Die Siedlung Handelsdorf entstand aus einem Hof. Noch heute ist der Name Handelhof gebräuchlich. Der Hof führte die Benennung nach dem Besitzer Handel.
Josef Handel hat im Jahr 1721 den Hof an die Stadtgemeinde Iglau verkauft. Der Kaufpreis betrug 10 000 fl. (Gulden, auch Florin genannt, eine historische Geldeinheit), eine Summe, die für jene Zeit sehr hoch war. Das kam davon, dass noch ein anderer Kauflustiger aufgetreten war, der Graf Pachta, der nördlich von Iglau großen Besitz hatte und auch die Holzmühler Gründe besaß. Der Meierhof (ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb des Grundherrn) blieb bis 1778 im Besitz der Stadt. Damals wurde er wie die anderen Höfe aufgegeben und die Grundstücke an fünf Untertanen (Menschen, die einer Grundherrschaft oder einem Landesherrn unterstanden) in Erbpacht übergeben. Das Grundbuch verzeichnet in diesem Jahr, dass bei „Verteilung der Honlischen Mayerschaftsgründen von der Obrigkeit (staatliche oder grundherrliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit) erhalten hatten:
Nr. 1 Johann Lukschanderl 71 M 91/2 mß,
Nr. 2 Martin Röder 60 M 83/4 mß,
Nr. 3 Martin Gilk 60 M IOV2 mß,
Nr. 4 August Schneller 71 M 43/4 mß,
Nr. 5 Josef Hanl 47 M 4V4 mß. Außerdem die Iglauer Tuchmacherzunft 70 M I2V4 mß, Ludwig Eigl 21 M 83A mß, Neumüller 19 M 8 mß,
Martin Teltscher 2 M HV4 mß; Gemeinde 24 M 8V2 mß.
Ferner hatte der Goskomüller einen bestimmten Zins eingetragen und der „Freimann von Iglau" hatte „nomine deputatis" den Genuß von zwei Äckern und zwei Wiesen auf Handelsdorfer Grunde. Die Stadt Iglau hat sich Teiche und einigen anderen Besitz vorbehalten. Das Gesamtausmaß von Handelsdorf betrug damals 450 M und IV4 mß.
Im Jahr 1849 hatte Handelsdorf folgende Besitzer:
Nr. 1 Paul Ganswohl,
Nr. 2 Jakob Röder,
Nr. 3 Johann Gilch,
Nr. 4 Johann Schneller,
Nr. 5 Johann Streichsbier. Der übrige Grund war in den Händen von Karl Hock (70 M, die früher die Iglauer Tuchmacher besaßen), Jakob Krum (nach Ludwig Eigl). Karl Hock (19 M nach Martin Teltscher) und die Gemeinde 24 M. Als die Ablösung der Grundlasten 1849 durchgeführt wurde, machte das Handelsdorfer Entlastungskapital 463 fl. 12 kr und die Ablösung verschiedener Zinse 83 fl. 36 kr. aus.
1945 (1924 in Klammern) waren folgende Besitzverhältnisse:
Nr. 1 u. 2 „Schneller" (14,40 ha, im Besitz des Landes Mähren).
Nr. 3 „Maurer" Franz Schmied, 22,30 ha (Regina Schmied, 24,00 ha).
Nr. 4 „Kalliwoda" August Kalliwoda, 23,11 ha (Gustav Kalliwoda, 24,00 ha).
Nr. 5 war früher das Brecherhäusel, in den zwanziger Jahren Neubau an der Straße.
Nr. 6 „Gasthaus" Franz Eigl, ca. 10,00 ha.
Nr. 8 war einst das Berghäusel, besteht nicht mehr. (Ferner gehören zum eigentlichen Handelsdorf
Nr. 12, 15 b, 16 b und 38 b. Die
Nr. 15 b und 16 b gehörten früher zu Gossau, sie stehen unterhalb der Kohlenrutsche am rechten Igla-Ufer.
Nr. 38 b ist das Wächterhaus bei der Kohlenrutsche. Zu Handelsdorf gehörten zwei Anwesen von Waldhausen (Pantschawa)
Nr. 6 „Hanesen" Franz Benesch, 26,00 ha,
Nr. 7 „Wondrak" Anna Reznik und Elisabeth Wondrak, 22,00 ha.
Handelsdorf bildet mit Helenental und Waldhausen eine Gemeinde, mit einer Gemarkungsfläche von 308 ha. Post, Bahnstation, Gendarmerie und Pfarre waren in Iglau, die Schule in Helenental.
Die Mulde hinter Handelsdorf fällt zum Tal der Igla ab und heißt Berggraben. Einst stauten mehrere Dämme kleine Teiche an. Das gesamte Gebiet wurde vom Bergbau geprägt.
Der „Goldbrunnl-Zug" durchquert es. Am Hange des „Weinoder Weidengebirges", das nördlich vom Steinhübel und Ameisberg zur Igla abfällt, wurden ebenfalls einst Silbererze zutage gefördert.
