Die Iglauer SprachinselGeschichte bewahren · Zusammenhänge verstehen
DeutschČeština
Orte & Dörfer

Pfaffendorf Kněžská

Zeitreise durch Pfaffendorf Kněžská

Wähle eine Zeit. Die Stationen führen zu den vollständigen Stellen im Ortsbeitrag.

Karte der Iglauer Sprachinsel
Karte der Iglauer Sprachinsel · Orte auf der Karte
  1. 18361800–1918

    Als im Jahr 1836 anläßlich der Krönung des Königs Ferdinand in Prag ein großer Festzug war, der von allen 16 Kreisen Böhmens beschickt war, stellte der Steckner Bezirk im Rahmen des Tschaslauer Kreises einen Hochzeitszug bei.

    Im Ortsbeitrag weiterlesen →
Ortsgeschichte

Pfaffendorf

In einer kleinen Furchung, die sich zum Tal des Schlappenzer Baches öffnet, betten sich die Gehöfte von Pfaffendorf, das nach Schlappenz eingemeindet, eingepfarrt und eingeschult ist. Der Name bezeichnet den Ort als Dorf der Pfaffen. Pfaff war früher der allgemein übliche Name für den Geistlichen, hatte keine Nebenbedeutung und war aus dem Worte papa = Vater hervorgegangen. Die Überlieferung berichtet auch, dass im heutigen Pfaffendorfe, ehemals ein Geistlichenhof, Pfaffenhof, gestanden sei. 1657 führte es bereits den Namen Pfaffendorf. Es wurde früher meist „Deutsch- Pfaffendorf" genannt, wohl zur Unterscheidung von Böhmisch-Pfaffendorf, einem zerstückelten Meierhof bei Deutschbrod. Ein altes Gemeindesiegel nennt es Teutsch-Pfaffendorf und zeigt einen Bauern, der mit ein Paar Ochsen ackert, darüber eine Kapelle, ein Kreuz und ein Häuschen.

Wegen seiner Zugehörigkeit zu Schlappenz hat es dessen Geschicke geteilt (siehe Schlappenz). Spuren früheren Bergbaues kann man heute noch in seinem Gebiete verfolgen. Auch hier könnte der Gruß der Bergleute „Glückauf“ zu hören gewesen sein.

Der Schlappenzer Bergbau wird bereits im 13. Jahrhundert erwähnt.

Im Gemeindekataster von 1945 (1924 in Klammern) sind folgende Besitz- Verhältnisse verzeichnet:

Nr. 1 „Bernard" Franz Bernard, 26,00 ha (Wenzl Bemard, 26,14 ha).

Nr. 2 „Richter" Anton Altrichter, 33,00 ha (Anton Altrichter, 33,00 ha).

Nr. 3 „Oberhäusler" Andreas Gart, 2,25 ha (Andreas Cart, 2,41 ha).

Nr. 4 „Hansl" (Franz Halama, 2,41 ha).

Nr. 5 „Neubauer" Mathias Bernard, 26,44 ha (Anna Bernard, 26,44 ha).

Nr. 6 „Brückner" Franz Brückner (Franz Brückner, 10,98 ha).

Nr. 7 „Bauer-Schneider" Anton Tondl, 26,00 ha (Johann Tondl, 26,51 ha).

Nr. 8 „Neuwirt" Johann Jonasch, 25,40 ha (Johann Jonasch, 25,40 ha).

Nr. 9 „Frandre" Wenzl Altrichter, 36,00 ha (Wenzl Altrichter, 32,36 ha), Hausname von Freudenreich.

Nr. 10 „Kasper" Johann Freudenreich, 15,35 ha (Anton Freudenreich, 10,80 ha).

Nr. 11 (Johann Zubaty, 0,22 ha).

Nr. 12 Gemeindehaus.

Nr. 13 „Richterhäusl" Johann Grödl, 9,91 ha (Josef Grödl, 9,92 ha).

Nr. 14 „Michelhäusler" (Johann Ruzicka, 5,21 ha, Tscheche).

Nr. 15 „Woitl" Anna Molthäufl (Anton Molthäufl, 2,76 ha).

Nr. 16 „Bernardhäusler" gehört zu Hs.

Nr. 1.

Nr. 17 „Pasderka" Anton Altrichter, 4,38 ha (Anton Altrichter, 3,30 ha).

Nr. 18 „Maurer" Anton Molthäufl, 7,00 ha (Anton Molthäufl, 4,14 ha).

Nr. 19 „Jonka" Johann Tonner, 10,00 ha (Johann Tonner, 8,96 ha).

Nr. 20 „Lukl" Wenzl Pallendal, 11,58 ha).

Nr. 21 Gemeindeschmiede.

Nr. 22 „Molthäufl" Franz Molthäufl.

Nr. 23 Anton Altrichter. — Im Gemeindebesitz waren 25,39 ha. Gemarkungsfläche des Ortes 274 ha.

Ortsbemerkenswert ist die Überlieferung, die sich im Dorf erhalten hat, dass früher einmal ein kleines Mädchen, als es in der Dunkelheit aus der Türe (von Nr. 3) trat, von einem Wolfe gepackt, weggeschleppt und getötet wurde.

Als im Jahr 1836 anläßlich der Krönung des Königs Ferdinand in Prag ein großer Festzug war, der von allen 16 Kreisen Böhmens beschickt war, stellte der Steckner Bezirk im Rahmen des Tschaslauer Kreises einen Hochzeitszug bei. Dabei war Josef Kreuz aus Simmersdorf der Bräutigam und Theresia Altrichter aus Pfaffendorf die Braut. Sie schritt zwischen zwei Brautführern, trug einen hohen Kranz und einen langen unter der Halskrause befestigten Radmantel.

Dorfleben um 1900

Menschen und Alltag im Volkskalender von 1899

Bevölkerungsstand: 1890. Weitere Ortsangaben nach dem Kalenderjahrgang 1899.

Der Kalender führt Pfaffendorf als zu Schlappenz gehörig auf und nennt 22 Häuser und 145 Einwohner. Als Ortsvorsteher erscheint Jos. Bernard, als Ausschussmitglied Ant. Altrichter. Schule, Pfarre, Post, Telegraph und Bahnstation lagen in Schlappenz.

Quelle und zeitliche Einordnung

Die Bevölkerungs- und Religionszahlen beziehen sich laut Vorbemerkung des Kalenders auf die Volkszählung von 1890. Die übrigen Angaben stammen aus dem Jahrgang 1899; soweit die Quelle ein Wahl- oder Gründungsjahr nennt, ist es im Text angegeben. Die genannten Personen bilden kein vollständiges Einwohnerverzeichnis.

Quelle: Deutscher Volkskalender für die Iglauer Sprachinsel, Jahrgang 1899; zur Datierung der Bevölkerungszahlen. Redaktionell zusammengefasst; historische Namensabkürzungen bleiben erhalten.

Bisheriger Websitebeitrag

Quellen zu diesem Beitrag →