Die Iglauer SprachinselGeschichte bewahren · Zusammenhänge verstehen
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Gedenken

Dr. Anton Altrichter

Dr. Anton Altrichter

DR. ANTON ALTRICHTER

Seine Ahnen waren Dorfrichter in Smilau, dem freundlichen Dörflein in der Teichmulde zwischen Hochtann und Hochberg, im nördlichen Teil der Iglauer Sprachinsel. Urkundlich erwiesen war der Smilauer Richterhof seit der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bis 1945 im Familienbesitz der Familie Altrichter. Anton Altrichter wurde am 4. Februar 1882 im Richterhaus in Smilau geboren. Nach Besuch der Volksschule in Schlappenz und des Gymnasiums in Iglau nahm er 1902 das Studium an der deutschen Karl -Ferdinand Universität in Prag auf, ging 1903 an die Universität in Wien und promovierte dort am 6. Juli 1906 zum Dr. phil. Seine Lehrtätigkeit begann er am Staatsgymnasium in Czernowitz, dem Hauptort des Buchenlandes mit Beginn des Schuljahres 1907/08. Das Schuljahr 1908/09 verbrachte er an der Landesoberrealschule in Brünn. Vom September 1909 an unterrichtete er, mit Unterbrechung wegen Kriegseinsatz, bis 1928 am Staatsgymnasium in Iglau.

Als einer der ersten erkannte Altrichter die Gefahren, die dem Deutschtum der Iglauer Sprachinsel durch den aggressiven Nationalismus der Tschechen drohte, und stellte sich in den Dienst der deutschen Schutzarbeit. Er wurde Bezirksobmann des Bundes der Deutschen in Nordmähren, der zur damaligen Zeit die wirtschaftlichen Grundlagen des Sprachinseldeutschtums sichern half, vereinigte die gesamte Schutzarbeit im Gau Iglau des Bundes der Deutschen in Mähren, gründete den "Sprachinselfonds", der in Notlagen die Mittel bereitstellte, deutschen Besitz zu erhalten. Seine Forschungen auf dem Gebiet der heimischen Geschichte, seine Vortragstätigkeit, Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften gaben dem Sprachinseldeutschtum das geistige Rüstzeug für seinen Daseinskampf.

1913 wurde Dr. Altrichter in den Iglauer Stadtrat gewählt.
Aus dieser Tätigkeit riß ihn der erste Weltkrieg. 1915 rückte Altrichter zum Infanterie Regiment Nr.81 in Iglau ein. 1916/17 leistete er seinen Einsatz als Nahkampfofflzier einer Minenwerferabteilung an der russischen Front in Galizien. Nach einer Verwundung kam er zu erneutem Einsatz an der Dolomitenfront. Mit der Silbernen Tapferkeitsmedaille 1. und 2. Klasse, dem Signum laudis mit Schwertern, dem Militärverdienstkreuz 3, Klasse mit Schwertern, der preußischen Kriegsverdienstmedaille und dem Karl-Truppenkreuz ausgezeichnet, erlebt er Kriegsende und Zusammenbruch der Donaumonarchie in Iglau.
Am Staatsreformrealgymnasium, der einzigen den Deutschen in Iglau verbliebenen höheren Lehranstalt, nimmt Altrichter seine Lehrtätigkeit wieder auf. Er wird Obmann des Volksbildungsvereins, Vorsitzender im Stadtbildungsausschuß, Mitglied des Bezirksschulrats. Er widmet sich der Arbeit im neugegründeten Deutschen Kulturverband, gründet die ,"Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde", redigiert deren Mitteilungsblatt "Iglauer Sprachinsel", weiches als Beilage zum ,,Mahrischen Grenzboten" erscheint. Viele Impulse gehen damals von Iglau aus, von Männern wie Kuhnert, Göth, Lösel, ganz besonders aber von Altrichter in die damals allenthalben im Sudetendeutschtum erwachende, durch die Jugendbewegung ausgelöste, volksbildnerische Ereuerungsbewegung. Mit der 1920 erstmalig erschienenen Sammlung von Sagen aus dem Igelland und dem 1921 zum ersten Mal erschienenen Iglauer Heimatbuch findet Altrichter hohe Anerkennung in der Fachwelt 1924 erscheint die erste Auflage des Dörferbuches der Iglauer Sprachinsel.

Von den staatlichen Organen wurde Altrichters Tätigkeit damals mit Argusaugen beobachtet. 1925 wurde die "1.Arbeitsgemeinschaft für Heimatkunde"als ,"staatsgefährdend"aufgelöst, das Erscheinen der Beilage "Iglauer Sprachinsel" behördlich eingestellt. Unter dem geänderten Namen "Igeland" erschien sie 1926 unter Altrichters Federführung wieder und erscheint bis heute als Beilage zum ,"Mähischen Grenzboten". Altrichter wurde im Jahre 1928 als Direktor an das Staatsgymnasium in Nikolsburg versetzt. Im August 1933 geht AItrichter als Direktor an das Massaryk-Gymnasium nach Brünn. 1936 wird er Mitglied des mährischen Landesschulrats, 1937 Dozent für Geschichte an der Technischen Hochschule Brünn und Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Wissenschaft und Kunst in Brünn. Seit 1927 ist er Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften und Künste in Prag.

Nach der Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren wird Altrichter Landesschulinspektor für die deutschen Oberschulen in Mähren, schließlich Leiter der Hauptabteilung Erziehung und Unterricht beim Landespräsidium für Mähren in Brünn, im Rang eines Ministerialrates.Im April 1945 stehen die Russen wenige Kilometer vor Brünn. Die mähr. Landesregierung wird nach Iglau verlegt. Altrichter verläßt am 18.4.1945 Brünn, versieht bis zur Kapitulation seinen Dienst in Iglau, zieht nach der Kapitulation mit seiner Familie in sein Vaterhaus nach Smilau
Am 17. Juli 1945, übernimmt ein tschechischer Verwalter (Narodni spravce) das Smilauer Richterhaus. Die Familie Altrichter wird in das Konzentrationslager Pattersdorf verbracht, einige Tage später, am 28.7.1945, zur Zwangsarbeit auf den Gutshof Komarov, zwischen Deutschbrod und Tschaslau gelegen, eingewiesen. Dort verbleibt die Familie unter entwürdigenden Lebensbedingungen bis Ende August 1946. Der Schwiegersohn stirbt an einer schweren Erkrankung.

Die übrige Familie wird am 1. September 1946 vom Lager Stecken aus per Bahntransport ins Auffanglager Magdeburg ausgesiedelt. In Meitzendorf, in der Magdeburger Börde, findet die Familie eine sehr bescheidene Wohnung und ein ebenso bescheidenes Auskommen bei karger Rente. Trotzdem nimmt Altrichter seine schriftstellerische und wissenschaftliche Tätigkeit wieder auf. Es entsteht eine erhebliche Anzahl neuer Arbeiten . Nicht nur die politische Lage, auch sein Gesundheitszustand schränken seine Bewegungsmöglichkeiten sehr ein, aber eine ausgedehnte Korrespondenz verbindet ihn mit der Welt als Beispiel sei sein Briefwechsel mit dem großen österreichischen Historiker Heinrich von Srbik erwähnt, der wenige Wochen vor seinem Ableben an Altrichter schrieb:
Mit der allergrößten Hochachtung vor Ihrer geistigen und ethischen Persönlichkeit verbindet sich in mir immer die Dankbarkeit für Ihre freundliche, mir gegenüber bewährte Gesinnung.

Einer Verbesserung seiner Wohnverhältnisse (1953) konnte sich Dr. Anton Altrichter nicht mehr lange erfreuen. Er starb am 30. Mai 1954 fern vom seinem geliebten Heimatland, in Meitzendorf.

 

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