Die Iglauer SprachinselGeschichte bewahren · Zusammenhänge verstehen
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Kirche, Glaube und Gewissen

Kirche gehört zur Lebenswelt der Dörfer – und zur Frage, weshalb christliche Bindungen Ausgrenzung und Gewalt nicht verhinderten.

Kloster Saar als Grundherr

Das Zisterzienserkloster Saar, heute Žďár nad Sázavou, war auch ein wirtschaftlicher und herrschaftlicher Mittelpunkt. Seine Urbare von 1407, 1462 und 1483 verzeichnen zinspflichtige Untertanen (Menschen, die einer Grundherrschaft oder einem Landesherrn unterstanden) und ihre Verpflichtungen. Geldzahlungen, Naturalabgaben und Frondienste gehörten zu diesem Verhältnis. Die Aufzeichnungen erfassten jeweils die damals unmittelbar der Klosterherrschaft unterstehenden Orte; sie sind kein vollständiges Verzeichnis aller früheren oder mittelbaren Rechte des Klosters.

Die Verbindung zum Silberbergbau

1257 erhielt Saar zusammen mit Sedletz und Münchengrätz einen Anteil an Smils von Lichtenburg Bergwerkseinkünften, unter anderem aus Schlappenz. Die neuere Untersuchung präzisiert: Gemeint war ein Zehnt (eine Abgabe, die häufig den zehnten Teil der Ernte ausmachte) seines rechtmäßigen Einkünfteanteils, aufgeteilt auf drei Klöster – nicht ein Zehnt der gesamten Förderung.

Das ist eine konkrete wirtschaftliche Verbindung zur späteren Sprachinsel. Einkünfte aus einem Bergwerk, der Besitz eines Dorfes und das Recht, über seine Bewohner Gericht zu halten, waren jedoch verschiedene Rechte. Dass Saar bestimmte Einkünfte erhielt, bedeutet deshalb noch nicht, dass dem Kloster ganz Schlappenz gehörte. Welche Dörfer zu welcher Zeit unmittelbar unter den Äbten standen, muss anhand der jeweiligen Besitzurkunden und Urbare beschrieben werden.

Quellen zur Grundherrschaft und zum Silberzehnt →

Glaube im Dorfleben

Die bereitgestellten Kulturtexte berichten von kirchlicher Trauung, elterlichem Segen, Rorate und christlichen Festtagen. In Schlappenz gehörten Kirche und Pfarrschule zum Dorfleben; der Pfarrsprengel umfasste mehrere umliegende Dörfer. So wird Kirche als Teil der örtlichen Lebenswelt sichtbar. Wie groß die einzelnen Konfessionsgruppen waren, ist für den jeweiligen Ort und Zeitpunkt gesondert zu belegen.

Die Frage, die bleibt

Wie konnten Menschen christlichen Glaubens andere ausgrenzen, verfolgen oder Gewalt dulden? Für dieses Museum ist das eine Frage nach dem Verhältnis von Glaubensanspruch und tatsächlichem Handeln. Eine kirchliche Zugehörigkeit allein erklärt weder die persönliche Überzeugung noch eine konkrete Entscheidung. Wir müssen nach Predigten, öffentlichen Stellungnahmen, Hilfeleistungen, Schweigen und Beteiligung fragen – mit Ort, Datum und Beleg.

Dabei unterscheiden wir kirchliche Lehre, das Handeln von Kirchenleitungen und das Verhalten einzelner Geistlicher und Gemeindemitglieder. Eine allgemeine Entlastung ist ebenso wenig angemessen wie eine pauschale Verurteilung aller Gläubigen. Wo christlicher Anspruch und nationalistisches Denken aufeinandertrafen, soll sichtbar werden, welche Entscheidungen Menschen tatsächlich trafen.

Selbstprüfung nach 1945

Am 19. Oktober 1945 bekannte der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Stuttgarter Schulderklärung eigenes Versagen. Das Dokument ist ein Beispiel kirchlicher Selbstprüfung nach der nationalsozialistischen Herrschaft. Es betrifft die evangelische Kirche in Deutschland und ersetzt keinen örtlichen Nachweis für die Iglauer Sprachinsel.

Die katholische Konzilserklärung „Nostra aetate“ vom 28. Oktober 1965 wandte sich ausdrücklich gegen Judenfeindschaft und Verfolgung und wies eine unterschiedslose Schuldzuweisung an Juden für den Tod Jesu zurück. Sie verwarf zudem Diskriminierung aufgrund von Herkunft oder Religion. Das sind Aussagen eines späteren kirchlichen Dokuments; sie dürfen nicht als Beschreibung des kirchlichen Handelns in früheren Jahrzehnten gelesen werden.

Ein Raum zum Nachdenken

Die Mahnung richtet sich auch an uns: Wird der Mitmensch noch gesehen, wenn er einer anderen Nation, Sprache oder Religion angehört? Welche Verantwortung tragen diejenigen, die Einfluss auf eine Gemeinde haben? Örtliche Beispiele für Versagen, Hilfe und Widerstand werden aufgenommen, sobald sie belegt sind.

Zum jüdischen Leben in Iglau → · Zur Zeit des Protektorats →

Quellen zu diesem Beitrag →

Glaube und Schule

Der Wechsel der Konfession berührte auch den Unterricht. Eine Besprechung der Iglauer Schulgeschichte von 1882 nennt die Gründung einer protestantischen Lateinschule 1561 und die Einrichtung eines Jesuitengymnasiums 1626 anstelle der aufgelösten evangelischen Schule. Lateinschulen bereiteten auf weiterführende Bildung vor. An der Schule lässt sich erkennen, wie eng Bildung und religiöse Herrschaft miteinander verbunden waren.

Quelle →