Von Johann von Luxemburg bis Sigismund: Die Luxemburger prägten Böhmen und Mähren von 1310 bis 1437. In dieser Zeit erlebte Prag seine große Blüte; in Iglau wurden 1436 die Vereinbarungen mit den Hussiten feierlich anerkannt.
Johann von Luxemburg

König Albrecht I. zog Böhmen als Reichsgut ein. Sein Sohn Rudolf, von den böhmischen Ständen zum König gewählt, starb schon 1307 ohne Nachkommen. Nach dem Tod Rudolfs folgte zunächst erneut Heinrich von Kärnten. Mit Johann von Luxemburg begann 1310 die Herrschaft der Luxemburger in Böhmen; sie dauerte mit Karl IV., Wenzel IV. und Sigismund bis 1437. Unter König Johann fiel im Jahr 1322 das Egerland als Pfand an die Krone Böhmens; es wurde nicht mehr eingelöst. Seit den 1320er Jahren unterstellten sich mehrere schlesische Fürsten der böhmischen Lehenshoheit.
Der polnische Verzicht auf Ansprüche 1335 und spätere Erwerbungen festigten diese Stellung; ganz Schlesien kam nicht in einem einzigen Schritt 1335 hinzu. 1344 wurde das Erzbistum Prag gegründet und zwei Jahre später 1346 fiel König Johann von Luxemburg in der Schlacht bei Crecy.
Karl IV.
Karl IV.: Büste im Prager Veitsdom, aus dem 14. Jahrhundert.Peter Parler; Foto: Packare · Wikimedia Commons · CC0Sein Sohn Karl IV. (1346–1378) wurde 1346 zum römisch-deutschen König gewählt und 1355 zum Kaiser gekrönt. Mit seiner Regierung beginnt das Goldene Zeitalter Böhmens. Er führte zahlreiche Reformen durch, ließ zahlreiche Bauten errichten und förderte Kunst und Wissenschaft. Sein Kanzler Johann von Neumarkt, Bischof von Leitomischl und später von Olmütz (gestorben 1380; sein Geburtsjahr wird unterschiedlich angesetzt), spielte eine bedeutende Rolle in der Entwicklung des "deutschen Frühhumanismus" und hatte durch den von ihm geprägten Kanzleistil wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des Neuhochdeutschen.
Karls Herrschaft begann in einer umstrittenen Lage. Am 11. Juli 1346 wählten ihn fünf Kurfürsten (Fürsten, die den römisch-deutschen König wählen durften) bei Rhens zum römisch-deutschen König, während Ludwig der Bayer noch regierte. Nach dem Tod seines Vaters Johann in der Schlacht bei Crécy wurde Karl am 26. November 1346 in Bonn gekrönt. Ludwig starb erst im Oktober 1347; Karls Stellung im Reich festigte sich in den folgenden Jahren. Am 2. September 1347 empfing Karl in Prag die böhmische Krone. 1355 wurde er in Rom zum Kaiser gekrönt.
Der Prager Erzbischof Arnošt von Pardubice setzte ihm die eigens angefertigte Wenzelskrone auf. Die Krone gehört bis heute zu den böhmischen Krönungsinsignien. Geboren wurde Karl am 14. Mai 1316 in Prag als Sohn des böhmischen Königs Johann von Luxemburg und seiner Frau, der Premyslidin Elisabeth.
Im Alter von sieben Jahren wurde er zur Erziehung nach Frankreich geschickt. Hier lernte der Thronfolger Lesen und Schreiben, für damalige Herrscher außergewöhnliche Fähigkeiten. Neben Tschechisch, Deutsch, Französisch und Italienisch beherrschte Karl auch Latein und gehörte somit zu den meist gebildeten Persönlichkeiten seiner Zeit. Im Alter von 17 Jahren kehrte Karl 1333 in die böhmischen Länder zurück und übernahm Aufgaben in der Landesverwaltung; 1334 erhielt er den Titel eines Markgrafen von Mähren.
In seinem Lebenslauf erinnert sich Karl daran, in was für einem Zustand er das Land und den Hof vorgefunden hatte.
Landesverwaltung und Adel
Sein Vater Johann beschäftigte sich vor allem mit der Außenpolitik und den Ereignissen im deutschen Reich. Er hielt sich nur selten in Prag auf. Seine häufige Abwesenheit erschwerte die Verwaltung Böhmens. Karl schildert den Zustand des Königreichs in seiner Autobiographie als verarmt und ungeordnet; diese Darstellung ist zugleich eine Rechtfertigung seiner eigenen Regierung. Nach seiner Schilderung war die Prager Burg unbewohnbar, Finanzen und Verwaltung benötigten eine Reform, während der langen Abwesenheit Johanns hatten die Adeligen zudem ihre Macht immer mehr ausgebaut und herrschten - so Karl in seinen Erinnerungen - wie Tyrannen.
Karl machte sich daran, die gröbsten Mißstände zu beseitigen. Schwierig war es, den Adel, der an die Abwesenheit des Herrschers gewöhnt war, wieder in seine Schranken zu weisen und die Autorität des Königs wieder herzustellen. Lange Jahre hatte Karl gegen den selbstbewußten böhmischen Adel zu kämpfen, wiederholt hatte er dabei Niederlagen einzustecken. Sein letzter Versuch mit Hilfe der Majestas Carolina, einer Art Gesetzbuch, die Stellung des Herrschers zu festigen und die des Adels einzuschränken scheiterte 1355 am Widerstand der Adeligen.
Karl hatte zuvor das Mitspracherecht der Stände bei der Königswahl eingeschränkt. Auch Töchter der Luxemburger konnten nun den Thron erben. So wollte er die böhmische Krone langfristig für seine Familie sichern. Im Jahr 1341, nachdem sein Vater Johann völlig erblindet war, wurde Karl mit der gesamten Verwaltung der böhmischen Länder beauftragt. Zudem wurde er von der Landesversammlung offiziell zum Thronfolger gekürt. Bereits 1344, also noch vor seiner Ernennung zum König und Kaiser, konnte Karl einen ersten großen Erfolg verzeichnen.
Prag wurde zum Erzbistum erhoben. Erster Prager Erzbischof wurde Arnošt von Pardubice, der drei Jahre später Karl zum böhmischen König krönte. Am 21. November 1344 wurde auf der Prager Burg der Grundstein für eine neue Kathedrale gelegt. Außerdem entstand ein neuer, prunkvoller Königspalast.
Prag als kulturelles Zentrum
Nach der Krönung Karls IV. zum böhmischen König erlebte Prag eine Blütezeit. Prag wurde zu einem bedeutenden kulturellen und geistigen Zentrum und zu einer der wichtigsten Residenzen des Herrschers. Eine feste Hauptstadt mit der Verwaltungsfunktion eines heutigen Nationalstaates besaß das Reich nicht. Um diese außergewöhnliche Stellung zu unterstreichen, ließ Karl IV. einige Bauvorhaben verwirklichen. Die bereits zuvor verbreitete Gotik erlebte dabei eine besondere Blüte. 1348 gründete Karl die Prager Neustadt und erweiterte damit die Stadtfläche erheblich.
Die bis zu 27 Meter breiten Straßen und der große Marktplatz gehörten zu den bemerkenswerten Merkmalen dieser Stadtplanung. Zugleich begannen die Arbeiten an der einen Tagesritt von Prag gelegenen Burg Karlstein, dem Aufbewahrungsort der Reichskleinodien und dem böhmischen Kronschatzes. Die Kreuzkapelle der Burg ist mit wertvollen Gemälden und zahlreichen Halbedelsteinen geschmückt. 1348 wurde schließlich in Prag eine der ältesten Universitäten Mitteleuropas und die erste nördlich der Alpen und östlich von Paris gegründet.
Die gemeinsame Lehr- und Wissenschaftssprache war Latein; eine „deutschsprachige Universität“ im heutigen Sinn war sie nicht.
Vertiefung: Gründungsurkunde der Karlsuniversität · 7. April 1348
Lesbare deutsche Übersetzung
Karl, von Gottes Gnaden römischer König, allezeit Mehrer des Reiches, und König von Böhmen. Zum ewigen Gedächtnis dieser Sache.
Unter den Wünschen unseres Herzens und den Angelegenheiten, die unseren königlichen Sinn beständig beschäftigen, gilt unsere besondere Sorge dem Königreich Böhmen. Ihm sind wir mit besonderer Liebe zugetan, mehr als allen anderen ererbten oder durch glückliche Fügung erworbenen Würden und Besitzungen. Seine Erhöhung fördern wir mit aller Sorgfalt; auf seine Ehre und sein Wohlergehen richten wir unsere ganze Kraft. Wie es durch Gottes Fügung an den Früchten der Erde reich ist, so soll es zu unserer Zeit durch unsere Vorsorge auch mit einer Fülle gelehrter Männer ausgezeichnet sein.
Unsere getreuen Landesbewohner, die unablässig nach den Früchten der Wissenschaft verlangen, sollen nicht gezwungen sein, in der Fremde um Hilfe zu bitten. Sie sollen vielmehr im eigenen Königreich einen gedeckten Tisch der Bildung finden. Wer durch natürliche Begabung zum Rat befähigt ist, soll durch wissenschaftliche Kenntnisse auch gebildet werden. Niemand soll deshalb genötigt sein, auf der Suche nach Wissen die Welt zu durchreisen, fremde Völker aufzusuchen oder in anderen Ländern um die Erfüllung seines Bildungswunsches zu bitten. Vielmehr sollen unsere Landesbewohner es als Ehre ansehen, Menschen aus der Fremde einzuladen, damit auch diese an den Vorzügen und Wohltaten dieser Bildung teilhaben.
Damit diese heilsame und lobenswerte Absicht würdige Früchte trägt und das Ansehen unseres Königreichs durch eine erfreuliche neue Einrichtung vermehrt wird, haben wir nach reiflicher Überlegung beschlossen, in unserer Hauptstadt Prag eine allgemeine Hochschule, ein Studium generale, einzurichten, zu ordnen und neu zu gründen. Der fruchtbare Boden, der Reichtum an Gütern und die angenehme Lage dieser Stadt machen sie für ein solches Vorhaben besonders geeignet.
An dieser Hochschule sollen Doktoren, Magister und Studierende aller Fakultäten wirken. Wir versprechen ihnen ansehnliche Güter und werden denjenigen, die wir dafür würdig befinden, königliche Gaben gewähren.
Alle Doktoren, Magister und Studierenden, jeder Herkunft und jeder Fakultät, nehmen wir auf ihrer Anreise, während ihres Aufenthalts und auf ihrer Rückreise unter den besonderen Schutz und Schirm unserer königlichen Majestät. Wir geben ihnen die feste Zusicherung, dass wir allen, die hierherkommen wollen, sämtliche Vorrechte, Befreiungen und Freiheiten gewähren, deren sich die Doktoren und Studierenden an den Hochschulen von Paris und Bologna kraft königlicher Autorität erfreuen. Wir werden dafür sorgen, dass diese Rechte von allen unverletzt beachtet werden.
Zum Zeugnis und zur sicheren Bestätigung all dessen haben wir diese Urkunde ausfertigen und mit dem angehängten Siegel unserer Majestät bekräftigen lassen.
Gegeben zu Prag im Jahr des Herrn 1348, in der ersten Indiktion, am 7. April, im zweiten Jahr unserer Königsherrschaft. Die Indiktion ist eine mittelalterliche Datierungsangabe innerhalb eines fünfzehnjährigen Jahreszyklus.
Lateinischer Wortlaut
Littera fundationis Universitatis Carolinae Pragensis. 7. Aprilis 1348
Karolus, Dei gracia Romanorum rex semper augustus et Boemie rex. Ad perpetuam rei memoriam. Inter desiderabilia cordis nostri que cogitacioni regali iugiter occurrunt, animi precipua reddimur anxietate solliciti specialiter convertentes aciem mentis nostre, qualiter regnum nostrum Boemie, quod pre ceteris hereditariis, aut eufortune acquisicionis honoribus et possessionibus prerogativa mentis affeccione complectimur, cuius exaltacionem omni, qua possumus, diligencia procurantes, ipsius honori intendimus totis conatibus et saluti, sicut rerum victualium, ad dispensacionem divini nominis natura profluente tripudiat, sic ad nostre provisionis edictum prudentum virorum copia nostris artificialiter temporibus decoretur, ut fideles nostri regnicole, qui scienciarum fructus indesinenter esuriunt, per aliena mendicare suffragia non coacti paratam in regno sibi mensam propinacionis inveniant, et quos ingeniorum nativa subtilitas ad consilia reddit conspicuos, litterarum sciencia faciat eruditos, nec solum compellantur, aut supervacuum reputent ad investigandas gyrum terre sciencias circuire, naciones expetere peregrinas aut, ut ipsorum aviditatibus satisfiat, in alienis regionibus mendicare, sed gloriosum estiment extraneos alios ad suavitatem odoris et gratitudinis huiusmodi participium evocare. Sane ut tam salubris et laudabilis animi pareat concepcio fructus dignos, regni ipsius fastigia tripudialibus novitatis volentes primiciis augmentari, in nostra Pragensi metropolitica et amenissima civitate, quam terrene fertilitatis fecunditas et plenitudine rerum amenitas localis reddunt utiliter tanto negocio congruentem, instituendum, ordinandum et de novo creandum consulta utique deliberacione previa duximus studium generale, in quo siquidem studio doctores, magistri et scolares erunt in qualibet facultate, quibus bona magnifica promittimus et eis, quos dignos viderimus, regalia donaria conferemus, omnes et singulos doctores, magistros et scolares in profectione et qualibet facultate ac undecunque venerint, veniendo, morando et redeundo sub nostre maiestatis speciali protectione et salva gardia retinentes, firmam singulis fiduciam oblaturi, quod privilegia, immunitates et libertates omnes, quibus tam in Parisiensi, quam Bononiensi studiis doctores et scolares auctoritate regia uti et gaudere sunt soliti, omnibus et singulis illuc accedere volentibus liberaliter impertimur et faciemus ab omnibus et singulis inviolabiliter observari. In quorum omnium testimonium et ad certitudinem pleniorem presentes fieri iussimus et nostre maiestatis sigilli appensione muniri.
Datum Prage anno domini millesimo trecentesimo quadragesimo octavo, indictione prima, septimo Idus Aprilis, regnorum nostrorum anno secundo.
Eigene sinngemäße Übersetzung. Lateinischer Text zumKarlsuniversität Prag.
Baukunst, Reichspolitik und Erbe
Im Juli 1357 wurde dann der Grundstein für den Bau einer steinernen Brücke über die Moldau gelegt. Außenpolitisch bemühte sich Karl IV. das Territorium seines Königreiches Böhmen möglichst ohne Waffengewalt zu vergrößern. Er erwarb durch geschickte Politik, Verhandlungen und nicht zuletzt seine vier Ehen das oberpfälzische Neuböhmen und die Niederlausitz, 1373 gelangte auch die Kurmark Brandenburg unter böhmische Kontrolle. Karl festigte zudem die Stellung Böhmens im deutschen Reich.
Prag gewann als bevorzugte Residenz Karls eine herausragende Stellung; eine förmliche Erhebung zur festen Reichshauptstadt ist damit nicht verbunden. 1356 wurde die führende Stellung Böhmens im deutschen Reich in einer Goldenen Bulle unterstrichen, das wichtigste Grundgesetz für das Reich. Sie kodifizierte das Recht der Königswahl und die Ordnung der Königswahl. Der böhmische König hatte dabei den Vorrang unter den weltlichen Kurfürsten; die geistlichen Kurfürsten sind davon zu unterscheiden.
Als Karl IV. 1378 im Alter von 62 Jahren starb, hinterließ er seinem Thronfolger Wenzel ein weit ausgedehntes Königreich. Es reichte im Norden bis zur Mark Brandenburg, im Westen bis nach Franken und im Osten über große Teile Schlesiens. Reformen der Verwaltung und der Finanzen hatten das Königreich gestärkt. Karl IV. wird vorgeworfen, dass er zwar Böhmens Erzvater, aber des Reiches Erzstiefvater gewesen sei. In der Tat blühten die Böhmischen Länder und Prag unter seiner über 30-jährigen Regierung auf.
Die Bauwerke der Zeit, wie Karlsbrücke und Brückentürme, Veitsdom und Neustädter Rathaus gehören heute noch zu den Juwelen der Prager Architektur. Seinen Bruder Johann Heinrich belehnte Karl mit der Markgrafschaft Mähren. Auch seine Regierungszeit von 1349 - 1375 wurde als Goldenes Zeitalter Mährens bezeichnet. 1352 erhob der Markgraf Olmütz zum Oberhof für alle mährischen Städte, in denen Magdeburger recht galt. Seit 1356 wirkte der Baumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd am Prager Dombau.
Karl erwarb Teile der Oberpfalz und festigte durch unterschiedliche Verträge und Erbregelungen die Verbindung weiterer schlesischer Gebiete mit der böhmischen Krone. 1367 kam die Niederlausitz hinzu. 1373 kaufte er das Wittelsbachische Brandenburg ( Vertrag von Fürstenwalde.)
Wenzel IV.

Sein Sohn Wenzel regierte von 1378 - 1419. Er erfüllte die hohen Erwartungen nach der Regierung seines Vaters nicht. 1400 setzten ihn vier rheinische Kurfürsten als römisch-deutschen König ab. Sie warfen ihm vor, das Reich unzureichend zu regieren. König von Böhmen blieb er. Im Jahr 1393 ließ Wenzel Johannes von Nepomuk den Generalvikar des Prager Erzbischofs, foltern und in der Moldau ertränken.
Der mährische Zweig der Luxemburger
Johann Sobeslaw (Sobiëslaw oder Sobieslaus) von Luxemburg - Mähren, Bischof von Leitomischl (1380), Bischofskandidat zu Olmütz (1387) und Patriarch von Aquileja (1387), * 1355-1358, † 12.10. 1394 Udine (Region Friaul, Italien), begraben ursprünglich in der dortigen Kirche Santa Maria di Castello, dann in einem Erdgrab im Dompresbyterium, hinter dem Hauptaltar, zusammen mit Patriarch Nikolaus von Luxemburg († 1358).
J.S. (»Johannem qui cognominatus est Sobieslaw [Johann, der Sobieslaw genannt wird]«) wurde wohl 1355 (oder spätestens 1358) geboren und war der zweite Sohn des Markgraf Johann Heinrich von Luxemburg - Mähren († 12.11. 1375), des jüngeren Bruders Kaiser Karls. IV., und seiner zweiten Gemahlin Margarete († Anfang 1363) von Troppau (Opava). Im väterlichen Testament wird er als» filius noster secundogenitus [unser zweitgeborener Sohn]« erwähnt.
Sein älterer Bruder war Markgraf Jobst (Jodok) von Mähren, der 1410 von der Mehrheit der Kurfürsten gegen seinen Vetter Sigismund von Luxemburg zum deutschen König gewählt wurde. Schon früh trat er eine kirchliche Laufbahn an und um 1370 empfing die Diakonsweihe. Lange wurde Johann Sobieslaw mit seinem Halbbruder Johann von Mähren verwechselt. Dieser starb zwischen dem 9.4. 1380 und dem 20.9. 1381. Er war 1368 in Rom auf Wunsch Karls IV. zum Propst von Vysehrad in Prag ernannt worden. Die Forschungen Veldtrups zeigen, dass es sich um zwei verschiedene Personen handelte.
Durch die in Prag am 17.2. 1377 abgeschlossene Vereinbarung übergab er seinen Anteil des mährischen Erbes in Jobsts Verwaltung, der ihm dafür eine Abfindung zahlte und ihn beim Erwerb des Bischofsstuhles von Leitomischl (Litomysl, im Jahr 1380 tatkräftig unterstützte. Als am 12.2. 1387 das Bistum von Olmütz (Olomouc) frei wurde, kam es wegen der Neubesetzung zu einem Zwiespalt. Gegen den päpstlichen Kandidaten Nikolaus von Riesenburg († 1397) übten sowohl die mährischen Markgrafen als auch König Wenzel IV. ihren Einfluß aus, um Johann S. zu diesem Amt aufzustellen.
Urban VI. nahm seine eigene Ernennung jedoch nicht zurück. Aber, da sich letzterer mit Wenzel nicht verfeinden wollte, ernannte Urban VI. den Luxemburger am 27.11. 1387 zum Patriarchen von Aquileja, wo vor ihm schon sein Onkel Nikolaus von Luxemburg, ein unehelicher Sohn König Johanns von Böhmen, dasselbe Amt im Zeitraum 1350-1358 bekleidet hatte. Im September 1388 trat er in Udine mit prächtigen Feierlichkeiten ein.
Die Besitzergreifung des Patriarchats Aquileja war für die mährisch - böhmischen Luxemburger, sowie früher für Karls IV. italienische Politik, von besonderer Bedeutung, denn sie drängten auf diese Weise die habsburgischen Expansionsstreben in diesem Raum zurück und festigten die kirchliche Herrschaft, am Rande der venetianischen »terra ferma [Festland; hier die Festlandgebiete Venedigs]«, an das Reich. In Oberitalien war Aquileja, neben Trient, das einzige Bistum, das weitgehend den deutschen geistlichen Landesfürstentümern entsprach.
Es beherrschte nicht nur das einzige mächtige Kirchenfürstentum Reichsitaliens und jene Verkehrswege, die die Verbindung mit Böhmen und Mähren sicherten, sondern verwaltete auch die Abgaben der Kirchenprovinz an die Kurie. - Seine markgräfliche Tätigkeit ist aufgrund des kirchlichen Engagements sehr gering einzuschätzen. Zur weltlichen Beschäftigung gehört nur eine einzige undatierte Urkunde von ihm, die für eine der königlichen Städte, Ivancice (Eibenschütz) ausgestellt wurde.
Als Ausstellungsort wird die Burg Ruckstein in der Nähe von Iglau angegeben, die Johann Sobieslaw von seinem Vater erhalten hatte.
Die Beziehungen im mährischen Zweig der Luxemburger waren keineswegs freundlich, denn es gab heftige Streitigkeiten zwischen Jobst und seinen Brüdern. J.S. machte seinem kaiserlichen Onkel nur Kummer wegen der wesentlichen Schulden und Unannehmlichkeiten im Verkehr mit den königlichen Beamten. Da J.S. einige Adelige gegen sich aufbrachte, weil er sich von ihnen Geld lieh und es nicht zurückgab, mußte Karl IV. selbst für ihn die Schulden zahlen.
Aus der Urkunde geht hervor, dass der Kaiser beabsichtigte, von der offenbar hohen Schuld des J.S. allmählich selbst zweitausend Schock (eine alte Zähleinheit für sechzig Stück, hier meist Groschen) böhmischer Groschen zu bezahlen. Es steht fest, dass J.S. seinen Onkel nach Rom begleitete, wo sie vom 19.10. bis zum 16.12.1368 verweilten. Er war im Gefolge des kaiserlichen Paares anläßlich der Krönung von Karls vierter Ehefrau, Elisabeth von Pommern, zur Kaiserin am 1. November 1368.
So beweisen die zahlreichen auf dem Romzug ausgestellten Urkunden, in denen Johan Sobieslaw. als Zeuge erscheint. Bevor er in den geistlichen Stand trat, muß Karl IV. ein Eheprojekt um 1370 geplant haben, das ihn mit den pfälzischen Wittelsbachern verbinden sollte. Die Eheverhandlungen erfolgten in bezug auf Elisabeth (geb.um 1351, † vor 1401), eine Tochter Ruprechts II. von der Pfalz und daher Schwester des späteren deutschen Königs Ruprecht III., die dann unverehelicht blieb.
Am 8.10.1394 kamen einige Botschafter des Udineser Volks zur Burg Soffumbergo, um den Patriarchen zu überzeugen, nach Udine zurückzukommen. Johan Sobieslaw. nahm die Einladung an, aber nach wenigen Tagen wurde er von dem siebzehnjährigen Tristano Savorgnano und anderen Friauler Verschwörern ermordet, während er unter einer Laube bei dem Burgtor am Morgen vom 12.10.1394 spazierenging.
Sigismund von Luxemburg

Sigismund von Luxemburg. Am 15. Februar 1368 kam er als Sohn Karls IV. und dessen vierter Frau, Elisabeth von Pommern, zur Welt. Gute Aussichten auf den böhmischen Thron hatte Sigismund nicht. Nachfolger Karls IV. wurde 1378 Sigismunds älterer Halbbruder Wenzel. Nach dessen Tod 1419 bemühte sich Sigismund um dessen Nachfolge, doch wegen der herrschenden Hussitenkriege blieb Sigismunds Anspruch auf den böhmischen Thron über Jahre umkämpft. Er ließ sich bereits 1420 krönen, wurde von den hussitischen Ständen aber zunächst nicht anerkannt.
Erst 1436 sah sich der ehrgeizige Sigismund von Luxemburg am Ziel seiner Bestrebungen: endlich wurde er als böhmischer König anerkannt. Doch bereits im folgenden Jahr, am 9. Dezember 1437 verstarb er im südmährischen Znojmo/Znaim im Alter von 69 Jahren. Karl IV. war bestrebt gewesen, seinen Kindern zukünftige Machtstellungen zu sichern. Bereits als fünfjähriger wurde deshalb Sigismund zum Statthalter der Kurmark Brandenburg ernannt und mit Maria, der Tochter des ungarischen und polnischen Königs Ludwig I, verlobt.
Bis zur Eheschließung vergingen jedoch noch 12 Jahre, die durch Streitigkeiten um die Nachfolge auf dem polnischen und dem ungarischen Thron gekennzeichnet waren. 1387 wurde Sigismund schließlich zum ungarischen König gekrönt. Doch seine Ambitionen waren größer und richteten sich auf die Reichpolitik. Nach der umstrittenen Wahl von 1410 und dem Tod seines Mitbewerbers Jobst wurde Sigismund 1411 erneut zum römisch-deutschen König gewählt. Als solcher wirkte er entscheidend auf die Einberufung des Konstanzer Konzils 1414 hin, welches das päpstliche Schisma beenden sollte.
Ein weiterer Punkt des Konzils waren die Lehren von Jan Hus, der gehofft hatte, seine Ansichten vor den führenden Kirchenvertretern verteidigen zu können.
Das Konstanzer Konzil und Jan Hus
Trotz eines Geleitbriefs des deutschen Königs Sigismund wurde Jan Hus am 6. Juli 1415 als Ketzer verbrannt. Das Konzil endete mit einem Erfolg für Sigismund: von den drei konkurrierenden Päpsten wurden Johannes XXIII. und Benedikt XIII. abgesetzt; Gregor XII. trat zurück. 1417 wurde Martin V. zum neuen Papst gewählt, die Spaltung des Papsttums hatte nach knapp 40 Jahren ein Ende gefunden. Trotz seiner mächtigen Stellung als deutscher König und seinen Erfolgen bei der Beendigung des päpstlichen Schismas ist das Bild Sigismunds in der Geschichtsschreibung bis heute nicht gerade gut.
Auch wenn Sigismund die meiste Zeit seines Lebens außerhalb Böhmens verbrachte, knapp 50 Jahre lang ungarischer König und über 20 Jahre lang auch deutscher König war, ist er auch für die böhmische Geschichte von Bedeutung: 1419 war Sigismunds Halbbruder Wenzel IV. kinderlos gestorben. Sigismund hatte also berechtigte Aussichten auf dessen Nachfolge auf den böhmischen Thron. Doch die Auseinandersetzungen mit den Hussiten machten diesem Plan vorerst einen Strich durch die Rechnung.
Verhandlungen mit den Hussiten über Sigismunds Thronbesteigung scheiterten bereits 1419.
Verkündung der Basler Kompaktaten in Iglau 1436. Spätere Darstellung aus der „Česko-moravská kronika“ von 1868. Illustration aus der Česko-moravská kronika / Kramerius, Národní knihovna České republiky · CC BY-SA 4.0.Die Kompaktaten in Iglau · 1436
Daraufhin rief Sigismund zu einem Kreuzzug gegen die von der katholischen Kirche als ketzerisch verurteilten Hussiten auf. 1420 zog er zwar in Prag ein und ließ sich in aller Eile im Veitsdom auf der Prager Burg zum böhmischen König krönen, doch anerkannt wurde er von den rebellischen böhmischen Ständen nicht. Nach zwei Niederlagen gegen die hussitischen Truppen unter deren legendären Heerführer Jan Zizka zog sich Sigismund vorerst aus Böhmen zurück. Doch seine Ambitionen gab er nicht auf: An dem 1431 in Basel einberufenen Konzil verhandelten ab 1433 auch Vertreter der Hussitenbewegungen.
Als Kompromiß zwischen der katholischen Kirche und den einzelnen Hussitenbewegungen wurden die Basler Kompaktaten angenommen. Diese sprachen den Hussiten die Einnahme des Abendmahls in beiderlei Gestalt zu. Weitere Fragen wurden eingeschränkt und unter unterschiedlichen Auslegungen behandelt; die vier Prager Artikel wurden nicht unverändert als Ganzes übernommen. Unzufrieden mit dem Ergebnis des Basler Konzils waren allerdings die extremen Flügel der Hussiten, die am 30.
Mai 1434 in der Schlacht bei Böhmisch Brod auch die Schlacht bei Lipany genannt gegen die gemäßigten Gruppierungen antraten. In dieser Schlacht unterlagen die Radikalen. Damit war der Weg für den Frieden in Böhmen nach knapp 20jähriger kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Hussiten frei. Mitte Juni traf Kaiser Sigismund mit seinem Schwiegersohn Albrecht von Österreich in Iglau ein. Am 5. Juli 1436 erkannte Sigismund die Vereinbarungen über die Kompaktaten auf dem Generallandtag in Iglau an.
Im Gegenzug erkannten ihn die böhmischen Stände nun als neuen König von Böhmen an, zugleich forderten sie jedoch einige weitere Gegenleistungen. Sigismund mußte einer Reform der Landtage zustimmen. In Zukunft sollte der Klerus auf diesen nicht mehr vertreten sein, dafür aber der niedrige Adel. Zudem wurde der Landtag in drei Kurien geteilt, die Herren-, die Ritter- und die Städtekurie. Damit war der Grundstein für das Ständesystem gelegt, das in den folgenden zwei Jahrhunderten von großer Bedeutung in Böhmen sein sollte.
Am 18. August verließ der Kaiser Sigismund Iglau und reiste über Tschaslau nach Prag. Die Wenzelskrone ließ der Kaiser wieder nach Prag zurückbringen. Sigismunds Gemahlin Barbara wurde am 11.02.1437 zur Böhmischen Königin gekrönt. Der Kaiser konnte sich jedoch nur kurze Zeit des böhmischen Throns erfreuen. Auf einer Reise nach Ungarn verstarb er am 9. Dezember 1437, rund 17 Monate nach der Verkündung der Kompaktaten in Iglau, im südmährischen Znojmo / Znaim.
Mit ihm starb die männliche Linie des Luxemburger - Herrscherhauses aus.