Roschitz erscheint im 14. Jahrhundert im Besitz des Wenzl von Kunowitz. Dieser verkaufte es im Jahr 1376 an die Iglauer Bürger und Brüder Jakob und Johann von Pilgram. Der Landesfürst, Markgraf Jodok, gab die Zustimmung dazu. Das angesehene Bürgergeschlecht der Pügramer hatte ein Jahrhundert lang über Roschitz obrigkeitliche Rechte. Im Jahr 1479 verkaufte der Stadtrichter Prokop von Pilgram das Dorf an den Iglauer Bürger Jakob Bauerhansel. Ungarn-König Matthias Corvinus, der im Kampfe gegen Georg Podebrad und anschließend gegen den Jagellonenkönig Wladislaw sich in den Besitz Mährens gesetzt hatte, bestätigte diesen Kauf am Dienstag vor St. Egidi des genannten Jahres.
Im folgenden Jahre (1480) bestimmte Jakob Bauerhanzl, dass seine Gattin Elisabeth, geborene von Petrowicz, das Dorf eigentümlich nach seinem Tode besitzen solle. Das Ableben muss bald eingetreten sein, denn 1487 war die Genannte bereits Witwe und hat das „Jus Patronatus [Deutsch: Recht, als Kirchenpatron bei der Besetzung der Pfarrstelle mitzuwirken] dem Rate der Stadt Iglau geschafft". Sie behielt sich bloß den Nutzgenuss auf Lebenszeit vor. Einige Abgaben kamen dem Iglauer Minoritenkloster zugute.
Von 1487 gehörte Roschitz zu den Iglauer Landgütern. Im Jahr 1538 kam es zwischen Iglau und Burian von Waldstein auf Pirnitz zu einem Übereinkommen. Danach hatten die Roschitzer für die Äcker unter der Straße durch zehn Jahre nacheinander die Hälfte des Zehents (2 Schock (eine alte Zähleinheit für sechzig Stück, hier meist Groschen) meißn.) zu Weihnachten den Herren auf Pirnitz und die andere Hälfte der Stadt Iglau zu entrichten. Den Dorfzins hatte Roschitz an das Minoritenkloster in Iglau abzuführen (Michaeli und Georgi „Zu Vnser lieben Frauen Closter"). Wiesenzins und Ackergeld war an die Stadt fällig. Letztere machten im Jahr 1630 zusammen 5 Schock 22 Groschen aus. Nach dem Dreißigjährigen Kriege lagen Felder öde. Schon 1630 werden 10 Untertanen (Menschen, die einer Grundherrschaft oder einem Landesherrn unterstanden) verzeichnet gegen 11 vorher. Im Jahr 1670 waren auf dem „Janne grundt", der ein Halblahn war, Wiesenund Feldstücke „ganz verwachsen" und Leboldens Grund 10 Metzen (ein altes Getreidemaß, das auch zur Angabe von Ackerflächen diente) Feld „zu Wald verwachsen".
In den Hausnamen haben sich mehrere alte Besitzernamen erhalten. Im „Neuwirt" (
Nr. 4) kehrt der Name eines „Andre Nejwirdt" vom Jahre 1615 wieder. Im Hausnamen „Prainösl" ist der Name des 1615 genannten Geschworenen „Adam Prein Essle" zu erkennen, im Hausnamen „Holzbauer" (
Nr. 9) findet sich der Name des 1662 eingetragenen Roschitzers „Andreas Holzbauer" wieder. Im Jahre 1662 wird ein Andreas Bidermann genannt, noch heute ist dieser Name als Haus- und Besitzername auf
Nr. 10. Im Jahre 1670 wird der „Janne-Grund" genannt, heute führt das Anwesen
Nr. 11 diesen Hausnamen. „Lebold" von 1670, Thoma „Leopoldt" von 1754 ist auf Lewoldens Haus (
Nr. 13) noch erhalten. Sonst werden noch 1615 der Richter Georg Ney Bauer, 1662 der Richter „Thoma Hawly" u. a. mehr überliefert.
Im Jahr 1779 waren im Dorfe 15 Nummern.
Nr. 1 Joseph Teltscher.
Nr. 1 A Johann Neubauer.
Nr. 2 Jakob Krön.
Nr. 3 Gemeindeschmiede.
Nr. 4 Martin Bidermann 172 M 15V2 mß.
Nr. 5 Mathes Pauser 148 M 9 mß.
Nr. 6 Martin Neubauer 179 M 93/4 mß.
Nr. 7 Martin Hably 228 M 6V4 mß.
Nr. 8 Paul Sommer 130 M 53A mß.
Nr. 9 Augustin Neubauer 165 M 6V4 mß.
Nr. 10 Andreas Bidermann 142 M IOV4 mß.
Nr. 11 Augustin Neubauer, der jüngere 122 M 83/4 mß.
Nr. 12 Andres Kauth 146 M 143/4 mß.
Nr. 13 Martin Faber 50 M 103/4 mß.
Nr. 14 Mathes Seiner 147 M 7Va mß.
Nr. 15 Martin Fixl I5V2 mß. Gemeinde 35 M 12V4 mß. Gesamtausmaß 1672 M 4s/4 mß.
Die Gemarkungsfläche von 465,78,07 ha verteilt sich 1945 (in Klammern 1924) an folgende Eigentümer, dazu waren noch ca. 34 ha in den Nachbargemeinden im Eigentum der Roschitzer.
Nr. 1 „Schneider" Laurenz Böhm, 5,20 ha (Paul Seilner, 2,22 ha).
Nr. 2 „Weber" Marie Maresch, 2,00 ha (Josef Puls, 0,82 ha).
Nr. 3 Gemeindehaus.
Nr. 4 „Neuwirt" Josef Koblischek, 34,36 ha (Josef Koblischek, 34,36 ha).
Nr. 5 „Prainösl" Franz Pauser, 44,90 ha (Franz Pauser, 46,24 ha).
Nr. 6 „Schenk" Mathias Pistauer, 26,80 ha (Johann Pistauer, 26,80 ha).
Nr. 7 „Richter" Josef Modi, 45,05 ha (Philipp Modi, 78,02 ha).
Nr. 8 „Höfer" Josef Gleixner, 36,61 ha (Josef Gleixner, 36,10 ha).
Nr. 9 „Holzbauer" Franz Biedermann, 26,65 ha (Franz Biedermann, 25,92 ha).
Nr. 10 „Biedermann" Johann Biedermann, 51,18 ha (Franz Biedermann, 51,18 ha).
Nr. 11 „Jane" Franz Wondre, 37,39 ha (Franz Wondre, 36,31 ha).
Nr. 12 „Gale" Josef Kauth, 37,88 ha (Josef Kauth, 37,88 ha).
Nr. 13 „Lewohl" Franz Kauth, 8,54 ha( Josef Pauser, 7,86 ha).
Nr. 14 „Pauser"
Josef Seilner, 42,45 ha (Josef Sellner, 42,37 ha).
Nr. 15 „Sägfeiler" Franz Hable, 5,28 ha (Jakob Hable, 1,97 ha).
Nr. 16 „Schmiede" Johann Ruschka, 2,58 ha (Johann Ruschka, 2,58 ha).
Nr. 17 „Zimmermann" Mathias Gleixner, 3,90 ha (Josef Gleixner, 2,58 ha).
Nr. 18 „Einräumer" Gemeindehaus.
Nr. 19 gehört zu Hs.-
Nr. 10.
Nr. 20 „Schuster" Franz Sellner, 6,10 ha (Mathias Wurschi, 1,52 ha).
Nr. 21 „Kölbl" Johann Hable, 26,80 ha (Johann Hable, 26,60 ha).
Nr. 22 „Lukschanderl" Josef Bouchner, 12,68 ha (Johann Bouchner, 12,66 ha).
Nr. 23 Gemeinde-Brechlhaus.
Nr. 24 „Neu-Richter" Philipp Modi, 32,92 ha. Roschitz war eine selbständige Gemeinde und hatte 1939 neun deutsche Gemeinderäte. Früher war Roschitz nach Ranzern, seit 1900 nach Neustift eingeschult. 1941 war die Schule im Ort. Die Pfarre war in Ranzem, die Post in Pirnitz, die nächste Bahnstation war in Iglau und in Stannern die Gendarmerie.
