Wo die Talflucht, die sich vom Lederergrunde westwärts zieht, in einem Seitenarme beim Ansteigen der Hügelgehänge beginnt, liegt Pistau. Es ist ein altes Dorf, das zuerst in einer Urkunde des Jahres 1234 genannt wird. Dort wird es „pestow" geschrieben. Auf diese Form scheint auch die Volksmundbezeichnung „Peistau" hinzudeuten. Im 14. Jahrhundert wurde „Pistaw" und „Pystaw" geschrieben. Bei der Aussprache ist nicht zu übersehen, dass damals und bis ins 16. Jahrhundert der U-Laut mit dem Buchstaben „w" bezeichnet wurde. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts kommen auch die Namensformen Pistau, Pestau und Bistau vor.
Alte Pistauer Flurnamen sind: das Tal Offenprünn (vallis Offenprünn super Pistaw [Deutsch: das Tal Offenbrunn oberhalb von Pistau] 1490, Offenbrunn 1478), Offengrüntl (vallis Offengrüntl circa Pistaw [Deutsch: das Tal Offengrüntl bei Pistau] 1500, Offengrüntl 1499, 1502), Hierwisen 1510, Küernlwisen 1510, HiÜ- grunt 1512, Scheibenkorpteichl 1474, Thamwisn (in valle, ubi itur ad Pistaw 1495).
Aus der oben erwähnten Urkunde aus dem Jahr 1234 ist zu entnehmen, dass Pistau mit Iglau und anderem Besitze vom Markgrafen Przemysl Ottokar im Tauschwege an das Kloster Tischnowitz (nordwestlich von Brunn) gekommen ist. Im Jahr 1240 nahm aber König Wenzl I. diese Besitzungen wieder zurück. Im 14. Jahrhundert wird Pistau im ältesten Iglauer Stadtbuch und in einem Schöffenspruch erwähnt. Die Überlieferung erzählt, dass die Siedlung dem Bergbau ihr Entstehen verdanke. Jedenfalls ist der Pistauer Grund ein altes Bergbaugebiet. Bei der Wiederbelebung der Bergwerke im 16. Jahrhundert ist auch hier neu geschürft worden.
Nach einer Mutung aus dem Jahr 1541 hatte Mathes Balbierer „ein new erschurbten ganz auf Pistauer gemain oberhalb des dorffs irer viechtreib nach". Auch in den Jahren 1562, 1563 und 1565 wurde der Bergbau hinter Pistau erwähnt. Noch heute kann das geübte Auge Pingenhalden feststellen. In den Achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts suchte man auch den Graphit, der hinter dem Dorf einer Gneiszone auftritt, die gegen den Pulverturm des Iglauer Exerzierplatzes streicht, zu verwerten, ohne aber größeren Gewinn zu erzielen. Neuere, kleinere Versuche im Jahr 1921 wurden bald wieder eingestellt.
Pistau gehörte zu den ältesten Iglauer Stadtgründen. Die ältesten Losungsregister der Stadt (1425—1427) nennen in Pistau: 1. Johannes hölczl, 2. Oswaldus, 3. Mertl Lukawer, 4. Franz (frenczlinus) holcz, 5. Nicusch Thobeschuwer, 6. Hensl graupner, 7. Marcus Carnifex (Fleischer), 8. Frenczl holcz, 9. Cunczonisse. Davon lassen sich die Besitzemamen „Hölzl, Oswald, Lukauer, Holz und Thobeschauer" bis 1442 verfolgen, „Graupner" bis 1438, wo er von „Michael Seczer" abgelöst wird, und „Carnifex" (Fleischer) bis 1431. Später folgt ihm ein Enderl Muer (Mir). Die leider nicht vollständig erhaltenen Register weisen im 16. Jahrhundert folgende Besitzernamen auf: 1. Lukas, 2. Steidl und Proksch, 3. Gleixner (Gleichßner, Gleichsner), 4. Steffi (ein Girg Stefan von Pistau hatte in der Iglauer Frauenvorstadt ein Haus, er wurde 1610 wegen Ermordung seiner Frau in Iglau enthauptet), 5. Pilgramer und Lutschitzer, 6. Lamperder, 7. Schuler, Schiller (seit 1483), 8. Siegl (vor ihm 1483 bis 1585 Steffi), 9. Heckerl (vorher Simon Steidl), 10. Niebier (1483—1616 in den Losungsregistern feststellbar). 1630 waren in Pistau acht „untertänige" Besitzer. 1501 vermachte Thoma de pistaw seinen Hof zu Pistau seinem ältesten Sohn Hans.
Im Dreißigjährigen Kriege hatte auch Pistau, besonders wegen der Nähe Iglaus, zu leiden. Es wurde in der Nacht des 29. Mai 1647 von den Schweden in Brand gesteckt, um den Kaiserlichen den Stützpunkt zu nehmen. Auch soll in dieser Zeit ein Pistauer Bauer von schwedischen Soldaten auf einer Wiese bei der Hochdorfer Straße beim Heuaufladen von der Fuhre heruntergeschossen worden sein, weil er sie angeblich verspottet habe. Es scheint jedoch glaubwürdiger, dass er einer Vorspannaufforderung nicht gleich Folge geleistet habe. Ein alter Stein wird damit in Verbindung gesetzt
Im Jahr 1668 wurden 7 Pistauer Grundbesitzer aufgezählt: Georg Gleixner, Wentz Eckert, Marcuß Proxsch, Barthel Böhm, Mathes Lang, Thoma Biezahl, Siemon Langk.
Mit der Pistauer Besitzergeschichte hat sich Franz Schwarz eingehend und erfolgreich beschäftigt und in anerkennenswerter Weise die wichtigsten Tatsachen zusammengetragen.
Im Jahr 1700 sind in Pistau folgende Grundbesitzer verzeichnet: (Die Häuser wurden bekanntlich erst später numeriert, in Pistau ungefähr 1775, die angeführten Hausnummern dienen zur Orientierung und zum Vergleich mit heute.)
Nr. 3 Tobias Lang (zuvor Niebier),
Nr. 4 Veit Lang (zuvor seit 1630 Pitzal und Heckerl),
Nr. 5 Tomas Lang „Der Elter" (zuvor Siegl),
Nr. 6 Bartl Schiwei oder Low (zuvor Schüller),
Nr. 7 Wenz Pitzal (zuvor Lutschitzer, 1720 folgt ihm Lang, später Tuschka, 1758 wieder Lang),
Nr. 8 Hannes Wondra (zuvor Wadhofer, 1616 Gettersdorfer und 1596 Steffi). Dieser Besitz ist nicht identisch mit dem im Jahre 1778 verzeichneten Hause
Nr. 8, sondern hier war früher ein Dreiviertel-Lahn.
Nr. 10 Georg Gleixner,
Nr. 11 Augustin Schwarz (zuvor im Besitze der Iglauer Bürgeradelsfamilie Neumeier, die auch südöstlich von Pistau Besitz hatte: „Neumahrische Felder").
Neben diesen Bauernwirtschaften bestand aber noch ein Hof in Pistau, genannt „Sitzenhof". Er war zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Besitz der Familie Lukas. Sie wird 1490 genannt. Der Lukaswald ist bis heute nach dieser Familie benannt.
Im Jahr 1510 werden ein Fischteich zwischen „Kernteich" und „Strasteich" sowie die Wiesen „Hierwisen" und „Küemlwisen" bei der Zeche (apud czecham) erwähnt.
Der Hof des Lukas lag zwischen den Gehöften des Sigl und Nybler (curia inter curias Siglini et nybler [Deutsch: der Hof zwischen den Höfen des Sigl und des Nybler]). 1510 übergab ihn Lukas von Pistau an seinen Sohn Henslinus. Später ging er an einen Johann Skalko über, welcher nach seinem Besitze das Adelsprädikat „von und zu Sitzenhof" führte. (Im Jahr 1630 hatte er einen Teichzins von 7 Groschen zu entrichten.) Skalkos Tochter Elisabeth heiratete Lukas Adalbert Riesenfelder von Riesenfeld. Er hatte in Iglau hohe Ämter bekleidet und war 1634 in den Adelsstand erhoben worden. Seine sieben Geschwister waren an der Pest gestorben; er war als Einziger übrig geblieben. Elisabeth brachte den „Sitzenhof" in die Ehe mit.
Der neue Besitzer wurde vom Iglauer Magistrat am 24. August 1650 von allen Abgaben befreit, auch wurde ihm und seinen Erben in Anerkennung der Verdienste für die Stadt Iglau ein Wald und eine Huttung, an der Hochdorfer Straße und am Auerteich gelegen, geschenkt. Beides bestätigte Ferdinand III. am 16. April 1652. Am 3. November 1665 ist er als königlicher Richter von Iglau gestorben und seine Erben haben den „Sitzenhof" 1684 an die Stadtgemeinde Iglau verkauft. Die Stadtgemeinde blieb bis zur Auflassung der städtischen Meierhöfe unter Maria Theresia 1778 Besitzerin des Pistauer Hofes.
Im Jahr 1750 hatte er 379 Metzen (ein altes Getreidemaß, das auch zur Angabe von Ackerflächen diente) Feld, 40 Metzen Hutweide und von den Wiesen 18 Fuhren (Mengen, die jeweils mit einem Fuhrwerk transportiert wurden) Heu und 4 Fuhren Grumet.
Im Jahr 1778 übernahmen von den Meierschaftsgründen in Erbpacht:
Nr. 1 Johann Reiter 74 M.
Nr. 1 a (heute
Nr. 15) Josef Pistauer 88 M 4 mß.
Nr. 1 b (heute
Nr. 16) Johann Miksche 72 M 7*/4 mß.
Nr. 2 Mathes Faber 97 M l 3 / 4 mß.
Nr. 2 a (jetzt
Nr. 17) Paul Miksche 84 M 13V2 mß.
Nr. 2 b (heute
Nr. 18) Mathes Kerpes 90 M 73/4 mß.
Nr. 2 c (heute
Nr. 19) Mathes Lang 77 M 1 mß. Die Ansiedler-Gemeinde überkam 71 M 6 mß, Johann Barger aus Iglau 31 M 12V4 mß und Johann Georg Lang aus Pistau (
Nr. 7) übernahm 4 M 7 mß. Das machte zusammen 692 M 6V2 mß aus.
Es besaßen an eigenen Grundstücken: Haus
Nr. 3 Mathes Lang 209 M 2 mß.
Nr. 4 Tobias Lang 174 M 13 3 / 4 mß.
Nr. 5 Johann Schüller 209 M 14 mß.
Nr. 6 Josef Miksche 216 M 14 mß.
Nr. 7 Josef Schneider.
Nr. 9 Franz Lang.
Nr. 10 Maria Gleixnerin 268 M 73/4 mß.
Nr. 11 Andreas Schwarz 168 M 14 mß.
Nr. 12 Philipp Körber.
Nr. 13 Hirthaus.
Nr. 14 Johann Paul Lang und die Rustikalgemeinde 107 M 4V2 mß. Summe 1487 M HV2 mß.
Die Obrigkeit (staatliche oder grundherrliche Verwaltung und Gerichtsbarkeit) hat sich vorbehalten: Im gewesenen Meierhof (ein größerer landwirtschaftlicher Betrieb des Grundherrn) den Garten, ein Stück Lukaswald, den Auer-, Straßen-, Lukas-, Röhren-, Stein- und Kernteich und das Teichl Wadhof er, zusammen 138 M 1 mß. Daher betrug das Gesamtausmaß 2318 M 6 mß.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts (1750) waren von den Pistauer Bauern vier zu einer vierspännigen Zugrobot mit Ochsen jede Woche dreimal, drei zu einer dreispännigen ebenfalls wöchentlich dreimal verpflichtet. Nach einer Liste aus dem Jahr 1754 hatten damals Jakob Schneider, Franz Lang und Thoma Wondre je 2 fl. (Gulden, auch Florin genannt, eine historische Geldeinheit) 30 kr. (Kreuzer, eine kleinere historische Geldeinheit) Robotgeld gezahlt. Als Hans Kudlichs Antrag 1848 den Bauern die Befreiung von Robot (unbezahlte Pflichtarbeit für den Grundherrn) und Zinsungen brachte, betrug das Robotablösungskapital von Pistau 1301 fl. 28 kr., die Ablösung anderer Abgaben 211 fl. 40 kr.
Für die Erbzinsen der aufgeteilten Grundstücke des Meierhofs betrug die Ablösesumme 470 fl. 54 kr.
Das Gemeindekataster weist 1945 folgende Besitzverhältnisse aus:
Nr. 1 „Reiter" Josef Reiter, 17,00 ha (Josef Reiter, 12,90 ha).
Nr. 2 „Schaffer" (Johann Stocklas, 22,00 ha).
Nr. 3 „Boatsimmer" Laurenz Zeizinger, 14,00 ha (Laurenz Zeizinger, 17,20 ha).
Nr. 4 „Pitzal" Josef Lang, 36,00 ha (Josef Lang, 41,80 ha).
Nr. 5 „Pauser" Josef Pauser, 23,00 ha (Franz Pauser, 12,00 ha).
Nr. 6 „Böhm" Franz Pauser, 52,00 ha (Franz Pauser, 52,00 ha).
Nr. 7 „Morkas" u.
Nr. 9 „Schneider Johann Lang, 50,00 ha (Johann und Franz Lang, 44,70 ha).
Nr. 8 „Wadhofer" Josef Klement, 6,00 ha (Josef Klement, 6,00 ha).
Nr. 10 „Gleixner" Franz Schwarz, 65,87 ha (Franz Schwarz, 52,70 ha), der Hausname „Gleixner" läßt sich ununterbrochen bis 1568 zurück verfolgen.
Nr. 11 „Naimara" Josef Faber, 23,99 ha (Josef Faber, 18, 80 ha).
Nr. 12 „Schmied" Josef Klement (Andreas Stummer, 5,30 ha).
Nr. 13 war das alte Rustikalhirthaus.
Nr. 14 „Wagner" Johann Wejwoda, 3,00 ha (Johann Wejwoda, 2,90 ha).
Nr. 15 „Kop" Johann Holy, 23,10 ha (Johann Holy, 17,00 ha).
Nr. 16 „Miksche" Johann Suchy (Johann Suchy, 14,30 ha).
Nr. 17 „Paule" Franz Miksche, 20,00 ha (Franz Miksche, 16,80 ha).
Nr. 18 „Käser" Anton Krejtschy, 8,18 ha (Anton Krejtschy, 5,40 ha).
Nr. 19 „Klasimer" Laurenz Pollak, 17,00 ha (Laurenz Pollak, 13,10 ha).
Nr. 20 „Wirtshaus" Franz Lang, 4,60 ha.
Nr. 21 „Schuster" Paul Schmidt, 5,20 ha (Johann Faber, 5,20 ha).
Nr. 22 „Neubauer" Johann Franz, 16,00 ha (Johann Franz, 16,00 ha).
Nr. 23 „Neufingerl" Franz Neufingerl, 10,00 ha (Franz Neufingerl, 8,90 ha).
Nr. 24 „Neuwirth" Andreas Stummer, 16,38 ha (Jakob Wurschy, 22,06 ha).
Nr. 25 „Wasserwerk" Stadt Iglau, 2,30 ha.
Nr. 26 Gemeindehaus. — Gemeindebesitz 44,00 ha. Die Gemarkungsfläche umfaßt 575 ha. Pistau als selbständige Gemeinde hatte 1939 acht deutsche Gemeinderäte und einen tschechischen Gemeinderat. Schule, Pfarre, Post, Bahnstation und die zuständige Gendarmerie waren in Iglau.
