Mitteldorf ist ein alter Ort, der vielfach die Geschicke des nahen Stannern geteilt hat. Er gehörte den Grundherren von Stannern. So wurde es im Jahr 1379 genannt, als „Sezema de Stonarzow" ein Anniversium, einen Jahres- Gedächtnistag, bei den Minoriten in Iglau stiftete und dazu zwei Lahne (alte Einheiten für bäuerlichen Grundbesitz, auch Hufen genannt) im Orte „Mitldorf" („villa Mitldorf [Deutsch: das Dorf Mitteldorf]") verwendete. Die Zinsungen von Mitteldorf wurden 1420, 1466, 1476 in Verfügungen der Stannerer Herren erwähnt. Im Jahr 1530 haben diese mit ihrer Burg und dem Stannerer Besitz auch Mitteldorf an die Stadt Iglau verkauft (vgl. Stannern). Seitdem unterstand es der Iglauer Obrigkeit (staatliche oder grundherrliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit), bis im Jahr 1848 die alten Grundrechte aufgehoben wurden.
Einige Beispiele zeigen die Höhe der Zinsen und Abgaben: Im Jahr 1630 betrug der Michaeli- und Georgidorfzins je 6 Schock, 4 Groschen, 5 Denare und das Ackergeld 58 Groschen, 2 Denare, so dass die Abgaben in dem genannten Jahr 14 Schock, 38 Groschen ausmachten. Im Jahr 1636 machte der Michaeli- und Georgizins jedesmal 5 Schock, 50 Groschen, 4 Denare aus. Außerdem bebauten die Mitteldorfer Felder vom ehemaligen Falkenau und Pfaffendorf und entrichteten dafür an die Grundherrschaft (Herrschaft über Land und die davon abhängigen Bauern) Zinse.
Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges und danach lagen Gründe öde. 1630 waren 12 Untertanen (Menschen, die einer Grundherrschaft oder einem Landesherrn unterstanden) gegen 15 vorher. Im Jahr 1670 war vom „Kalboda- Heysl" nur mehr etwas Gemäuer. Von dem Viertelbauerngrunde waren drei Wiesen und etwa sieben Metzen (ein altes Getreidemaß, das auch zur Angabe von Ackerflächen diente) Feld verwachsen und zu Wald geworden. Bidermans Halbbauerngrund hatte ein Feldstück mit Wald bewachsen. Das Krichenpauern Anwesen war eine ganz öde Stelle. Von seinem Halbbauerngrunde waren Stücke „gantz verwaxen vundt zu wolt worden". Täskhos Häusel (eine Viertelbauernwirtschaft) war eine „ganz öde Stelle" und ein Grundstück „ganz und gar verwachsen". „Polzhengrundt", ganz Lahn (eine alte Einheit für bäuerlichen Grundbesitz, auch Hufe genannt), öd und wüst, Teile des Grundes ganz und gar verwachsen" oder „schon etwas mit Erl bewachsen" oder „verwachsen und wiederum abgeholzt".
Der Name des Ortes erscheint als „Mitldorf, Mytldorff, Müttldorff, Mittldorff, Mitldorf, Miettldorf". Ob irgendwelche Mittellage oder ein Personenname, etwa Mutilo, dem Dorf den Namen gab, ist nicht klar.
An Personennamen begegnet in alten Aufzeichnungen im Jahr 1615: Veidt Kriechle Bauer und Pauli Weber. Der erste Name kehrt 1670 als Krichenpauer wieder und ist heute Hausname (Nr. 5). Der Familienname Weber ist noch heute im Dorf häufig. 1662 erscheinen unter den Geschworenen der Iglauer Landgüter: Barttl Neubauer, Mathes Schaffer, Georg Schober. Die Namen Schaff er und Schober sind noch unter den jetzigen Hausnamen (Nr. 4, 22). Auf der Mühle wird im Jahr 1650 „Bartl Miller" genannt.
Im Jahr 1779 waren 13 Nummern im Dorf und zwar besaßen „eigentümlichen" Grund: Nr. 1 Joseph Biderman 45 M 15V2 mß. Nr. 2 Joseph Schmidt 31 M 8V4 mß.
Nr. 3 Thomas Schmidt 109 M 14V2 mß.
Nr. 4 Joseph Kasamas 62 M 143/4 mß.
Nr. 5 Wenzel Weeber 65 M 12 mß.
Nr. 6 Andres Schwarz 112 M 8V2 mß.
Nr. 7 Joseph Ketner 105 M IIV2 mß.
Nr. 8 Jakob Langwenz 121 M 14V4 mß.
Nr. 9 Jakob Schmidt 102 M 14 mß.
Nr. 12 Thomas Schindler 45 M 7V4 mß.
Nr. 13 Martin Weber 121 M 2V4 mß. Die Gemeinde hatte 70 M 13 mß.
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Neben diesen 996 M 8V4 mß eigentümlichen Grund waren noch 79 M 6V4 mß obrigkeitlich. Davon hatte
Nr. 1: 20 M 974 mß,
Nr. 2: 14 M 15 mß,
Nr. 3: 3 M 11 mß,
Nr. 7:12 mß,
Nr. 8:1 M 2V2 mß,
Nr. 9: 2 M 4V4 mß,
Nr. 12: 7 M 7V4 mß,
Nr. 13:13V2 mß und die Gemeinde 11 M 3 A mß.
Nr. 10 war der Müller Andres Rinogl, der kontraktmäßig 51 M 2V2 mß und an öden Gründen 16 M IOV4 mß besaß.
Das Gemeindekataster weist 1945 (1924 in Klammern) folgende Besitzverhältnisse aus:
Nr. 1 „Kölbl" Johann Schmidt, 16,00 ha (Franz Schmidt, 16,37 ha),
Nr. 2 „Bauernschuster" Paul Weber, 14,00 ha (Paul Weber, 11,93 ha).
Nr. 3 „Wutschka" Franz Patry, 20,00 ha (Anna Patry, 22,10 ha).
Nr. 4 „Schober" Laurenz Lang, 16,00 ha (Laurenz Lang, 22,08 ha).
Nr. 5 „Krichenbauer" Johann Lang, 18,00 ha, siehe auch Hs.
Nr. 6 (Mathias Weber, 18,96 ha).
Nr. 6 „Kraus" Johann Lang, 17,00 ha (Johann Lang, 17,99 ha).
Nr. 7 „Nort'n" Katharina Mikschy, 17,00 ha (Johann Mikschy, 12,72 ha).
Nr. 8 „Mikschy" Josef Schmidt, 26,00 ha (Franz Schmidt, 24,13 ha).
Nr. 9 „Schmidt" Josef Schmidt, 26,00 ha (Josef Schmidt, 30,49 ha).
Nr. 10 „Mühle" Genossenschaftsmühle (tschechsicher Müller), 1934 17,00 ha parzelliert (Anton Rinagl, 18,54 ha).
Nr. 11 „Hirthaus" Gemeindehaus.
Nr. 12 „Bauernschneider" Katharina Schindler, 18,00 ha (Katharina Schindler, 18,57 ha).
Nr. 13 „Jokl" Mathäus Mikschy, 14,00 ha (Mathias Mikschy, 16,96 ha).
Nr. 14 „Schuster" Johann Filla, 4,00 ha (Josef Weber, 2,45 ha).
Nr. 15 „Schneider" Mathias Teltscher, 2,50 ha (Mathias Soufal, 2,21 ha).
Nr. 16 „Binder" Rudolf Weber, 1,00 ha (Franz Weber, 1,47 ha).
Nr. 17 Johann Fenz, 1,00 ha.
Nr. 18 „Schusterlenz" Johann Wassipaul (Katharina Lang und Laurenz Kampf, 0,61 ha).
Nr. 19 „Schuster" Franz Schmidt, 4,00 ha (Franz Schmidt, 2,61 ha).
Nr. 20 „Maurer" Mathäus Lang, 4,00 ha (Mathias Weber).
Nr. 21 Franz Weber (Paul Faber, 3,57 ha).
Nr. 22 „Schaffer" Mathias Schwarz, 17,00 ha (Mathias Schwarz, 17,46 ha).
Nr. 23 „Bort in der Wiesen" Jakob Mikschy, 13,00 ha (Jakob Mikschy, 12,72 ha).
Nr. 24 Gemeindegasthaus.
Nr. 25 „Zimmermann" Johann Schmidt (Johann Schmidt, 0,15 ha).
Nr. 26 „Schusterlenz" Anna Kampf, 1,00 ha.
Nr. 27 Mathias Schmidt.
Nr. 28 Josef Neubauer.
Die Gemarkung Mitteldorf hat ein Ausmaß von 324 ha. Der Ort bildet mit dem Ortsteil Falkenau eine pol. Gemeinde und hatte 1939 zwölf deutsche Gemeinderäte. Mitteldorf hatte eine eigene Schule, die Pfarre, Post und Gendarmerie waren in Stannern, der nächste Bahnhof war in Iglau.
