Glaube im Dorfleben
Die bereitgestellten Kulturtexte berichten von kirchlicher Trauung, elterlichem Segen, Rorate und christlichen Festtagen. In Schlappenz gehörten Kirche und Pfarrschule zum Dorfleben; der Pfarrsprengel umfasste mehrere umliegende Dörfer. So wird Kirche als Teil der örtlichen Lebenswelt sichtbar. Wie groß die einzelnen Konfessionsgruppen waren, ist für den jeweiligen Ort und Zeitpunkt gesondert zu belegen.
Die Frage, die bleibt
Wie konnten Menschen christlichen Glaubens andere ausgrenzen, verfolgen oder Gewalt dulden? Für dieses Museum ist das eine Frage nach dem Verhältnis von Glaubensanspruch und tatsächlichem Handeln. Eine kirchliche Zugehörigkeit allein erklärt weder die persönliche Überzeugung noch eine konkrete Entscheidung. Wir müssen nach Predigten, öffentlichen Stellungnahmen, Hilfeleistungen, Schweigen und Beteiligung fragen – mit Ort, Datum und Beleg.
Dabei unterscheiden wir kirchliche Lehre, das Handeln von Kirchenleitungen und das Verhalten einzelner Geistlicher und Gemeindemitglieder. Eine allgemeine Entlastung ist ebenso wenig angemessen wie eine pauschale Verurteilung aller Gläubigen. Wo christlicher Anspruch und nationalistisches Denken aufeinandertrafen, soll sichtbar werden, welche Entscheidungen Menschen tatsächlich trafen.
Selbstprüfung nach 1945
Am 19. Oktober 1945 bekannte der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Stuttgarter Schulderklärung eigenes Versagen. Das Dokument ist ein Beispiel kirchlicher Selbstprüfung nach der nationalsozialistischen Herrschaft. Es betrifft die evangelische Kirche in Deutschland und ersetzt keinen örtlichen Nachweis für die Iglauer Sprachinsel.
Die katholische Konzilserklärung „Nostra aetate“ vom 28. Oktober 1965 wandte sich ausdrücklich gegen Judenfeindschaft und Verfolgung und wies eine unterschiedslose Schuldzuweisung an Juden für den Tod Jesu zurück. Sie verwarf zudem Diskriminierung aufgrund von Herkunft oder Religion. Das sind Aussagen eines späteren kirchlichen Dokuments; sie dürfen nicht als Beschreibung des kirchlichen Handelns in früheren Jahrzehnten gelesen werden.
Ein Raum zum Nachdenken
Die Mahnung richtet sich auch an uns: Wird der Mitmensch noch gesehen, wenn er einer anderen Nation, Sprache oder Religion angehört? Welche Verantwortung tragen diejenigen, die Einfluss auf eine Gemeinde haben? Örtliche Beispiele für Versagen, Hilfe und Widerstand werden aufgenommen, sobald sie belegt sind.
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