Gleich hinter der Kuppe von 591 m, auf der einst drei Fichten weithin sichtbar emporragten und von der sich den Augen ein schöner Fernblick über das Igelland bietet, liegt das Dorf Gossau. Seine Gehöfte gruppieren sich rund um die Kapelle und fächerartig öffnen sich zwischen den Feldwegen die Fluren. Das Ackerland senkt sich gegen Ost und Nord zu den waldigen Leiten und Steinhübeln, die zum Igelfluß abbrechen. Der Name des alten Runddorfes lässt sich slawisch und deutsch erklären. Slawisch vom Namen kos = Amsel (Miklosisch, die slawischen Ortnamen aus Appellatwen, 185, Kott, cesko-nemecky slovnik VI. 678) und deutsch vom Personennamen Gozo (Förstemann, Altdeutsches Namensbuch I, 611, 613). Im Jahr 1345 wird eine curia Goczlini in Gozzau [Deutsch: Hof des Goczlin in Gossau] genannt. Übrigens kommt der gleiche Name bis in der Schweiz im St. Gallner und Zürcher Gebiet vor, auch der Flussname Gose und der Ortsname Goslar sind in Betracht zu ziehen. Im bayrischen Sprachgebiet erscheint Gosau als gozzesawe = Au, Bach eines Gozzo, Gossenbichl als Hügel eines Gozzo, Gossenhof als Hof eines Gozzo.
Im Jahr 1233 wird „Kossow" genannt, in den Iglauer Stadtbüchern erscheint Gossau im 14. Jahrhundert in der Schreibung Gozzau, Gossaw. Das Dorf gehört zu den Iglauer Stadtgründen. Nach dem Losungsregister vom Jahr 1425 waren damals 11 Anwesen: 1. Niklas Guidein, 2. Niklas Hadmier (Haydmir, Hadmir, Hodmir, Hadmar, Hodmaier), 3. Wenz Purkhardi, 4. Niki Castner, 5. Hanns Zeybat (Zeyboth, Seyboth), 6. Hanns Rehorn (Rehorner, Rehner), 7. Michel wezniczer, 8. Mathes c. rubeto luce, 9. Spiczgugl (Spiczkugel), 10. Hanns Jecleins sun (Hanns filius jeklini), 11. Paul ansarg (Paul Ansorg). Davon geht der Name Purckhart, Burckhartt, Purkarth, Purchart, Purghart bis zur Gegenwart, in der sich noch der Hausname erhalten hat. 150 Jahre später (nach der Mitte des 16. Jahrhunderts) sind die Gossauer Bauernnamen folgende: 1. Jacob, 2. Leopoldt (Leypolt), 3. Purghart, 4. Nimerrichter, 5. Klain Fürst, 6. Wentz Polinger, 7. Holczpauer, 8. Thoma Lang Hans. 9. Veit Gosler, 10. Wentz Krum, 11. Steidl, 12. Benusch, 13. Jörg Politzer.
Von diesen haben sich die Hausnamen Holzbauer und Fürst noch heute erhalten. Vor dem Dreißigjährigen Kriege (1616) werden angeführt: 1. Jacob Wonasch (Benesch), 2. Hanß Pauser, 3. Purgkhardt, 4. Nimmerrichter Schaller, 5. Klein Fürst, 6. Wentz Polinger, 7. Holtzbauer, 8. Jaksch, 9. Wentz Neubauer, 10. Hanß i Wentz Krum, 11. Heckherl, 12. Paul Wonasch, 13. Görg Politzer. Davon leben als Hausnamen fort: Neubauer und Pauser. 1662 wird Simon Blasko erwähnt, der auch Fürst genannt wurde.
Im Dreißigjährigen Krieg verzeichnet eine "Ambts Raittung" aus dem Jahre 1630 nur 10 Untertanen gegen 13 vor dem Kriege. Diese hatten dem Kreuzkloster in Iglau an jährlichen Gesamtzins auf Michaeli und Georgi zu 5 Schock zu zahlen. An die Stadt wurden von „Niederstatt Hirtt von zwei fleckhl" 18 kr. (Kreuzer, eine kleinere historische Geldeinheit) und „Wentz Wiesen Zinß neben dem Bach" 46 kr. entrichtet. 1668 wurden zehn Gossauer verzeichnet: Wentzs Mixsh, Jacob Röder, Jacob Melion, Simon Fürst, Greger Holtzbauer, Andreß Lerchel, Wentz Neupauer, Andreß Schneider, Marcuß Miexsh, Martien Neubauer. Im Jahr 1778 waren in Gossau folgende Anwesen: 1. Josef Neubauer (220 M), 2. Mich! Röder (209 M), 3. Johann Schwarz (277 M), 4. Augustin Teltscher (202 M), 5. Martin Lukschanderl (206 M), 6. Josef Lukschanderl (185 M), 7. Gregor Röder (2 M), 8. Johann Pitzal (207 M), 9. Hirtenhaus, 10. Franz Puls (197 M), 11. Gemeinde Schmitten, 12. Mathes Ripper (191 M), 13. Martin Holzbauer (229 M).
Mit dem Gemeindegrund ergibt das Ausmaß 2249 M und Z1/i mß.
Neben der Landwirtschaft, die vor 80 Jahren besonders Steckrüben baute, haben die Gossauer vor dem Bahnbau auch eifrig das Fuhrwerk betrieben. Die Spuren des alten Bergbaues sind schon fast völlig verwischt. Dreier Gänge Streichen ging durch das Gossauer Gebiet. 1527 hieß es vom Bergbau in der weißen Hall am Weingebirge (Weidengebirge). 1782 wird ein „alt verbrochener Schacht" bei Gossau vermerkt. Es waren Ausläufer des Bergbaues im Handelsdorfergebiete am Weidengebirge und Berggraben.
Die Gemeinde Gossau hat schon seit dem Jahr 1788 eine eigene Volksschule. 1939 waren zehn Deutsche und zwei Tschechen im Gemeinderat. Die Post, Bahnstation, Gendarmerie und die Pfarre waren in Iglau.
1945 ist folgende Besitzverteilung verzeichnet (1924 in Klammern):
Nr. 1 „Reichthoma" Paul Bruni, 61,29 ha (Paul Bruni, 61,29 ha).
Nr. 2 „Bauernschmidt" (Wenzl Krejci, 51,41 ha, Tscheche).
Nr. 3 „Pauser" Josef Ripper, 67,00 ha (Josef Ripper, 67,52 ha). Der Name Pauser kommt schon 1615 vor. 1662 heißt es „Wentz Mikschi, Pauser genannt".
Nr. 4 „Augustini" Johann Körber, 52,55 ha (Johann Körber, 49,95 ha).
Nr. 5 u. 18 „Burkert" Franz Ripper, 25,05 ha (Johann Eigl, 46,39 ha).
Nr. 6 „Melion" Mathias Pitzal, 40,00 ha (Mathias Pitzal, 38,76 ha).
Nr. 7 (Johann und Ferdinand Schrötter, 1,16 ha).
Nr. 8 „Wenz" Marie Ripper, 63,00 ha (Marie Köpernik, 54,40 ha).
Nr. 9 Gemeinde-Wirtshaus.
Nr. 10 „Lerchl" Johann Pitzal, 37,00 ha (Franz Pitzal, 29,30 ha). Der Familienname „Lerchl" erscheint 1668.
Nr. 11 Gemeindeschmiede.
Nr. 12 „Holzbauer" Josef Bruni, 32,00 ha (Josef Bruni, 41,67 ha).
Nr. 13 „Fürst" Anna Wondrak, 55,29 ha (Anna Wondrak, 55,29 ha).
Nr. 14 gehört zu Hs.
Nr. 4.
Nr. 16 (Anna Joksch, 0,70 ha, Tscheche).
Nr. 17 Deutsche Volksschule.
Nr. 18 „Hawlitschek" Mathäus Bruni, 25,00 ha (Johann Eigl, siehe Hs.
Nr. 5).
Nr. 19 „Branntweinbrenner" (Franz Holub, 14,56 ha, Tscheche).
Nr. 20 (Carl Low & Sohn, Helenental, 0,85 ha).
Nr. 21 „Neubauer" Franz Röder, 21 ha.
Nr. 22 (Gemeinde-Wagnerhaus).
Nr. 24 (Bahnwächterhaus).
Nr. 25 (Bahnwächterhaus, 10,15 ha). Der Gemeindebesitz umfaßt 56,13 ha. Die Gemarkungsfläche beträgt 579,28,19 ha.
