Inmitten
der ausgedehnten, waldreichen Böhmisch -Mährischen Höhe, an beiden Seiten
der Landesgrenze zwischen Böhmen und Mähren, an der Igel liegt die altehrwürdige
Stadt Jglau 550 m.. Die älteste Bergstadt in Mähren an der Böhmischen
Grenze war Hauptort einer Sprachinsel mit 26.000 Deutschen und Bahnstation
der Eisenbahnlinie Koli - Znaim. Iglau mit seinen drei Vorstästen
Frauen-, Pirnitzer-, und Spitalvorstadt, besaß früher ein
eigenes Gemeindestatut. Schon 1240 wurde Iglau und einige Dörfer
aus der Untertänigkeit des Klosters Tischnowitz befreit. Iglau
war berühmt wegen seines Silberbergbaus, des reichsten in Europa,
der seit dem 13 Jahrhundert florierte. Der aus dem Bergbau fließende
Reichtum kam insbesondere in der Großzügigkeit der Stadtgründung zum
Vorschein. Fast gleichzeitig wurden drei bedeutende Kirchengebäude gebaut
- die Pfarrkirche des Heiligen Jacob und die Klosterkomplexe der Minoriten
und der Dominikaner. Die vom König erteilten Privilegien garantierten
der Stadt Prosperität, und Iglau wurde bald zu einer der mächtigsten
Städte des Königreiches. Sie war von mächtigen Festungsmauern geschützt,
den Marktplatz säumten steinerne Häuser mit einem Laubengang.In der
alten Münze schlug man im 13. und 14. Jhd. Münzen,dies beweist
uns die Bedeutung der Stadt. Erhaltene Kunstdenkmäler wie Rechtshandschriften,
darunter 12 Stadtbücher und spätgotische Plastiken gehören zu den
bedeutendsten dieser Art in den böhmischen Ländern.
Iglau nahm einen
bedeutenden Platz auch auf dem Rechtsgebiet ein erstmals in Mitteleuropa
war hier neben dem Stadtrecht auch das Bergrecht kodifiziert, das zum
Vorbild für eine Reihe von weiteren Bergstädten wurde. Jahrhundertelang
war Iglau der Sitz des Oberberggerichts.
Mitte des 13. Jahrhunderts wurder Iglau durch die Niederschrift eigener
Rechtsnormen bekannt. Höchstwahrscheinlich
wurde diese Norm bereits um die Mitte ds 13. Jahrhunderts kodifiziert,
sie ist aber nicht erhalten geblieben. Auf ihrer Grundlage entstand
das Privilegium A, in dem zum ersten Mal in ganz Mitteleuropa die Grundsätze
des Bergrechts schriftlich festgehalten wurden. Die Urkunde besteht
aus drei Teilen ( A, B, C,) und wird im Iglauer Kreisarchiv aufbewahrt.
Zehn Jahre später entstand die nächste Variante des Iglauer Bergrechts,
das sogenannte Privilegium B, das die weitere Entwicklung sowie die
Änderungen der Normen enthält - die einzelnen Artikel wurden erweitert,
berichtigt und ergänzt.Die Urkunden wurden wie damals üblich in
Latein verfaßt.
Das Iglauer Bergrecht
wurde zur Grundlage für den berühmten Bergkodex des Königs Wenzel II.
er liess das Bergrecht von Iglavia um 1300 in den Constitutiones Juris
Metallici Wenceslai II. [Deutsch: Bergrechtsbestimmungen König Wenzels II.] zusammenfassen.und daraus entstand der Ius Regale
Montanorum [Deutsch: königliches Bergrecht] - der im Jahre 1300 vom italienischen Gelehrten Gozio ab
Orvieto am königlichen Hof entstand. Dieser Kodex wurde zum Vorbild
für das Bergrecht in ganz Europa, im 16. Jahrhudert gelangte er von
Spanien bis nach Südamerika. Der Vollzug des Bergrechts oblag dem Iglauer
Berggericht. Seine Rechtsgewalt reichte ursprünglich nur in die Gebiete,
in denen deutsche Bergleute arbeiteten. Mit der Besiedlung weiterer
Gebiete durch die deutschen Kolonisten verbreitete sich auch das Iglauer
Bergrecht. Sein Wirkungsbereich vergrößerte sich und das Iglauer Berggericht
wurde zum Obersten Berggericht in den böhmischen Ländern. Die wachsende
Anerkennung des Iglauer Bergrechts war nicht mehr vom Umfang des Bergbaus,
sondern vom Niveau der Iglauer Juristen abhängig. Der Iglauer Oberhof
entschied über Streitfälle, die aus den verschiedensten Orten hierher
gesandt wurden. Die interessantesten Streitfälle wurden schriftlich
festgehalten und dadurch in der weiteren Rechtsprechung anwendbar -
dies beweist auch der Codex Gelnhausen. Johannes von Gelnhausen, ein
gebildeter Jurist und Stadtschreiber sammelte darin auch die Vorschriften
sämtlicher Privilegien und Rechtshandschriften, die dem Iglauer Appellationsgericht
von den Herrschern zugesandt wurden und ergänzte sie durch Miniaturabbildungen
der Könige und Markgrafen sowie durch zahlreiche verzierte Initialen.
Man findet hier auch die älteste Form des Stadtwappens ein Geviert von
Rot mit silbernem doppelschwänzigem Löwen und silber mit rotem
Igel. Diese Handschrift vom Beginn des 15. Jahrhunderts gehört zu den
wertvollsten mittelalterlichen Codices in den böhmischen Ländern. Die
Gesuche um Rechtshilfe wurden bis zum Anfang des 16. Jahrhunderts nach
Iglau gesand, erst dann wurde das Berggericht nach Kuttenberg verlegt
wurde. Es regelte, unter anderem, wer das Privileg erhielt, zu schürfen,
welche Auflagen es gab, welche Abgaben zu zahlen waren. Waren mehrere
Muter im Wettbewerb, so erhielt der das Abbauprivileg, der als erster
gemutet hatte. (muten: die Genehmigung zum Abbau beantragen).
1315 erteilt König Johann von Böhmen einem Heinrich Rothermel für
einen Altenberger Stollen gegen Ebersdorf (versus villam eberhardsdorf),
ein Privileg für eine Wasserkunst. Es sollte ein Wasserwerk zum
Antrieb von sechs Wasserrädern, tätig im Sommer und im Winter,
erstellt werden. Er beruft sich ausdrücklich auf die Ersparung
von Arbeitskräften, der snurzier (Schnurzieher) und sumpfuller
(Sumpffüller) .
1378 verleiht König
Wenzel IV. einem gewissen Mauritius Privilegien auf eine Wasserkunst,
die dieser in einem Bergwerk in Iglau anwenden wollte. Die Bedeutung
des Silberbergbaus ist Ende des 14. Jh. gesunken. Die reichsten Silbererzadern
waren ausgebeutet und das Bergwerk von Erdbeben und Überschwemmungen
betroffen. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt war jedoch in der
Zeit bereits durch Handel und Handwerksproduktion gesichert - insbesondere
das Tuchmacherhandwerk wurde für drei Jahrhunderte zum entscheidenden
Wirtschaftszweig.
Am 5. Juli 1436
wird der Landtag mit Kaiser Sigismund zu Iglau vor dem Rathaus abgehalten,
er steht den Hussiten das Abendmahl in beider Gestalt zu, dafür
anerkennen sie ihn zum König von Böhmen. Der Hussitenkrieg
findet ein Ende. Zudem wird ein Bauer aus Unter - Weschnitz Johann Czepl
für seine treuen Dienste und seinen Mut bei der Schlacht von Böhmisch
Brod (Hrib) am 30.04.1434 zum Freibauern ernannt und mit einem Wappen
bedacht.Am 31.10. 1517 schlägt Luther die 95 Thesen an und das
Jahr 1520 wird als der Durchbruch der Reformation betrachtet der Buchdruck
steigt sprunghaft an. Seit einem Jahr ist im Reich Karl von Habsburg
Kaiser
Ein großer Stadtbrand
1523 hat die mittelalterliche Epoche des Stadtaufbaus beendet.Teile
der Befestigungsanlagen blieben bis heute erhalten; darunter das Frauentor
(1509) zum Verteidigungssystem gehören auch die unterirdischen
Gänge unter dem Marktplatz. Die Stadt wurde im Renaissance-Stil
wiederaufgebaut. Es entstand das typische Iglauer Haus mit dem überdachten
Hof, wo sich über einem gotischen unteren Saal (Maßhaus) ein Renaissanceraum
mit Arkadenloggia und toskanischen Säulen öffnet, der gewöhnlich mit
wabenförmigem Gewölbe abgeschlossen und oft mit Fresken verziert ist.1526
König Ludwig II. von Ungarn und Böhmen aus dem Geschlecht
der Jagiellonen stirbt bei der Schlacht von Mohacs und durch die Doppelhochzeit
von 1515 fällt Böhmen und Mähren an den Habsburger ferdinand
v. Östereich. In Iglau ist die Reformation in vollem Gange. Angst
macht sich breit im Jahre 1529 liegen die Türken Suleimans vor
Wien.
Die Meistersinger
Eine besondere Blütezeit begann 1571 als der Stadtrat dem Gesuch
nach einer Meistersingerschule entsprach. Der Meistergesang erschien
an der Wende des 15. Jahrhunderts zum 16. Jahrhundert als Ausdruck des
kulturellen Niveaus des Bürgertums in den hochentwickelten süddeutschen
Städten Nürnberg, Freiburg, Augsburg und verbreitete sich in weitere
deutschsprachige Länder. Nach und nach kam er im 16. Jahrhundert auch
in die böhmischen Länder. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts
erreichte Iglau dank der Tuchmacherei den Höhepunkt seiner mittelalterlichen
Entwicklung. Das Tuch wurde exportiert, die Händler fuhren durch ganz
Europa und kamen mit dem Meistergesang in Berührung. Einige wurden zeitweilig
Mitglieder der Gesangsbruderschaften in fremden Städten und brachten
reiche Erfahrungen nach Hause. Iglau ist das einzige nachgewiesene Zentrum
des Meistergesangs im Sudetenland. Das kulturelle Niveau des Iglauer
Bürgertums ist hoch im Jahre 1561 entstand hier ein humanistisches Gymnasium
und die Bemühungen um den Meistergesangs fanden gerade bei den Pädagogen
dieses Gymnasiums eine große Unterstützung. Die grundlegenden Dokumente
des Gesangvereins wurden im Jahre 1571 bestätigt. Der Verein wurde nach
handwerklichen Zünften organisiert, hatte eine feste Ordnung, und seine
Tätigkeit wurde in der Satzung festgelegt. Im Unterschied zu dem Gesang
der Kirchenchöre betrieb die Bruderschaft der Meistersinger den weltlichen
Gesang, obwohl, in Übereinstimmung mit dem Geiste der Zeit, auch diese
Lieder von biblischen Motiven ausgingen. Zu den öffentlichen Auftritten
des Gesangvereins gehörten die Singschulen, die viermal im Jahr abgehalten
wurden. Der Meistergesang war etwas Höheres als gewöhnliches Singen,
deshalb durften die Lieder nicht auf der Straße oder in einer Gaststätte
vorgetragen werden. Eine Ehrenpflicht waren auch die Gesänge bei den
Beerdigungsfeierlichkeiten der verstorbenen Vereinsmitglieder. 1618
Prager Fenstersturz der Böhmisch - Pfälzische Krieg beginnt.
( bis 1623) Die Schlacht am Weißen Berg bei Prag unterdrückt die
freie bürgerliche Kultur der Meistergesang ging unter, und gleichzeitig
wurde die Gegenrformation für Böhmen und Mähren mit Enteignungen
von Adelsgütern eingeläutet.Viele der Iglauer Parteigänger
des Winterkönigs fliehen bzw. wandern aus. Der Krieg sollte Dreißig
Jahre dauern. Harte Jahre gezeichnet von Hunger, Schweden 1645 - 1647
und Krankheiten ziehen durch die Stadt.
Eine weitere Entwicklungsetappe
stand wieder im Zeichen des Tuches. Die Kaiserin Maria Theresia lud
niederländische Tuchmacher in die Stadt ein, deren Erfahrungen eine
Vervollkommnung der Tuchproduktion zur Folge hatten. Die Tuchproduktion
gab Tausenden von Menschen in der Stadt sowie in der Umgebung Brot,
in der 2. Hälfte des 18. Jh. war Iglau der zweitgrößte Tuchproduzent
in der Monarchie. Strumpf-, und Wirkwarenfabriken, Vigognespinnereien,
Tuchfabriken, Webereien, Metallindustrie, Schuherzeugung, chemische
Fabrik, staatliche Tabakfabrik ( seit 1851) Die Stadt erlebte in dieser
Zeit eine markante Veränderung, sie durchbrach den enge Kreis der Stadtmauern,
der Marktplatz, der größte ganz Östereichs, bekam eine Nachtbeleuchtung,
das Rathaus wurde 1786 umgebaut.Dort im Rathaus wurde immer das Kostbare
Rechtsbuch des v. Gelnhausen aufbewahrt. Anfang des 19. Jahrhunderts
wurden die Stadttore mit ihren schmalen Einfahrten abgerissen, die Fassaden
der Häuser wurden im klassizistischen Stil gestaltet.
In Iglau und in
der ganzen Insel wurde altes Brauchtum gepflegt und die überkommene
Tracht getragen. Ein besonderes volkskundliches Ereignis, welches nach
der Vertreibung in Wien wieder zu neuem Leben erweckt wurde, war der
Berghäuerzug, der seit 1890 abgehalten wurde; er erinnerte an den einst
forierenden Silberbergbau. In historischen Trachten der Bergleute bewegte
sich der Zug alljährlich am 23. und 24 Juni durch die Straßen zum alten
Johannishügelkirchlein, das einst Pfarrkirche war und , nachdem es von
den Schweden 1647 zerstört worden war 1649 wieder hergestellt wurde.
Das Kirchlein mit einer Außenkanzel trägt eine Tafel zum
Gedenken an Johannes Haupt ( 1849 - 1929), den Schöpfer des Berghäuerzuges.
( mehr zum Berghäuerzug siehe unter Links)
Iglauer Bürger
Paul Offer, der
sich später "Speratus" - der "Hoffende" nannte,
war katholischer Priester in Dinkelsbühl, dann Domprediger in Würzburg.
Er wurde zum Anhänger der Reformation Martin Luthers, bereiste
als Prediger Österreich und Ungarn und wurde 1522 Pfarrer in Iglau
. In Olmütz wurde er als Ketzer gefangen und zum Tod durch Verbrennen
verurteilt, dann aber begnadigt. Er kam nach Wittenberg und beteiligte
sich an der Zusammenstellung der ersten Sammlung von reformatorischen
Kirchenliedern. 1524 wurde er als Reformator und Hofprediger von Albrecht
von Preußen nach Königsberg berufen, 1530 zum ersten lutherischen
Bischof von Pomesanien mit Sitz in Marienwerder ernannt.Das Evangelische
Gesangbuch enthält das von ihm getextete Lied "Es ist das
Heil uns kommen her"
Eine halbe Gehstunde
von Nußdorf (Samerberg) entfernt, auf dem Weg zum Heuberg, liegt
die marianische Wallfahrtskirche Kirchwald. An den drei Samstagen nach
Michaeli den "Goldenen Samstagen" kommen viele andächtige
Besucher zu diesem Kirchlein.
Der Tuchmachergeselle Michael Schöpfl aus der mährischen Stadt
Iglau wanderte im Jahre 1643 nach Rom. Er ließ sich dort taufen
und machte sich auf den Rückweg und bekam von einem römischen
Kardinal zum Abschied ein Madonnenbild. Auf dem Rückweg fiel er
zu Mantua unter die Kriegswerber. Da er sich nicht werben lassen wollte
und am Galgen hängen sollte und nur durch die List eines Priors
mit dem Laben davonkam versprach er sein zukünftiges Leben in den
Dienste Jesus und Mariae zu stellen.
Er machte sich auf den Heimweg und landete schließlich in Tirol,
wo er sich im Khürchwaldt in der Quarantan niederläßt.
Iglau in der Literatur
Hans
Jakob Christoph von Grimmelshausen
Der abenteuerliche Simplicissimus
Grimmelshausen wurde
um 1622 in Gelnhausen geboren. Während des Dreißigjährigen
Kriegs wurde er 1635 von hessischen Soldaten gefangen und nach Kassel
gebracht, dann zum Soldatendienst in die kaiserliche Armee gepreßt.
Er erlebte während der Jahre des Herumziehens mit der Armee mannigfaltige
Abenteuer in verschiedenen Gegenden Deutschlands. Grimmelshausen starb
am 17.8.1676 in Renchen (Baden).
Grimmelshausen
ist der wichtigste und bedeutendste deutsche Erzähler des 17. Jahrhunderts.
Er schrieb mit seinem »Simplicissimus« den ersten deutschen
Prosaroman von Weltgeltung. Ein realistischer volkstümlicher Schriftsteller:
Als wir Iglau
bestürmet, Trebitz bezwungen, Znaim zum Accord gebracht, Brünn
und Olmütz unter das Joch geworfen und meistenteils alle anderen
Städte zum Gehorsam getrieben, seind mir gute Beuten zugestanden,
welche mir mein Rittmeister meiner getreuen Dienste wegen alle schenkte,
wormit ich mich trefflich montirte und selbst zum allerbesten beritten
machte, meinen eignen Beutel spickte und zu Zeiten bei den Marquetentern
mit den Kerln ein Maß Wein trank.
Johann Gottfried
Seume
Geb. 29.1.1763 Poserna/Sachsen;
gest. 13.6.1810 Teplitz/Böhmen. Der Sohn eines verarmten Bauern begann im Herbst 1780 ein Theologiestudium in Leipzig. Das hatte sich der Graf Hohenthal-Knauthain gewünscht. Während des Studiums geriet Seume in eine religiöse Krise. Im Juni 1781 wollte er nach Frankreich fliehen, fiel aber Soldatenwerbern des Landgrafen von Hessen-Kassel in die Hände. Er wurde an England verkauft, um in den aufständischen amerikanischen Kolonien zu kämpfen. 1783 kehrte er zurück. Nach mehreren Fluchtversuchen
wurde er zu zwölfmaligem Spießrutenlaufen verurteilt, am
Ende jedoch gegen Kaution freigelassen. Seume studierte in Leipzig Jura,
Philosophie, Altphilologie und Geschichte. 1791 erwarb er den Magistergrad
und habilitierte sich 1792. Brach Ende 1801 zu einer Fußwanderung
nach Sizilien auf; der Rückweg führte ihn auch nach Paris.
Anschließend war er wieder Hauslehrer. 1805 bereiste er Polen,
Rußland, Finnland, Schweden und Dänemark.
( Reisebericht)
Spaziergang nach Syrakus 1803
In Iglau habe
ich bei meinem Durchmarsch nichts gesehen, als den großen, schönen,
hellen Markt, dessen Häuser aber in der Ferne sich weit besser
machen, als in der Nähe, wie fast alles in der Welt, das ins Prächtige
fallen soll, ohne Kraft zu haben. Ziemlich in der Mitte des Marktes
steht ein herrliches Dreifaltigkeitsstück, von Leopold dem Ersten
und Joseph dem Ersten, so christgläubig als möglich, aber
traurig wie die Barbarei. Einige feine Artikel waren zerspalten und
bekleckst, aber die conceptio immaculata [neposkvrněné početí] und die sponsa spiritus sancti [nevěsta Ducha svatého]
standen unter dem Ave Maria [Zdrávas Maria] zum Trost der Gläubigen noch fest und
wohl erhalten. Es soll bei Iglau schon ein recht guter Wein wachsen;
er muß aber nicht in Menge kommen: denn ich habe in der Gegend
nicht viel Weingärten gesehen. Eine halbe Stunde diesseits Iglau
stehen an der Grenze zwei Pyramiden nicht weit voneinander, welche im
Jahr 1750 unter Maria Theresia von den böhmischen und mährischen
Ständen errichtet worden sind. Die Inschriften sind echtes neudiplomatisches
Latein und schon ziemlich verloschen; so daß man in hundert Jahren
wohl schwerlich etwas mehr davon wird lesen können: und doch sind
sie, wie gewöhnlich, zum ewigen Gedächtnis gesetzt. In Mähren
scheint mir durchaus noch mehr Liberalität und Bonhommie zu herrschen
als in Böhmen.
Im Städtchen
Stannern müssen beträchtliche Wollenmanufakturen sein; denn
alle Fenster sind mit diesen Artikeln behangen, und man trägt sehr
viel Mützen, Strümpfe, Handschuhe und dergleichen zu außerordentlich
niedrigen Preisen zum Verkauf herum. Ein gutes, bequemes Wirtshaus,
das erste das wir, seitdem wir aus Prag sind, trafen, hatte den Ort
gleich etwas in Kredit bei uns gesetzt. Wenn man nicht mit Extrapost
fährt, sondern zu Fuße trotzig vor sich hinstapelt, muß
man sich sehr oft sehr huronisch behelfen.
Karl Hans Strobl
Strobl kam am 18.
Januar 1877,als Sohn eines Kaufmanns in Iglau zur Welt, besuchte in
seiner Heimatstadt das Gymnasium und maturierte dort. An der Universität
von Prag studierte er Philosophie und Jura und schloß das Studium
1900 mit der Promotion zum Dr. jur. ab. Als Student beteiligte er sich
an den Unruhen gegen gegen Graf Casimir v. Badeni. Von 1898 bis 1913
war er im Staatsdienst tätig zunächst im Iglauer Kreisgericht,
sodann im Finanzwesen in Iglau und Brünn. Wegen seiner Schwierigkeiten
mit tschechischen Vorgesetzten schied er aus dem Staatsdienst aus. Ab
1913 arbeitete Stobl freischaffend als Schriftsteller und Redakteur
der Zeitschrift Der Truthan in Leipzig. Während des ersten Weltkriegs
war Strobl als Offizier und Kriegberichtserstatter an fast allen Fronten
eingesetzt. Als der Sitz des Kriegspressequatiers nach Wien verlegt
wurde erkor Strobl Perchtolsdorf zu seiner Wahlheimat. Strobl wurde
Präsident des östereichischen Schriftstellerverbandes. Im
Jahre 1938 erhält er die Göthemedaille, die höchste Auszeichnung
die einem deutschsprachigen Dichter zuteil wurde.Das Ende des zweiten
Weltkrieges erlebte er in Iglau, so dass er zusammen mit seinen Landsleuten
(ordnungsgemäß und human ) vertrieben wurde. Karl Hans Strobl
starb am 10.März 1946 in Perchtolsdorf bei Wien. Strobl gehörte
zu den deutschnationalen Schriftstellern er ist der Verfasser vieler
phantastisch - romantischer Romane.Vor allem aber es war ein Iglauer
und er schreibt über seine Heimat so in:
Heimat im frühen
Licht
Meine Gasse in Iglau
Ein solche
altes Meisterhaus öffnete sich gegen die Gasse mit einem ungeheuren
Flur, so weit und breit,dass man fast mit einem Wagen hätte einfahren
können. Da lagen unter den Gewölben die gewaltigen Tuchstapel,
oder die Farbbottiche hüteten im weitgeschwungenen hölzernen
Rund in dunkler Flut die künftige Buntheit. Oft genug liefen diese
Gewölbe nit scharfen Rippen zu spitzen Scheitelpunkten zusammen.
In den Decken sah man häufig noch einen eisernen Ring eingelassen,
für Flaschenzüge oder zum Aufhängen der großen
Tuchwaagen. Mit dem Niedergang des Tuchmacherhandwerks wurden so große
Hausflure überflüßig, und man hat sie dann ganz oder
gar teilweise in Kaufmannsläden umgewandelt. Man teilte den Raum
durch Zwischenwände, so dass der eine Teil zum verengten Hausflur,
der andere zum Laden wurde, und dieser Herkunft wegen hießen denn
auch in Iglau alle Kaufmannsladen einfach" dDas Gwölb",
auch wenn keine Spur der ehemaligen Gewölbe mehr sichtbar geblieben
war oder sie überhaupt auf ganz andere Weise entstanden waren.
1930: Hatte
Iglau 31 .028 Einwohner davon waren 17.968 Tschechen, 12.095 Deutsche,
526 waren Ausländer. Dieses Zahl wurde jedoch erst in den letzten
10 Jahren zu Ungunsten der Deutschen verschoben, einmal durch den Zuzug
tschechischer Beamter ( Iglau war seit 1926 unter tschechischer Verwaltung)
und durch Eingemeindungen.
Über die
Protektoratszeit suche ich noch Berichte.
Es war am 8. Mai
1945. Die Deutschen Iglaus sahen an manchen Anzeichen, dass etwas in
der Luft lag. Insbesondere das lebhafte Treiben der Tschechen deutete
auf nichts Gutes. Abend gegen 9:00 Uhr überflogen russische Flieger
aus Richtung Prag kommned und warfen Phosphorbomben ab. Viele Häuser
in der Wiener und Brünner Straße als auch in der Südgasse
gingen in Flammen auf, darunter die Häuser Pierschl, Josel, Kettner
und " Auf der Sonne" das Gasthaus Kramlatschek. Das Flammenmeer
bot einen schauerlichen Anblick; man hatte das Gefühl, als brenne
die ganze Stadt.
Kurz darauf am 9. Mai erfolgte der Einmarsch der Russen. Es ging sofort
ans Plündern der deutschen Häuser, Frauen und Mädchen
wurden vergewaltigt, Männer die sie schützen wollten wurden
niedergeschlagen oder gar erschossen. Die Deutschen waren Freiwild.
Ab dem 10.Mai mußten die Deutschen weiße Armbinden tragen.
Das Gehen auf den Bürgersteigen war ihnen verboten. Für das
Nichtbefolgen war eine Tracht Prügel noch eine harmlose Strafe.
Gleich nach der Besetzung durch die Russen kam der Befehl der Tschechen,
dass sich sämtliche Männer und Frauen beim Arbeitsamt zu melden
haben. Schwierig war in den folgenden Tagen und bis zum Zeitpunkt der
Internierung die Versorgung mit Lebensmittel, den die deutschen Kaufleute
hatten geschloßen und durften nichts mehr verkaufen und die tschechischen
verweigerten jede Abgabe an Deutsche. Brot, Fleisch, Fettstoffe und
Milch fehlten überall.
Erschießungen
von Frauen im Mai - Juni 1945
Berichterstatterin: Else Köchel vom 30. 6. 1950 Iglau
Am 23. 5.
1945 mußten wir binnen 2 Stunden unser Heim verlassen und kamen in eine
alte schmutzige Tuchfabrik in der Umgebung der Stadt. Dort waren die
hygienischen Zustände furchtbar: z.B. ein Strahl Wasser unten im Hof
für rund 1000 Menschen. 3 Klosetts auch im Parterre, dieselben in einem
unbeschreiblichen Zustand, die Stiegen in den 3 Stockwerken so eng,
daß 2 Menschen nur knapp aneinander vorbei konnten. Für
die Küche mußte das Wasser von halbwüchsigen Burschen und älteren Männern
von weit her in Tonnen gezogen werden. Unser
Lager war auf dem ölgetränkten Boden und knapp nebeneinander in vier
Reihen. Jeden Tag um 6 Uhr und um 8 Uhr mußten wir zum Appell antreten.
Beim Erscheinen des Velitel mußten wir stehen, die Hände an der Seitennaht.
Das Essen bestand aus ¼ Liter Kaffee, ¼ Liter Suppe, und einer Schnitte
Brot für einen Tag.
Am 9. 6. 1945
hieß es: "Morgen müßt Ihr 30 km gehen, Ihr könnt nur mitnehmen, was
Ihr tragen könnt!" Gepäcksrevision, Untersuchung nach Geld und Beschlagnahme
des Mehrbetrages. Am 10. 6. 45 gings los, bei sengender Hitze auf sonniger
Straße nach Stannern in ein anderes Lager. Da warf man weg, was man
konnte, sodaß man nichts mehr hatte. Da hieß es, die Österreicher können
heute schon nach Österreich. Zu diesem Zweck mußten wir nach Teltsch,
sahen auch schon die Türme von Teltsch, da hieß es wieder, es geht nicht,
also zurück nach Stannern 10 km. Dort kamen wir bei strömendem Regen
an und fielen vor Müdigkeit nieder, wo wir gerade standen. Man trieb
uns mit der siebenschwänzigen Peitsche und mit Schüssen an. Auf diesem
40-km-Marsch gab es zwei kurze Pausen.
In Stannern
hungerten wir, viele starben an Hungerruhr.
Das Lager
lag auf einem Hügel, ringsherum Zaun, wir wurden bewacht, durften nicht
hinaus. Die Frauen aus dem Ort brachten manchmal etwas, Kaffee, Suppe
und Brot. Da alle furchtbaren Hunger hatten, besonders die Kinder, so
warteten die Mütter schon, wenn so eine Frau kam und da eines Tages
auch so eine Frau kam, schauten drei Frauen neben uns über den Zaun,
ob sie schon da ist. Auf einmal ein Schuß -- zwei Frauen fielen tot
um, eine verletzt; sie hatten nichts anderes getan, als über den Zaun
geguckt. Dafür
wurde der Posten gelobt und bekam eine Auszeichnung für den guten Treffer.Ich
will von allem andern schweigen, was wir gelitten haben, aber dieses
Verbrechen muß doch veröffentlicht werden. Leider weiß ich den Namen
dieses humanen Herrn Velitel nicht. Von den Namen der drei Frauen weiß
ich nur einen, "Kerpes". Die anderen weiß ich nicht, kann aber die geschilderte
Begebenheit jederzeit beeiden.Vielleicht findet sich noch jemand aus
Iglau, der den Namen von diesem sauberen Velitel und auch die Namen
der übrigen Frauen kennt.
Schreckensregiment
Berichterstatter: Franz Kaupil vom 2. 9. 1946 Iglau
Am 13. 5.
1945 begann die Schreckensherrschaft der Tschechen in Iglau. In der
folgenden Nacht haben ungefähr 1200 Deutsche Selbstmord verübt. Bis
Weihnachten gab es etwa 2000 Tote. Am 24. und 25. 5. wurde die deutsche
Bevölkerung binnen 20 Minuten von Partisanen aus den Wohnungen getrieben
und in die Lager Helenental und Altenberg eingesperrt. Diese Lager waren
offiziell "Konzentrationslager" benannt. In Helenental waren 3700 Personen
untergebracht, in Altenberg gegen 3000. Es war weder für Trink- noch
Nutzwasser hinreichend gesorgt. Klosettanlagen und Waschgelegenheiten
gab es keine. In den ersten 8 Tagen gab es auch keine Verpflegung. Später
gab es nur dünne Suppe und 100 gr. Brot täglich. Kinder bekamen nach
den ersten 8 Tagen ¼ l Milch. Jeden Tag starben mehrere ältere Leute
und Kleinkinder. Am 8. 6. wurden die Insassen von Helenental völlig
ausgeplündert und am nächsten Tag im Fußmarsch über Teltsch nach Stannern
33 km geführt. Wir wurden mit Peitschen angetrieben. Die älteren Leute
wurden, wenn sie zusammenbrachen, mit Wagen geführt. Dieser Marsch kostete
350 Menschen infolge Erschöpfung und Hunger das Leben.
In Stannern
wurden 3500 Leute in einem Lager mit einem Fassungsraum von 250 Personen
zusammengepfercht. Die meisten mußten trotz des Regens im Freien kampieren.
Am nächsten Tag wurden die Familien in 5 verschiedenen Lagern, getrennt
nach Männern, Frauen und Kindern untergebracht. Verpflegung gab es 8
Tage keine. Dann die üblichen Suppen. Im Frauenlager wurden einmal mit
einem Schuß vier Frauen getötet und eine schwer verletzt. Darunter Frau
Friedl und Frau Kerpes. Prügelstrafen waren bei Männern und Frauen an
der Tagesordnung. Es gab auch eine Prügelzelle. Die Lagerinsassen wurden
den tschechischen Bauern von der Lagerleitung als Arbeitskräfte verkauft.
Im August besserten sich die Verhältnisse, doch starben bis Weihnachten
in Stannern ungefähr 500 Häftlinge. Im Januar wurde das Lager Stannern
aufgelöst.
Ich selbst
wurde am 9. 1. 46 in Untersuchungshaft gesetzt und am 7. 8. 46 entlassen.
Dort hörte ich von Augenzeugen oder erlebte selbst furchtbare Grausamkeiten.
Am 10. 6. 45 wurden 19 Iglauer Häftlinge aus den Zellen geholt und im
Ranzenwald erschossen. Darunter der alte Stadtpfarrer Honsik, Howorka,
Augustin, Biskonz, Brunner, Laschka, Martel, Kästler usw. Im Gerichtsgebäude
wurden noch im Mai 45 ohne jede Verhandlung erschossen: Krautschneider,
Kaliwoda, Müller und Ruffa. Ein gewisser Hoffmann wurde zu Tode geprügelt.
Der gefürchteteste Aufseher war Rychtetzky. Der Fabrikant Krebs wurde
skalpiert. Baumeister Lang starb an den Folgen von Mißhandlungen. Der
70-jährige Oberst Zobel erhängte sich in der Zelle. Viele Leute waren
durch grausamste Mißhandlungen zu belastenden Aussagen gezwungen worden
und wurden dann wegen Delikten festgehalten, die sie gar nicht begangen
haben. Ich kann diese Aussagen beeiden und auch weitere Zeugen dafür
nennen.
Mißhandlungen,
Vorenthaltung von Gepäck,
Ermordung des Vaters
Berichterstatter: Robert Pupeter vom 2. 9. 1946 Iglau
Ich wurde
am 6. 8. v. J. ohne Grund und ohne Verhör eingesperrt und 8 Monate im
Gefängnis Iglau festgehalten. Dort wurde ich mehrmals schwer mißhandelt.
Dann arbeitete ich in einer Ziegelei, wo ich einen Finger verlor. Lohn
habe ich nicht bekommen. Dann wurde ich über das Lager Altenberg zu
einem tschechischen Bauern in Arbeit geschickt. Mein Vater war im Gefängnis
mit 19 Mann ohne Verhandlung erschossen worden. Meine Mutter ist seit
ihrer Verjagung nach Österreich verschollen. Ich habe alles verloren.
Ich besitze jetzt 20 kg Gepäck. Im Aussiedlungslager bekam ich nur einen
Arbeitsanzug. Die Lebensmittel, die mir mein letzter Arbeitgeber für
die Reise gegeben hatte, wurden mir im Aussiedlungslager vom Lagerführer
persönlich abgenommen und ich mußte sie selbst in sein Zimmer tragen.
Zustand des Gepäcks
im Lager Iglau
Berichterstatter: Alfred Chlad Bericht vom 2. 9. 1946 Iglau
Im Aussiedlungslager
in Iglau wurde bekanntgemacht, daß pro Kopf 50 kg Gepäck mitgenommen
werden dürfen. Kriegsgefangene und Leute, die aus Gefängnissen entlassen
wurden, haben bei weitem nicht dieses Gepäck erreicht, sondern meistens
nur 15 kg. An der Grenze wurde deshalb der Transport vom amerikanischen
Übernahmeoffizier beanstandet und sollte zurückgewiesen werden. Da von
den Aussiedlern niemand zurückbleiben wollte und auch die tschechischen
Übergabeoffiziere sich für die Weiterfahrt einsetzten, durfte der Transport
schließlich die Grenze passieren.
Berichte aus
der Website Iolaos.com ungekürzt übernommen.
Demnächst
mehr.. es fehlen noch die Presöhnlichkeiten und dies und jenes
Stand Montag, 19-Feb-2001
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