Der Name bezeichnet die Siedlung am Hof beim Birnbaum. Eine Urkunde von 1378 nennt den Hof „curia Pirpawmhof [Deutsch: der Hof Birnbaumhof]". Schon einige Jahre früher nennt das älteste Stadtbuch den Namen „Pirpawmerhof" und „Pyrpavmshof". Der Hof gehörte zu den Iglauer Stadtgründen. Aus den „Raitungen" und Wirtschaftsbüchern ist ersichtlich, dass der Hof in städtischer Verwaltung stand. Er hat z. B. im Jahr 1630 der Stadt 186 Metzen (ein altes Getreidemaß, das auch zur Angabe von Ackerflächen diente) Korn und 68 Metzen Hafer geliefert oder in der Zeit vom Oktober 1672 bis März 1673 an Korn 255V2, an Gerste 843/4 und an Erbsen 6V2 Metzen. Zur Zeit Maria Theresias sind im Jahr 1778 die städtischen Meierhöfe aufgegeben und die Grundstücke nach dem Raabschen System gegen Entgelt an Bauern abgegeben worden. Das ist auch in Birnbaumhof geschehen.
Neben dem städtischen Hof bestanden in Birnbaumhof mehrere Bauernhöfe, zu Beginn des 17. Jahrhunderts (wie man aus den Grundbuchaufzeichnungen entnehmen kann) mindestens fünf. Deshalb sind mehrere Schreibweisen des Ortsnamens überliefert.
Zu ihnen zählen „Pyrpawmshof“, „Pirpawmhof“, „Piernpaumhof“, „Pierpaumhof“, „Pürnpaumberhoff“, „Pirpaumerhoff“, „Pierpaumer Hof“ und „Pirnbaumhof“.
Im 16. Jahrhundert sind auch „Pirnbaumerhöff“ und „Pierbaumerhöff“ belegt.
Im Jahr 1778 waren in Birnbaumhof zehn Hausnummern mit folgender
Grundverteilung:
I. Obrigkeitliche Grundstücke:
Nr. 1 Martin Miksche, 74 Metzen, 143/4 mß,
Nr. 1 A Josef Faber, 70 Metzen, 14 mß,
Nr. 1 B Georg Teltscher, 74 Metzen, 93A mß,
Nr. 2 Andr. Teltscher, 76 Metzen, 13A mß, Gemeinde 13 Metzen, zusammen 309 Metzen, 81/t mß.
II. Untertänige Grundstücke:
Nr. 3 Math. Miksche, 207 Metzen, 3 mß,
Nr. 4 Martin Miksche, Häusler,
Nr. 5 Aug. Teltscher, 19 Metzen, 15V4 mß,
Nr. 6 Johann Brawenz 263 Metzen, 33/4 mß,
Nr. 7 Hirtenhaus, Lorenz Goßauer, Gemeindehirt,
Nr. 8 Wenzl Teltscher, 172 Metzen, 14 mß,
Nr. 9 W. Neufingerl, 14 Metzen, 8V4 mß,
Nr. 10 Paul Teltscher, 323 Metzen, 123/4 mß, Gemeinde 45 Metzen, 5 mß, zusammen 1046 Metzen, 123/4 mß, Gesamtausmaß 1356 Metzen, 53A mß.
Die 1878 angeführten obrigkeitlichen Gründe waren im Jahr 1849, als die Aufhebung der Erbzinse kraft jenes Gesetzes erfolgte, dessen Antragsteller Hans Kudlich war, in den Händen von: Johann Teltscher (
Nr. 1), Josef Faber (
Nr. 15, früher 1 A), Augustin Teltscher (
Nr. 16, früher 1 B), Jakob Klement (
Nr. 2). Bei
Nr. 1 betrug das Grundentlastungskapital 130 fl 40 kr., bei
Nr. 15 im ganzen 98 fl 52 kr., bei
Nr. 16 war es 40 fl 52 kr., bei
Nr. 2 insgesamt 108 fl 56 kr., bei dem Gemeindebesitz 32 fl 16 kr. Außerdem wurden bei der Hafnerzunft 387 fl 44 kr. vorgeschrieben, so daß das Ablösungskapital 799 fl 20 kr. ausmachte. Die Robotablösung des ganzen Dorfes betrug 912 fl 39 kr.
Die Gemeinde hat ein Ausmaß von 318,95 ha. Diese verteilen sich 1945 (in Klammern 1924) auf
Nr. 1 „Miksche" Franz Nowak, 7,00 ha (Rosina Nowak, 10,45 ha).
Nr. 2 „Branntweinbrenner" Franz Michelfeit, 19,42 ha (Theresia Klement, 19,42 ha).
Nr. 3 „Kropatsch" Johann Nowak, 45,00 ha (Johann Nowak, 44,83 ha). Der Name Kropatsch kommt bereits im 16. Jahrh. vor, 1622 hat Paul Miksche des Mathes Kropatsch Haus gekauft.
Nr. 5 „Häusler" Johann Pitzal, 7,00 ha (Martin Pitzal, 4,89 ha).
Nr. 6 „Hannes" (Josef Filip, 53,30 ha), Tscheche.
Nr. 7 (Gemeindhirtenhaus).
Nr. 8 „Neubauer" Johann Ripper, 44,00 ha (Martin Ripper, 35,56 ha). Der Name Newpauer kommt schon im 16. Jh. in Birnbaumhof vor.
Nr. 9 „Zimmermann" gehört zu Hs.
Nr. 10 (Franz Teltscher, 1,49 ha).
Nr. 10 „Hiebl" Franz Teltscher, 68,00 ha (Johann Teltscher, 68,93 ha). Die Familie Hibl, die dem Hause den Namen gegeben hat, war im 16. und 17. Jh. im Besitze des Anwesens.
Nr. 13 „Herrenmühle" und
Nr. 14 „Tuchwalke" (Gustav Salomon, Iglau, 1,86 ha).
Nr. 15 „Faber" und
Nr. 16 „Schaffer" Johann Käser, 41,00 ha (Siegfried Prazak, 37,17 ha).
Nr. 17 „Schuster" Mathias Schlögel (Johann Teltscher).
Nr. 4,11,12,18 (Bauten an der Bahn, 7,35 a).
Nr. 19 Mathias Kerpes, 1,00 ha.
Nr. 20 Josef Komurka.
Nr. 21 Franz Komurka.
Nr. 22 Josef Eigl.
Nr. 23 Franz Saler.
Nr. 25 Josef Zieser.
Nr. 28 Martin Urz.
Nr. 31 Viktor Schoula.
Nr. 32 Franz Pitzal. Der Gemeindebesitz beträgt 26,04 ha. Kleinere Flurstücke gehören Ausmärkern aus Friedrichsdorf, Holzmühl, Heinzendorf und Helenental.
Birnbaumhof war eine selbstständige Gemeinde, 1939 mit fünf deutschen und vier tschechischen Gemeinderäten. Die zuständige Schule war in Helenental. Pfarre, Post, Bahnstation und die Gendarmerie waren in Iglau.
Die Herrenmühle gehörte früher Iglauer Ratsherren.
Im 16. Jahrhundert war sie zeitweise in den Händen der Iglauer Bürgerfamilie Segenschmied. Augustin Segenschmied kauft sie 1530 um 150 Schock (eine alte Zähleinheit für sechzig Stück, hier meist Groschen) und Jakob Segenschmied verkaufte sie 1568 wieder der Stadt zurück um 2000 Schock. Im Jahr 1778 baute die Iglauer Tuchmacherzunft neben der Mühle, die sie MB der Stadt kaufte, die Tuchwalke. 1883 wurde die Mahlmühle in eine Spinnerei umgewandelt. Im Jahr 1918 erwarb der Iglauer Tuchmacher Gustav Salomon die Spinnerei und Walke von der Genossenschaft.
Die Überlieferung erzählt, dass die erste Ansiedlung in Birnbaumhof auf Bergleute zurückgeht. In der Nähe des Ortes wurde jedenfalls schon früh Bergbau betrieben. Sie ist aber wie überall in der Iglauer Umgebung seit den Hussitenkriegen zurück- und schließlich trotz mehrfacher Wiederbelebungsversuche gänzlich eingegangen. 1541 wurde unterhalb Birnbaumhof beim alten Stollen „das Reichsschube" neu versucht. Eine alte Bergbaukarte (Peithner 1780) verzeichnet unterhalb des Ortes ein Stollenmundloch. Die letzten größeren Versuche geschahen bei Birnbaumhof im ersten Viertel des 18. Jahrhunderts. Namentlich hatte sich der Iglauer Ratsmann und spätere Bürgermeister Georg Kharner von Löwensfeld, der auch mit einem Erbstollen unterhalb Birnbaumhof belehnt war, mit der Erneuerung des Bergbaues abgemüht. Der tatsächliche Erfolg blieb jedoch hinter dem erhofften zurück und der Bergbau wurde wieder eingestellt. Nur ein Kapellchen, früher zur Andachtsübung für die Bergleute bestimmt, ist übrig geblieben.
Früher waren die Grenzen der Länder nicht so genau abgesteckt wie heute. Der böhmisch-mährische Hügelzug war früher ein solches Grenzgebiet und in grauer Vorzeit wird die Waldesmitte (media silva [Deutsch: die Mitte des Waldes]) als Grenze gegolten haben. So wurde später manche Strecke zwischen Böhmen und Mähren strittig. Birnbaumhof gehörte im Mittelalter zu Böhmen. Im Jahr 1509 gestattete König Wladislaus, dass die Abgaben von den drei in Böhmen liegenden Orten Birnbaumhof, Misching und Heinzendorf nach Mähren abgeführt werden. Endgültig wurden diese Dörfer im Jahr 1750, während der Regierung Maria Theresias, Mähren zugeteilt.
Die Nähe Iglaus hatte mehrmals für Birnbaumhof unangenehme Folgen. So lag bei der großen Landesmusterung im Jahr 1603 ein Teil der Kriegsleute in Birnbaumhof. Die Soldateska ließ sich manches zuschulden kommen. So berichtet die Chronik (Leupold) von einem Mord. Am 3. Juli 1603 hat ein Kriegsmann „eines Bauern Weib des Jakschen von Pierbaumerhöff bei der Nacht erschossen. Die Ursache war geringfügig. Die Bäuerin hatte dem Soldaten nicht „alsbald" die verlangten Kerzen gegeben. Der Täter wurde nach Iglau gebracht und hier am Hauptplatz auf einem zwischen Rathaus und Pranger aufgerichteten Galgen hingerichtet. Sein Verbrechen ist auf Papier geschrieben und an des armen Sünders Brust geheftet worden, andern zur Abscheu."
Im Dreißigjährigen Kriege hatte auch Birnbaumhof zu leiden. Die Schweden, die nach der Schlacht bei Jankau 1645 die Festung Iglau einnahmen, brannten alles in einem Umkreise von drei Meilen nieder, um den Kaiserlichen die Stützpunkte zu nehmen. Nach einer Iglauer Chronik (Lischka) haben sie Birnbaumhof am 26. Februar 1646 in Brand gesteckt.
Folgende Birnbaumhofer Familiennamen sind urkundlich frühzeitig bezeugt: Im Jahr 1361 ein Stephan de Pyrpawmshof, 1378 nennt eine Iglauer
Urkunde die Witwe eines Iglauer Mälzers Elisabeth Dietl, die von Jeklin Holz und dem Juden Isaak einen Erbzins (eine regelmäßige Abgabe für die erblich überlassene Nutzung von Land) in Birnbaumhof erkaufte. Dabei wird auch ein Mertlinus colonus [Deutsch: Mertlinus, ein Bauer] erwähnt. Die Lösungsregister des zweiten Viertels des 15. Jahrhunderts weisen einen Nicolaus Colonus aus. Zu gleicher Zeit wird in Birnbaumhof Procop de Hilbersdorf genannt, ab 1430 sein Erbe Paulus Holzvogl und im letzten Viertel desselben Jahrhunderts dessen Erben die Familie Hibl (Hiebl), die für das 16. und 17. Jahrhundert bezeugt ist. Seit 1431 erscheint auch der Name Prisching (Pruschynk, Prüsching, Prinsching, Prischenkl, prüsching, Prisenck, Pringsching, Bryschenkl).
Im 16. Jahrhundert wird als neuer Birnbaumhöfer ein Thoma Newpauer genannt. Der Name bedeutet ja auch soviel als einen neuen Bauer im Orte. Diese Familie hat dann später im Jahr 1628 ihren Hof an Barthel Teltscher verkauft und seitdem wirtschaften die Teltscher in Birnbaumhof. Alte Namen sind ferner im 15. Jahrhundert: Carpentarius, Prokop, lukawer, weißenstain, Pesold, Durniel, Weiß, Steffan, Petrandl; im 16. Jahrhundert: Schwarz, Jaksch, Kropatsch; im 17. Jahrhundert: Steidl, Taschel, Miksche. Im Jahr 1668: Parthel Neupauer, Martin Hübehl, Georg Kropatsch, Hanß Lang, Wenzl Schuster. In den heutigen Hausnamen leben noch mehrere alte Familiennamen fort.
