren, durch die Abwanderung
einzelner germanischer - oder keltischer Stämme, ganze Landstriche freigeworden.
Historisch begegnen wir den böhmischen Slawen eigentlich erst zur Zeit
ihrer Kämpfe mit den Franken und Awaren im siebten Jahrhundert. Die
Tschechen unterlagen den aus Osten hereindringenden asiatischen Awaren,
welche hohe Tribute erpreßten und ihre Frauen vergewaltigten. Zudem
mussten sie sich immer wieder gegen die westlichen Stämme, wie Franken
und Thüringer wehren, gegen die sie sich auch längere Zeit erfolgreich
durchsetzen konnten. Davon berichten mehrere schriftliche Quellen. Sie sind jedoch nicht durchweg voneinander unabhängig; die Gesta Dagoberti greifen unter anderem auf die Fredegar-Chronik zurück. Das älteste - ein Auszug aus altchristlichen
Quellen, wahrscheinlich um 660 in Burgund entstanden und größtenteils
mit erdachten Namen eines Fredegar signiert - fährt selbständig mit
einer Schilderung der Jahre 584 - 642 / 43 fort. Fredegar beschreibt Samos Aufstieg im Zusammenhang mit den Kämpfen gegen die Awaren um 623/624. Der Sieg gegen die Franken bei Wogastisburg folgte erst 631/632. Auch in der "Gesta
Dagoberti [Taten Dagoberts]" wird auf diesen Zeitraum zurückgegriffen. Jedoch aus einer
anderen Perspektive und damit wird auch ein anderes Bild der Kämpfe
skizziert. Noch einmal begegnen wir den Westslawen (Vinedos) in der
Biographie des irisch - schottischen Missionars Columbanus (etwa 590
- 615) welcher damals eine Missionsreise in die Gebiete der Slawen (Venetiorum)
erwogen hatte.
Samo, ein fränkischer Kaufmann, wie Fredegar schreibt wurde nach ersten Erfolgen gegen die Awaren, zum König der Winedi gewählt und befreite sie von ihrem schweren Joch. Er stand an der Spitze eines slawischen Herrschaftsverbandes, dessen räumliche Ausdehnung sich nicht sicher bestimmen lässt. Gebiete des heutigen Böhmens, Mährens und der Slowakei werden mit ihm in Verbindung gebracht; feste Staatsgrenzen sind nicht überliefert. Im Jahre 631 kam es auch zum Kampf mit dem Frankenreich. Damals wurden oft fränkische Kaufleute von den Slawen überfallen. König Dagobert versuchte dieses Problem durch Verhandlungen zu lösen, aber sein Unterhändler Sicharius konnte nicht bis zu König Samo vordringen; erst als Slawe verkleidet konnte er vor ihn treten. Doch alle Verhandlungen führten zu keinem befriedigenden Ergebnis daher eröffneten die Franken den Kampf. Die Slawen besiegten die Franken bei Samos Burgstätte, Wogastisburg genannt. Der Ort der Wogastisburg ist bis heute nicht sicher festgestellt. Verschiedene Lokalisierungen sind vorgeschlagen worden. Nach einer dieser Vermutungen könnte sie im Maingebiet bei Staffelstein gelegen haben; gesichert ist diese Gleichsetzung nicht. Nach Samos Tod, gewöhnlich um 658/659 angesetzt, ist das weitere Bestehen seines Herrschaftsverbandes nicht mehr sicher fassbar und für einige Jahre breitete sich ein dunkler Mantel des Schweigens über den historischen Vorkommnissen in Böhmen und Mähren aus.
Eine später überlieferte Sage erzählt von der Fürstin und Seherin Libussa und dem Bauern Přemysl von Staditz. Přemysl gilt darin als Gründer der ersten böhmischen Herrscherfamilie. Nachdem sie wegen eines angeblichen Fehlurteils kritisiert worden war, soll die weise Fürstin Libussa diesen Premysl zu ihrem Nachfolger und Ehemann erkoren haben. Ihre Boten fanden den Bauern beim Pflügen seines Feldes und beriefen ihn von dort auf den Thron. Seit dem 12. Jahrhundert nutzten die Přemysliden diese Legende, um ihre Herrschaft zu begründen. Später wurde sie zu einer wichtigen Erzählung für das böhmische Heimat- und Geschichtsbewusstsein. Galt Premysl zunächst als Symbol und Vorbild für den weisen und gerechten Herrscher, wandelte sich die Sage unter dem Einfluß des Historikers und nationalen Führers Frantisek Palacky um die Mitte des 19. Jahrhunderts zum nationaltschechischen Mythos. Der Bauer auf dem Thron sollte nun für ein tschechisches Volk stehen, das sich seit seinen Anfängen als demokratisch und unabhängig vom Adel verstand. Zudem entsprach der bäuerliche Ursprung der Premysliden der Ideologie einer nationalen Wiedergeburt, die im ländlich-bäuerlichen Leben die Grundlage echten »Tschechentums« sah. So wurden Libussa und Premysl zu Sinnbildern einer tschechischen Gesellschaft, die nach mehr Selbstständigkeit strebte. Besondere Bedeutung hatte dabei Prag als jahrhundertealtes Zentrum Böhmens; der Sage nach kündigte Libussa den künftigen Ruhm Prags an; die sagenhafte Verbindung mit dem Vyšehrad ist kein Beleg für dessen tatsächliche Gründung.
Durch Kämpfe zwischen Slawen und dem fränkischen Reich gegen Ende des 8. Jahrhunderts wurde auch das Interesse der fränkischen Annalisten und Chronisten geweckt. So erzählt Einhard, der um 770 im Maingau geborene Gelehrte und Chronist Karls des Großen, in seiner Vita Caroli Magni [Leben Karls des Großen] von einem kurzen böhmischen Krieg ( Boemanicum) und zählt in der abschließenden Aufstellung auch die Boemani zu den Untertannen Karls. In den Annales regni Francorum [Fränkische Reichsannalen] beziehungsweise Annales Laurissenses maiores [Deutsch: Große Lorscher Annalen], den sogenannten „Großen Lorscher Annalen“ wird vom Zug gegen die Awaren i. J. 791 - 797 und der Rückkehr durch das Gebiet der Böhmen ( per Beehaimos [durch das Gebiet der Böhmen]) berichtet. Die fränkischen Feldzüge schwächten die Herrschaft der Awaren entscheidend. Ihr Niedergang und die Neuordnung der betroffenen Gebiete waren jedoch ein längerer Prozess, nicht die geschlossene Umsiedlung eines ganzen Volkes. Doch schon bald kehrte sich die Macht des karolingischen Reiches gegen die Slawen selbst.
Die Ereignisse zu Anfang des 9. Jahrhunderts, besonders die Feldzüge des Jahres 805 und 806, zeigen dies sehr deutlich. Machtpolitik, Tributforderungen und die Ausbreitung des Christentums waren in diesen Auseinandersetzungen miteinander verbunden. Noch am Ende des 8. Jahrhunderts trat an den Ufern der Donau eine Synode zusammen, welche die Leitlinie der religiösen Unterweisung festsetzen sollte. Nach Böhmen hinein wirkten die damals aktiven Missionen noch nicht, doch entlang der Donau erreichten sie bereits die offenen Landstriche Mährens. In den verschiedenen Annalen, so unter anderem auch in den annales Mettenses posteriores [Spätere Metzer Annalen] wird ausführlich von einer fränkischen Invasion im J. 805 unter Karl, dem gleichnamigen Sohn Karl des Großen, ausführlich berichtet. Detailliert wird hierbei die Tötung eines tschechischen Führers Namens Lech (ducem eorum nomine Lechonem [ihren Anführer namens Lech]) geschildert. Ob „Lech“ hier als Personenname oder als Bezeichnung einer Stellung zu verstehen ist, bleibt umstritten. Ein bloßes Missverständnis als Ursache seines Todes lässt sich aus der Nachricht nicht nachweisen.
Wie die Menschen in Böhmen während der awarisch-slawischen Zeit wirtschafteten, zeigen vor allem Funde in der Burgstätte Klucov bei Böhmisch Brod. Funde an anderen Orten ergänzen das Bild davon, wie die Menschen lebten und was sie aßen. Es wurden außer Erbsen, Gerste, Hirse und Roggen zwei Arten von Weizen (Triticum compactum und Triticum vulgare) festgestellt . Die Untersuchungen zeigen, dass die Slawen damals in ihren befestigten Siedlungen und Dörfern bereits Ackerbau betrieben. Welche Rolle Ackerbau, Waldrodung und andere Erwerbsquellen spielten, muss für jeden Ort einzeln untersucht werden. Sie lagerten ihr Getreide in Gruben. Diese Gruben waren mit Stroh ausgekleidet und durch eine sorgfältig gewählte Grubentiefe erzielten sie eine konstante Temperatur zur Vermeidung von Schädlingen und unerwünschtem keimen des Korns. Interessant waren auch die backtrogartigen, flachen rechteckigen Schüsseln zum Dörren von Getreide und zur Teigherstellung. Handmühlen und weitere Geräte belegen die Verarbeitung des Getreides. Welche Geräte die einzelnen Haushalte besaßen und welche Speisen sie zubereiteten, lässt sich dagegen nur durch passende Funde belegen. Die landwirtschaftlichen Arbeitsgeräte unterschieden sich noch wenig von denen der vergangenen Periode. Nutzhölzer wie Buche, Eiche, Esche, Fichte, Föhre, Kiefer und andere waren den Slawen vertraut. Sie nutzten auch Früchte. Welche Obstsorten an einem bestimmten Ort angebaut wurden, lässt sich nur anhand entsprechender Funde feststellen. Auch bei den Awaren bestanden unterschiedliche Wirtschaftsformen mit Viehhaltung und Ackerbau. Dass sie überall nur zwei Getreidearten anbauten, ist nicht belegt. Besonders in der Pferdeaufzucht waren sie wahre Meister, so züchteten sie Zug - und Reitpferde. Beliebt war nach der Überlieferung das kleine Steppenpferd. Die sichere Datierung und Deutung einzelner Beschlagfunde muss jedoch jeweils geprüft werden. Die Bauern der awaro - slawischen Epoche Böhmens hielten unter anderem Hausrinder, Gänse, Hühner, Schafe, Schweine und Ziegen; der Auerochse war dagegen die wilde Stammform des Hausrindes. Die gesellschaftliche Struktur dieser Zeit zeichnete sich durch zunehmende Differenzierung aus und führte vor allem zum Bau der slawischen Burgwälle. Das waren Siedlungen mit mächtigen Befestigungsanlagen. Befestigte Höhensiedlungen gab es in Böhmen schon seit dem Neolithikum und auch in der Bronzezeit wurden mächtige Burgwälle errichtet. Besonders die Kelten hatten komplizierte Anlagen mit einer fast städtischen Gliederung gebaut. Eine unmittelbare Übernahme dieser Siedlungsform von den Kelten durch die Slawen ist damit jedoch nicht nachgewiesen. Charakteristisch für diese Epoche ist auch die Perfektionierung der Technik zur Verarbeitung der Rohstoffe. In Libice wurden die Reste alter Betriebsanlagen gefunden: " Eine Serie wannenförmiger Gruben, die zueinander rechtwinklig angelegt sind." Weitverbreitet war die Textilerzeugung was durch zahlreiche Spinnwirtel und Stoffreste an Bronzegegenständen belegt ist. Der Stoff klebte am Metall und wurde durch die Patina konserviert. Die Pferdehaltung erforderte auch die Verarbeitung von Leder; so entstanden Pferdegeschirre und Riemen von besonderer Güte. Die Keramiken wurden perfekter und kunstvoller (Burgwallkeramik).
Als die awarische Gefahr beseitigt war, verstärkte das fränkische Reich seinen Druck auf Böhmen. Auf der Reichsversammlung Ludwig des Frommen im November 822 Erscheinen nun neben verschiedenen slawischen Gruppen und Awaren auch die Morawannen. Zu den frühen historisch fassbaren Herrschern Mährens gehört Mojmír I., der im 9. Jahrhundert bis 846 regierte. Ihn ohne Einschränkung als Angehörigen einer heutigen Nation zu bezeichnen, würde die damaligen Verhältnisse verzeichnen. Mit seiner Herrschaft wird die Vertreibung Pribinas aus Nitra um 833 verbunden. Die Ausbreitung des Christentums war damals ein längerer, regional unterschiedlicher Vorgang. Das Verhältnis zu den Franken schien gut , denn die Franken griffen nicht einmal gegen die Absetzung des befreundeten Fürsten von Nitra durch Mojmir ein - sie verschafften ihm jedoch ein neues Fürstentum in Unter - Pannonien. Im Jahre 895 erschien Spytignew, der Sohn Boriwojs und Herzog eines Teilstammes der Tschechen, mit anderen Großen der böhmischen Stämme in Regensburg am Hofe vor König Arnulf; sie begaben sich unter Hoheit seines Reiches und leisteten Tribut.
Der bekannteste der Premislyden war Herzog Wenzel, der den Anschluß Böhmens an den Westen vorantrieb und die Christianisierung intensivierte. Seine Ermordung stand im Zusammenhang mit dynastischen und politischen Konflikten. Sie wird gewöhnlich auf 935, in Teilen der Überlieferung auf 929 datiert. Wenzel wurde zu einem der wichtigsten Landespatrone Böhmens. Sein Name erschien auf Prager und Olmützer Münzen, ebenso ging er in die Literatur ein, vor allem durch die Wenzelslegenden, die auch in altrussischer Schrift niedergeschrieben wurden. Die Entstehung der älteren Teile des Wenzelsliedes wird bereits vor der Zeit Karls IV. angesetzt; Text und Überlieferung entwickelten sich weiter. Auf Wenzel folgte sein Bruder Boleslav I. Nach Kämpfen zwischen Otto I. und dem Fürsten Boleslaw, der die Unabhängigkeit wollte, kam es zur Unterwerfung der Böhmen. Ein Ergebnis mit weitreichenden Folgen war die Gründung des Bistums Prag im Jahr 973. Erster Bischof wurde der Sachse Thietmar, dem noch viele andere deutschsprachige auf den Bischofsstühlen von Prag und auch von Olmütz folgen sollten. Der zweite Bischof war Adalbert, aus einem slawischen Fürstengeschlecht stammend und durch seine Mutter mit dem sächsischen Königshaus verwandt. Den Namen Adalbert nahm Vojtěch bereits während seiner Ausbildung in Magdeburg an. Um 990 trat er in Rom in das Kloster auf dem Aventin ein. Das Kloster Brwenow wurde von Ihm gegründet. In seinen letzten Jahren versuchte er die Pruzzen im Samland zu missionieren; diese erschlugen ihn im Jahre 997 n. Chr. Aus dem Dom zu Gnesen, wo er zuerst begraben worden war, übertrug man 1039 seine Gebeine nach Prag. Nach den Kämpfen mit Heinrich III. unterwarf sich Břetislav I. 1041. Die Přemysliden hatten Mähren im frühen 11. Jahrhundert ihrer Herrschaft unterstellt. Die späteren Herzogtümer Troppau und Jägerndorf dürfen dabei nicht als schon damals bestehende Fürstentümer vorausgesetzt werden. Als Vermittler zwischen Böhmen und den deutschen Königen griff wiederholt Gunther von Schwarzburg (um 1030), der Einsiedler im Böhmerwald, ein. Er entstammte einem thüringischen Fürstengeschlecht, war Benediktiner von Niederaltaich und blieb unvergessen als Friedensstifter und Wegebauer. Er starb 1045 und fand im Kloster Brewnow in Prag seine letzte Ruhestätte.
Dorfgründung, Rodung und Rechtsprechung im Heidelberger Sachsenspiegel, frühes 14. Jahrhundert. Die Darstellung veranschaulicht mittelalterliche Siedlungsvorgänge. Unbekannter Buchmaler / Heidelberger Sachsenspiegel · Public domain.Bauern beim Pflügen: Wiedergabe einer Miniatur aus dem Heidelberger Sachsenspiegel. Ronald Preuss · CC BY-SA 2.5.Im 12. und 13. Jahrhundert kamen Siedler aus benachbarten Gebieten des Reiches nach Böhmen, darunter aus Sachsen, Franken, der Oberpfalz und Thüringen. Manche kamen auf Einladung der Könige, der Klöster oder anderer Grundherren. Für den Bergbau waren erfahrene Fachleute wichtig. Ihre genaue Herkunft und eine feste Reihenfolge der Zuwanderung sind hier nicht belegt. Das bedeutete jedoch nicht, dass der Landesausbau in jedem Fall konfliktfrei verlief. So machten sich die Bauern, Bergleute und Handwerker auf, um sich in der Fremde eine neue Existenz zu schaffen. Prag war eine ältere, mehrsprachige Stadt mit unterschiedlichen Siedlungs- und Rechtsgemeinschaften. Die Bezeichnung als „erste deutsche Stadt“ wird ihrer Entwicklung nicht gerecht. Die deutsche Kaufmannsgemeinde in Prag erhielt unter Soběslav II. im 12. Jahrhundert jenes berühmte Privileg, das noch in unseren Zeiten so oft zitiert wurde, weil es im Kern das ganze Problem der deutschen Zuwanderung und der deutschen Rechtsstellung enthält, jenen Satz "Noveritis, quod Theutonici liberi homines sunt" ("Wisset, daß die Deutschen freie Leute sind"). Der Herzog nahm die Deutschen in seinen besonderen Schutz (ich, Sobieslaw II, Herzog von Böhmen, mache allen gegenwärtigen und Kommenden kund, Wisset, dass die Deutschen freie Leute sind... , dass ich die Deutschen, so unter der Burg von Prag siedeln, in meine Gunst und unter meinen Schutz nehme ...... ich ermächtige diese Deutschen, entsprechend den Gesetzen und der Rechtsordnung der Deutschen zu leben, wie sie dessen sich schon seit den Zeiten meines Grosvaters, des Königs "Wratislaw II.", erfreuen. ....... Soběslav II.; die überlieferte deutsche Fassung ist hier als auszugsweise Wiedergabe zu verstehen, nicht als überprüfte wortgetreue Urkundenedition.) Wie in fast allen mittelalterlichen Privilegien wurde auf frühere Rechte Bezug genommen. Den Prager Deutschen wurden ausdrücklich jene Rechte bestätigt, die sie seit Wratislav II., also damals bereits ein Jahrhundert lang, innehatten. Wie weit die Selbstverwaltung ging, beweist die Tatsache, daß die deutsche Gemeinde ihren eigenen Richter und ihren eigenen Pfarrer erhielt. Am Landesausbau beteiligten sich auch zahlreiche Zisterzienser- und Prämonstratenserklöster, Städte wurden nach bewährtem Stadtrecht aus dem römischen Reich gegründet und trugen so viel zur Entwicklung des Böhmischen Landes bei. Zugewanderte Bergleute, vermutlich auch aus sächsischen Revieren, ermöglichten mit ihren Kenntnissen des Tiefbaus eine bessere Ausbeutung der Bergwerke und legten so den Grundstein für die Blüte des Bergbaus welche dem Land Reichtum und Ansehen brachte. Der westliche Einfluß breitete sich auch dadurch aus, dass böhmische Herrscher nun immer öfters den Anschluß zum Reich auch durch Heirat suchten und so kamen fränkische, bayrische österreichische und schwäbische Frauen an die böhmischen Höfe und mit Ihnen Ihre Ratgeber und Mönche aus Ihrer Heimat. So wurden an den böhmischen Höfen bald deutsche Sprachen gesprochen. Die Besiedlung der Sprachinsel umfasste neue Rodungen, aber auch den Ausbau und die Umgestaltung bereits besiedelter Räume. Für Iglau ist eine ältere slawische Siedlung nachgewiesen. Es wurden, meist Reihenhufen - oder Waldhufendörfer angelegt. Bei dieser Form der Siedlung schloß der Grundherr mit dem eigentlichen Dorfgründer, dem "Lokator", einen Vertrag ab. Oft, aber nicht immer, war der Lokator ein Ritter. Er erhielt ein entsprechendes Ausmaß an Land zugewiesen und übernahm die Verpflichtung, auf diesem Lande deutsche Bauern anzusiedeln. Der Vertrag wurde, wie wir das bei Simmersdorf und anderen Beispielen feststellen können, urkundlich festgelegt. Zur Sicherung des Vertrages mußte der Lokator eine nach Zahl der Hufen bemessene "Anleit" bezahlen. Hufe, Lahn und Metzen waren örtlich und zeitlich unterschiedliche Maße. Die ältere Literatur nennt für die Gegend teilweise 120 bis 150 Metzen je Hufe und rechnet mit 19,18 Ar je Metzen; diese Umrechnung ist kein überall geltendes mittelalterliches Flächenmaß. Die Größe der Höfe hing von Boden, Wirtschaftsform und den vereinbarten Rechten und Lasten ab; ausreichender Lebensunterhalt war damit keineswegs in jedem Fall gesichert. Der Lokator, nach dessen Name das Dorf oft benannt wurde, ( Simon = Simonsdorf Simmersdorf) konnte als Lohn zinsfreie Hufen und das Richteramt erhalten. Die folgenden Rechte und Pflichten waren mögliche vertragliche Regelungen, kein einheitlicher Anspruch jedes Lokators. Dem Erbrichter stand der dritte Teil aus den Einnahmen der niederen Gerichtsbarkeit zu. Er erhielt eine oder zwei Mühlen und zwei oder drei Zinsbauern, die ihm bei der Feldbestellung und während der Ernte helfen mußten. Er konnte sich Handwerker vom Schmied bis zum Fleischhauer halten, besaß die Schankgerechtigkeit und mitunter auch das Recht, Bier zu brauen. Manchmal stand ihm auch zu, "Salz zu schütten und Tuch zu schneiden". Dagegen hatte er die Giebigkeiten, die dem Grundherrn gehörten, einzuheben und mußte zum Dienst bei der Herrschaft zu Roß oder zu Fuß, mit einer Armbrust bewaffnet, bereit sein. Doch konnte er für diesen Dienst auch einen geeigneten Mann stellen. Hatte er das Recht zu jagen, mußte er die Jagdbeute mit der Herrschaft teilen. Manchem Erbrichter war es auch erlaubt, für seine Küche zu fischen. Unterschiedliche Siedlungsrechte konnten erhebliche Unterschiede bei Erblichkeit, Abgaben und Diensten begründen. Diese Unterschiede verliefen jedoch nicht einfach zwischen freien deutschen und unfreien slawischen Bauern. Auch einheimische Bauern konnten an günstigeren oder verlässlicheren Vertragsbedingungen interessiert sein. „Deutsches Recht“ war eine Rechtsbezeichnung und nicht auf ethnisch deutsche Siedler beschränkt.
Solche Rechte konnten in einer sogenannten Handfeste schriftlich festgehalten werden und auch im tschechischen Siedlungsgebiet wurde die bisher nach Pflügen bemessene Dorfflur in Hufen (Lahnen) eingeteilt und an die slawischen Bauern mit einigen Einschränkungen zu deutschem Recht vergeben. Den Grundsatz, nach dem deutschrechtlich gesiedelt wurde, hat Markgraf Vladislav Heinrich von Mähren in seiner Urkunde für den Johanniter Orden zu Beginn des 13. Jahrhunderts sehr klar umschrieben: Habeant in omnibus sicut habent Theutonici, securam libertatem, jus stabile et firmum [Deutsch: Sie sollen in allem dieselben Rechte wie die Deutschen haben: gesicherte Freiheit und ein beständiges, festes Recht.]
In der Umgebung von Iglau entstanden während des mittelalterlichen Landesausbaus zahlreiche Bergwerke und Siedlungen. Der Silberbergbau gewann im 13. Jahrhundert eine neue wirtschaftliche Bedeutung. Zugewanderte Fachleute wirkten daran mit; daraus folgt jedoch nicht, dass es zuvor in Böhmen und Mähren überhaupt keinen Bergbau gegeben hätte. Das Iglauer Stadt- und Bergrecht gehörte zu den bedeutenden Rechtsaufzeichnungen dieser Entwicklung. Auch deutsche Lehnwörter im Tschechischen zeugen von fachlichen Kontakten, etwa šachta für Schacht oder mincmistr für Münzmeister. Sprachliche Entlehnungen allein beweisen aber keine ausschließlich deutsche Trägerschaft des Bergbaus.
Přemysl Ottokar II., Wenzel II. und Wenzel III. in der Königsaaler Chronik, 14. Jahrhundert.
Im Jahre 1158 verlieh Kaiser Friederich I. an Wladislaw II. die Königswürde. Auch die Stellung der böhmischen Herrscher veränderte sich. Přemysl Ottokar I. erlangte 1198 erneut die Königswürde; ihre erbliche Anerkennung wurde durch die Goldene Bulle von Sizilien 1212 wesentlich gefestigt. Das Bistum Olmütz war 1063 wiedererrichtet worden. Přemysl Ottokar II. wurde 1253 König von Böhmen. Er war bereits Markgraf von Mähren und seit 1251 Herzog von Österreich. Er wurde 1232 oder 1233 geboren und fiel am 26. August 1278 in der Schlacht bei Dürnkrut und Jedenspeigen. Unter ihm erlebte Böhmen als Staat seine größte Machtentfaltung. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts, etwa zur Zeit seines Regierungsantritts, nahm die Ansiedlung deutscher Zuwanderer stark zu. Sie hatte jedoch bereits zwei Generationen früher begonnen. Ottokar förderte die Besiedlung weiterhin und gründete viele deutschsprachige Städte. An einem Kreuzzug nach Preußen nahm er 1255 teil. Die damals errichtete Ordensburg Königsberg wurde zu seinen Ehren benannt; die anschließende Stadtentwicklung ist davon zu unterscheiden. Auf ein Gelübde Ottokars, welches er vor der Schlacht gegen die Ungarn bei Kressenbrunn im Jahre 1260 abgelegt hatte, geht die Gründung des Klosters Goldenkron zurück.
Im Jahre 1251 von den Ministerialen Österreichs als Herzog berufen, heiratete er 1252 Margarete, die Schwester des letzten Babenbergers Friedrich II., ließ sich aber 1261 von ihr scheiden. Er nahm den Ungarn die Steiermark (1261 Herzog der Steiermark)ab und erwarb Kärnten und Krain (1269 Herzog von Kärnten und Krain) zur Stärkung seiner Macht gründete er die Städte Marchegg, Bruck a. d. Mur, Leoben und Radkersburg. In Wien wird Ottokar mit dem Ausbau der Hofburg in Verbindung gebracht. Die Stephanskirche bestand bereits seit dem 12. Jahrhundert; nach dem Brand von 1258 wurde sie 1263 erneut geweiht. Zu seiner Zeit begann die Abtrennung Ober Östreichs von Nieder Östreich. Ottokar regierte anfangs mit Milde, ab 1265 mit Härte(Seifried von Mahrenberg), daher liefen ab 1273 viele österreichische Adelige zu Rudolf von Habsburg über. Da er nicht um Belehnung ansuchte, wurden ihm die Länder der Babenberger und Sponheimer abgesprochen. In der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen ihm und Rudolf von Habsburg, der Ottokar zur Herausgabe der annektierten Gebiete zwingen wollte, kam es 1278 zur Schlacht bei Dürnkrut auf dem Marchfeld, in welcher er am 26. 8. 1278 zwischen Dürnkrut und Jedenspeigen ums Leben kam; die Einzelheiten seines Todes werden unterschiedlich überliefert. Ein Parteigänger Ottokars war Zawisch von Falkenstein aus dem weit verzweigten Geschlecht der Witigonen. Dieser, mit Ottokars Witwe verheiratet, trachtete nach der böhmischen Krone, was ihn das Leben kosten sollte. Im Jahre 1290 wurde er in Frauenberg enthauptet. Im Hohenfurter Stiftschatz wurde das angeblich von ihm stammende wertvolle Zawisch Kreuz aufbewahrt.
Um 1300 wurde Prag kultureller Mittelpunkt. Herrscher war Wenzel
II., der Sohn Ottokars II. und Schwiegersohn Rudolfs von Habsburg.
Wenzel, welcher vorübergehend auch die polnische Krone innehatte, förderte
weiterhin die Zuwanderung aus dem Westen. Er holte Dichter an seinen
Hof, darunter den Meißner, Ulrich von Eschenbach, Heinrich von Freiberg
und Heinrich den Klausner. Er selbst verfaßte Minnelieder in deutscher
Sprache und ist auch in der Heidelberger Handschrift vertreten. Wenzel
erließ das Kuttenberger Bergrecht, das zum Vorbild für das europäische
Bergrecht wurde. Unter seiner Regentschaft begann man mit der Prägung
der Prager Groschen, einer hochwertigen Münzeinheit. Wenzel II. starb
1305. Sein Sohn Wenzel III. wurde bereits 1306 während der Vorbereitung
zu einem Kampf gegen Polen in Olmütz ermordet.
Mit ihm erlosch 1306 die königliche Hauptlinie der Přemysliden im Mannesstamm. Die Troppau-Ratiborer Nebenlinie bestand bis 1521 fort.