Das stattliche Dorf mit einer Gemeindefläche von 1036 Hektar führt einen Namen, der in der Vergangenheit in verschiedenen Schreibformen erscheint. Es wird dem Orte „Sarech, Sareh, Sarek" gleichgesetzt, das in Urkunden aus den Jahren 1233, 1257, 1304 genannt wird. Danach hätte es zum Besitze der deutschen Ordensritter gehört und wäre an die Prämonstratenser gekommen, als diese den Iglauer Besitz erwarben. Im 15. Jahrhundert findet man das Dorf unter dem Namen „Zdiarek (1411, jetzt tschechisch Zdirec), Sahers, Zeherleins, Saherz, Sherlaß, Saheries", im 18. Jahrhundert mit einem der genannten Namen oder „Saharlas, Seherlas, Scherlus" oder „Zdyrecz", im 17. Jahrhundert „Seherleß, Seheries, Seehrles, Scheriis, Seerlens", im Jahr 1685 auch schon in der heutigen Form „Selentz".
Die starke Wandlung dürfte darauf zurückzuführen sein, dass das Wort frühzeitig unverständlich war. Ob die Grundform auf einen deutschen Personennamen Saracho, Saricho, Sarhilo, Sarelo, Serlo oder auf ein slawisches zdärek (zdär) zurückzuleiten ist, muss dahingestellt werden. Möglich ist auch die Ableitung vom althochdeutschen sahar = Sahr, Schilf und der Endung ahn, mittelhochdeutsch ach, ech.
Sicher aus der Vergangenheit ist, dass der Ort im 15. Jahrhundert mit Schrittenz, Dobrenz und Stecken zum Besitze der Herren Leskowetz von Hoslaw.
Später gehörte Seelenz dem Adelsgeschlecht der Trczka. Die Familie besaß ausgedehnte Rechte zwischen Seelau, Lipnitz, Polna und der Igel. Im Jahr 1536 verkaufte Johann Trczka von Lipa mit der Burg Schrittenz auch Seelenz an die Stadt Iglau. Bei deren Landgütern blieb es nun 90 Jahre, bis die Vermögensverhältnisse zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges die Stadt zwangen, ihren Schrittenzer Besitz und damit auch Seelenz an den einflußreichen Kaiserrichter Rudolf Heidler von Buckau, der sich vom Iglauer Bürger zu hohen Ämtern und zum Adelsstande emporzuschwingen verstand, zu verkaufen. Nach ihm wechselten die Grundherren, Pachta von Reihofen, Graf Philipp Ludwig von Sinzendorf, Herzog Moritz von Sachsen (1735—1748), die Freiherren von Palm (1748—1840),Hohenzollern-Sigmaringen. Im Jahr 1848 endeten die obrigkeitlichen Rechte der Grundherrschaften.
Über die Abgaben belehren alte Abrechnungen, dass von Seelenz im Jahr 1604 zu Georgi und Michaeli der Dorfzins je 16 Schock (eine alte Zähleinheit für sechzig Stück, hier meist Groschen) 32 Groschen betrug, das „Seherleßer Grasgeld" 11 Schock 52 Groschen, ferner hatte der Richter 1 Schock „Weingeld" gezahlt. Im Jahr 1625 betrug der Jahreszins des Dorfes 33 Schock 4 Groschen, das Grasgeld 9 Schock 9 Groschen und das Weingeld 1 Schock 30 Groschen.
Alte Seelenzer Namen weisen Abgabenlisten aus dem Jahr 1604 aus: Jakob Pistauer, Thoma Michl, Martini Mischinger, Sygel, Veit Hitter, Symon Orthanß, Christoff Kerber, Frantz Tschepel, Frieauff, Hans Achtzenet, Wenesch Mischinger, Jan Josst, Thoma Schwab, Jane Labatsch, Hans Neywirt, Sittko Weber, Hawle Nimmerrichter, Georg Dolessel, Wirt Politzer. Im Jahr 1615 wird der Richter Steffel Mullner genannt. 1546 Peter weiss von Saharlas. Davon haben sich bis heute als Hausnamen „Neuwirt" (
Nr. 8), „Czepl" (
Nr. 20), „Lobotsch" (
Nr. 41), „Weber" (
Nr. 42) und im alten Hausnamen von
Nr. 24 „Orthons" erhalten. Die ältesten Namen der Pfarrbücher aus dem 17. Jahrhundert lauten: Neuwirth, Kirchner, Mokry, Bruno, Payer, Tuscher, Politzer, Mischinger, Grauhansl.
Die Kirche zum hl. Wenzl ist alt. Die Pfarre wurde 1410 errichtet. Ihr Sprengel umfasst Seelenz, Dobrenz, Deutsch-Schützendorf, Pfauendorf, Mischung, Hilbersdorf, Klein-Weschnitz, früher gehörten auch Waldhof und die mährischen Orte Jamny, Ryby, Chod-Weschnitz und Zhof dazu. Im Dreißigjährigen Kriege ging die Pfarre ein, die Seelsorge wurde von Stecken aus besorgt. In der Zeit der Reformation war Seelenz evangelisch. Im Jahr 1623 wurde der evangelische Pfarrer ausgewiesen. Mit dem damaligen Mangel an katholischen Geistlichen erklärt sich das Eingehen der Pfarre. 1690 wurde sie wieder eingerichtet.
Das Gemeindekataster weist 1945 (in Klammern Stand 1924) folgende Eigentumsverhältnisse aus:
Nr. 1 Gemeindeschmiede.
Nr. 2 „Einräumer" Franz Urz, 3,78 ha (Johann Urz, 3,78 ha).
Nr. 3 „Leinweber" Rosina Duschek, 27,86 (Johann Duschek, 27,86 ha).
Nr. 4 „Perkailweber" Marie Kunst, 2,85 ha (Anna Kunst, 2,85 ha).
Nr. 5 (Marie Culka, Gasthaus, 17,79 ha).
Nr. 6 „Jokl" Josef Sommer, 34,18 ha (Josef Sommer, 34,18 ha).
Nr. 7 „Fiedler" Johann Fiedler, Gastwirt, 11,93 ha (Franz Fiedler, 11,93 ha).
Nr. 8 „Neuwirt" Franz Fitzek, 45,32 ha (Anna Fitzek, 45,32 ha).
Nr. 9 „Schütz" Wenzl Dotschekal,
9,47 ha (Johann Schütz, 9,47 ha).
Nr. 10 „Grünwald" Anton Grünwald, 8,71 ha (Anton Grünwald, 8,71ha ).
Nr. 11 Pfarre, 20,35 ha.
Nr. 12 „Culek" Mathias Michelfeit, 7,20 ha (Mathias Michelfeit, 7,20 ha).
Nr. 13 „Martin" Franz Mischinger, 10,72 ha (Therese Mischinger, 10,72 ha).
Nr. 14 „Marek" (Franz Lorenz, 13,81 ha).
Nr. 15 „Köhler" Mathias Höfer, 27,36 ha (Mathias Höfer, 27,36 ha).
Nr. 16 „Reisl" Marie Janko, 20,49 ha (August Janko, 20,49 ha).
Nr. 17 „Schneider" Josef Matula, 8,68 ha (Franz Matula, 8,68 ha).
Nr. 18 Gemeindehaus.
Nr. 19 „Kunst" Elisabeth Kunst, 2,41 ha (Franz Kunst, 2,41 ha).
Nr. 20 „Czepl" Josef Bratrschofsky, 2,50 ha (Josef Bratrschofsky, 0,78 ha).
Nr. 21 „Maurer" Johann Petschenka, 3,30 ha (Johann Petschenka, 3,30 ha).
Nr. 22 „Michelfeit" Josef Michelfeit, 9,75 ha (Josef Michelfeit, 9,75 ha).
Nr. 23 „Naz" Wenzl Womela, 5,08 ha (Wenzl Womela, 5,08 ha).
Nr. 24 „Schaffer" Johann Womela, 24,60 ha (Johann Womela, 24,60 ha).
Nr. 25 „Hof" (Anna Molitor, 115,10 ha).
Nr. 26 „Neubauer" (Josef Rosecky, 12,77 ha).
Nr. 27 Schule.
Nr. 28 „Mottl" Ignaz Kestler, 35,00 ha (Ignaz Kestler, 36,54 ha).
Nr. 29 „Rippl" Johann Petschenka, 4,00 ha (Johann Petschenka).
Nr. 30 „Polzer" Wenzel Zimmermann, 7,89 ha (Wenzl Zimmermann, 7,89 ha).
Nr. 31 „Janko" Josef Zimmermann, 7,36 ha (Anna Zimmermann, 7,36 ha).
Nr. 33 „Matl" Johann Michelfeit, 34,90 ha (Johann Michelfeit, 35,27 ha).
Nr. 34 Franz Blaschek.
Nr. 35 „Binder" Wenzl Pritsch, 9,62 ha (Christine Mühlhauser, 9,62 ha).
Nr. 36 (Anton Petschenka, 3,34 ha).
Nr. 37 „Großschädl" Hans Petschenka, 33,35 ha (Johann Petschenka, 33,35 ha).
Nr. 38 „Kürschner" Franz Dotschekal, 3,08 ha (Josef Nowak, 3,08 ha).
Nr. 39 „Benesch-Häusl" und
Nr. 40 „Benesch" Anton Rippl, 25,00 ha (Franz Duschek, 49,49 ha).
Nr. 41 „Lobotsch" Josef Grödl, 32,85 ha (Josef Grödl, 32,85 ha).
Nr. 42 und 43 „Weber" (Therese Kliment, 35,25 ha).
Nr. 44 „Augustin" (Franz Kreuz, 0,58 ha).
Nr. 45 „Alter Wächter" Rosa Zimmermann.
Nr. 46 „Schuster" gehört zu Hs.-
Nr. 62 (Franz Röhrich, 4,05 ha).
Nr. 47 „Neuwirth-Häusl" Franz Dotschekal, 3,30 ha (Franz Dotschekal, 3,30 ha).
Nr. 48 „Altrichter" Martin Womela, 17,44 ha (Martin Womela, 17,44 ha).
Nr. 49 „Maurer-Schneider" Josef Petschenka, 4,08 ha (Josef Petschenka, 4,08 ha).
Nr. 50 „Hruza" (Johann Hruza, 13,00 ha, Tscheche).
Nr. 51 „Grünwald" Marie Janko, 23,98 ha (August Janko, 23,98 ha).
Nr. 52 „Unter-Schuster" Josef Röhrich, 10,67 ha (Josef Röhrich, 10,67 ha).
Nr. 53 Raiffeisenkasse, 3,43 ha.
Nr. 54 „Grödl" Rosina Grödl, 3,00 ha.
Nr. 55 „Czeplhäusl" (Franz Kliment, 9,14 ha).
Nr. 56 „Honspaul" Johann Dvorschak, 3,72 ha (Josef Dvorschak, 3,72 ha).
Nr. 57 gehört zu Hs.-
Nr. 7.
Nr. 58 „Schulmeister" Josef Petschenka, 6,00 ha (Josef Petschenka, 5,99 ha).
Nr. 59 „Muckenbrunner" Franz Neubauer, 4,65 ha (Anton Neubauer, 4,65 ha).
Nr. 60 „Buben" Franz Buben, Gastwirt, 0,85 ha (Franz Polierer, 0,85 ha).
Nr. 61 „Kunst oben" Mathias Michelfeit, 5,95 ha (Johann Michelfeit, 5,95 ha).
Nr. 62 „Zimmermann" Josef Petschenka, 5,64 ha (Anton Petschenka, 5,64 ha).
Nr. 63 „Kirchner" Johann Fenz, 2,30 ha (Johann Kirchner, 1,20 ha).
Nr. 64 „Bergalweber" Josef Kunst, 0,24 ha (Josef Kunst, 0,24 ha).
Nr. 65 „Wiesenschuster" Johann Schütz, 1,38 ha (Anna Schütz, 1,38 ha).
Nr. 66 „Tischler" (Vinzenz Svoboda, 0,54 ha).
Nr. 67 „Folter" Franziska Folter, 7,45 ha (Mathias Folter, 7,45 ha).
Nr. 68 Josef Röhrich, 5,00 ha.
Nr. 69 Josef Zimmermann.
Nr. 70 Gregor Schöberl, Schlosser.
Nr. 71 Anton Toscher. —
Im Gemeindebesitz waren 120,39 ha, die Kirche besaß 29,65 ha. — Die deutsche Schule ist alt, schon 1642 wird ein Seelenzer Schulmeister Johannes Dewisch genannt. Zuerst fand der Unterricht in Bauernhäusern statt. 1788 wurde ein Schulgebäude eingeweiht.
1863 wurde ein neues Schulhaus gebaut. Nach 1918 war auch eine tschechische Schule im Dorf.
Das Gemeindesiegel aus dem Jahr 1705 führte ein gezäumtes Pferd. — Seelenz war eine selbstständige Gemeinde und hatte 1939 zehn deutsche und zwei tschechische Gemeinderäte. Die Schule und Pfarre waren im Ort, dagegen war die Post und Gendarmerie in Deutsch-Schützendorf und die nächste Bahnstation war in Schrittenz (G-Polna-Stecken).
