Drei Mundartgebiete
Wilfried Stolles Untersuchung des Vokalismus unterscheidet innerhalb der Iglauer Sprachinsel drei Mundartgebiete. Die Grenzen waren keine scharfen Linien; die Beispiele machen vor allem unterschiedliche Lautungen hörbar.
Das Bäurische
Es wurde in der Südhälfte der Sprachinsel und in einem Streifen nördlich von Iglau gesprochen und zeigt stärkere mittelbairische Anklänge.
Das Pachterische
Es gehörte zum böhmischen Teil nördlich von Iglau. Der Name wird mit den Grafen Pachta von Reihofen und Buckau verbunden; in der Lautung sind ältere nordbairische Züge deutlicher hörbar.
Das Langendörferische
Es lag im äußersten Norden der Sprachinsel und entwickelte eigene Lautformen. Im Beispiel steht „Bia“ für „wir“.
| Mundartgebiet | Überlieferte Form |
|---|---|
| Bäurisch | Mir genga haam |
| Pachterisch | Mir gejhn huam |
| Langendörferisch | Bia goin huim |
Die eigene Stimme bewahren
Im bisherigen Bestand stehen bereits mehrere Erzählungen in Mundart, darunter „Sele moi“, „Zwa Faule“ und „Von an Geizkrogn“. Sie werden hier als überlieferte Texte erschlossen. Ihre Schreibweise bleibt zunächst erhalten; eine einheitliche oder wissenschaftliche Lautschrift wird damit nicht behauptet.
Die Gschichtla in Mundart lesen →
Eine erste Lesehilfe
Diese kleinen Worterklärungen beziehen sich auf den Wortlaut von „Sele moi“. Sie sind Lesehilfen zu diesem Text, kein vollständiges Wörterbuch der Sprachinsel.
| Im Text | Sinngemäß auf Hochdeutsch |
|---|---|
| Buama | Buben, Jungen |
| Bechl | kleiner Bach, Bächlein |
| Glick | Glück |
| Schmetterlinga | Schmetterlinge |
Mundart als Forschungsgegenstand
Wilfried Stolle untersuchte den „Vokalismus in den Mundarten der Iglauer Sprachinsel“, also das System der Selbstlaute. Eine Besprechung von Hertha Wolf-Beranek erschien 1972 in der Zeitschrift für Ostforschung. Dieser Nachweis liefert einen Einstieg in die wissenschaftliche Erforschung; daraus übernehmen wir noch keine ungeprüften Einzeldeutungen für die Wörter unserer Sammlung.
Sprache und Erinnerung verbinden
Bei weiteren Beiträgen werden Herkunftsort, Gewährsperson oder Verfasser und Zeitpunkt der Aufzeichnung festgehalten, soweit sie bekannt sind. Eine spätere Tonaufnahme kann neben den geschriebenen Text treten. Für die vorhandenen Gschichtla sind diese Angaben noch zu ergänzen; ihre bloße Schreibweise belegt keine bestimmte Aussprache.