Rauneck besteht aus zwei Ortsteilen, aus dem Dorf Alt-Rauneck, in dem 27 Häuser stehen, und aus dem Weiler Neu-Rauneck, der von fünf Häusern gebildet wird. Das erstere ist ein altes Dorf, während Neu-Rauneck aus einem Meierhof hervorgegangen ist.
Bevor der Höhenzug vom Antoniberg steil zum Höllental, dem sagenumwobenen Igeltal, mit den zerklüfteten Felsenhängen abbricht, liegt an der Höhe Alt Rauneck. Von seiner Lage rührt auch sein Name her. Rauhenekh schreibt ihn im Jahr 1561 eine Iglauer Chronik. „Eck" bezeichnet in vielen Ortsnamen einen hohen, felsigen Winkel und „rauh" die unwirtliche, rauhe Lage oder auch soviel als mit dichtem Buschwerk bewachsen, Das alles trifft auf unser Dorf zu. Rauneck ist also die Siedlung am rauhen Eck. Die alte
Schreibung des Namens war Rauhenekh, diese schliff sich ab zu „rauchnek" (1512), „Rauch Eck" (1604), „Rauhneckh" (1630), „Raueneck" und schließlich zur heutigen Form „Rauneck", wie sie seit dem 18. Jahrhundert gebräuchlich ist.
Eine von A. Siegl aufgezeichnete Sage lässt den Ort in wilder Kriegszeit entstehen, in der die Leute in den Wald flohen und dann hier wohnen blieben.
Früher gehörte Rauneck zum Besitz des Klosters Seelau, das für die Geschichte des ganzen Gebietes nordwestlich von Iglau bedeutsam war. Aus einer Urkunde aus dem Jahr 1359 (22. April) erfährt man, dass es dem Richter von Deutsch-Gießhübel unterstand. Zu dieser Gemeinde gehört es noch heute. 1437 und 1458 wird es „Ravnek", 1493 „Rawneck" geschrieben. (Das „u" wurde damals mit dem Buchstaben „v" oder „w" geschrieben.) Von Seelau kam Rauneck nach den Hussitenkriegen gleich den anderen Kirchengütern an das Geschlecht der Trczka, das sich zu Seelau ein neues Schloss erbaute und auch Lipnitz besaß.
Im Jahr 1561 wollte das Handwerk der Tuchmacher von Iglau „in des Blaschkos Wiese zu Rauhenekh" eine Wehr zur „Beförderung ihres Handwerkes" schlagen. Der Grundherr Jaroslaus Trczka bewilligte es gegen Zahlung von 120 Dukaten und die Tuchmacher leiteten das Wasser auf ihre Walke.
Der adelige Herr Trczka war mit seinen ausgedehnten Ländereien Nachbar des Iglauer Stadtbesitzes und er war ein recht unruhiger Nachbar, so dass es wiederholt zu Streitigkeiten zwischen ihm und dem Iglauer Rat kam. Zweimal wurden solche Streitigkeiten vor dem Kaiser Maximilian II. gebracht, der sie durch Kommissarien entscheiden ließ. Im Jahr 1596 gelang es der Stadt Iglau, den großen Besitz von Stecken über Petrowitz, Simmersdorf, Gießhübel bis Höfen von den Trczkas zu kaufen. Nach der Kaufurkunde vom Sonntag vor St. Johann dem Täufer 1596 kam damit auch Rauneck und der Schippenhof zu Iglau.
Die Raunecker hatten von nun an ihre Abgaben an die Stadt Iglau abzuliefern. Die Zinsbücher aus den Jahren 1604 und 1606 verzeichnen, dass es zu Georgi 3 Schock 9 Groschen und zu Galli 3 Schock 17 Groschen gewesen sind und das übliche Weihnachtsgeld. Im Jahr 1606 hatte Rauneck 7 Zuber Hafer abzuführen und erhielt für einen Zuber 8 Groschen. Die Abfuhr von Zinskorn betrug 2 Schock 30 Groschen und an Zapfengeld 1 Schock. 1625 betrug der Georgi- und Gallizins zusammen 6 Schock 21 Groschen und das Weihnachtsgeld 3 Schock 59 Groschen. Im Dreißigjährigen Krieg (1630) werden von den 9 Untertanen bloß 5 vermerkt, woraus man wohl schließen darf, dass das Dorf unter den Kriegsgeschehnissen zu leiden hatte.
1512 wird ein „Gredl de rauchneck" genannt. 1554 werden im Trczkaschen Urbarextrakte aufgezählt: 1. Ffoltan, 2. Beness, 3. Hanuß Pohane, 4. Bruzl, 5. Gottl ffisser, 6. Bruzl Weytmiller, 7. Broz Anderle. 1629 werden fünf Raunecker angeführt: 1. Wenisch, 2. Kißling, 3. Schrämmel, 4. Stessan Platt und 5. Mathias Lämmell. Im Jahr 1654 werden neun genannt: 1. Joh. Ssromel, 2. Georg Frieauff, 3. Stefan Bladt, 4. G. Reichenstan, 5. Mat. Hofmann, 6. Wenzl Kugale, 7. Georg Pilfaxe, 8. Wenzl Kregale, 9. Maryana Wilinckyn. Im Jahr 1675 werden die Stätten 6, 8, 9 wüst bezeichnet. Auf
Nr. 1 war damals Wenzl Ssraml, auf
Nr. 2 Veit Friauff, auf
Nr. 3 Laur. BetzwaL auf
Nr. 4 Josef Reichenstan.
Auf Nr. 7 lebte Thomas Rosenkranz. Andere Raunecker Namen waren 1615: Veit Bräßl, Marcus Hinich. Reichenstan wird 1662 „Ranstan" geschrieben. 1630 wird auch „Fischers" Grund erwähnt. In einer „Repartition über das Militare Ordinarium" vom Jahr 1766 werden angeführt: 1. Augustin Schramel, 2. Aug. Schwartz, 3. Paul Frantz, 4. Leopold Wessely, 5. Lorentz Frantz, 6. Josef Raitter, J. Mathes Aygel, 8. Lorentz Frantz und 9. Martin Pitzal. Außerdem in der „Individual-Subrepartition" zwei Schneider (Dominik Wessely und Martin Gilk) und der Maurer Lorenz Raitter.
In dem Jahre 1778 verzeichnet das Grundbuch in Alt-Rauneck folgende Hausnummern:
Nr. 2 Hirtenhaus.
Nr. 3 Georg Schraml mit „eygenthümlichen Grundstücken" von 108 M 1k mß.
Nr. 4 Augustin Schwarz 127 M ll 2 /4 mß.
Nr. 5 Martin Franz 131 M 1 mß.
Nr. 6 Johann Schraml 122 M 5V4 mß.
Nr. 7 Jacob Früauf 22 M 14 mß.
Nr. 8 Joh. Paul Franz 129 M 6 mß.
Nr. 9 Franz Eygl 133 M 143/4 mß.
Nr. 10 Leopold Weßely 129 M 72/4 mß.
Nr. 11 Johann Pitzal 20 M 1 mß. Gemeinde 18 M 132/4 mß. Zusammen 943 M 11 mß.
Neu-Rauneck erstand aus dem Schippenhof 1604 „Schiepenhoff", 1606 „Schippenhof", 1625 „Schüppenhof", 1630 „Schiepenhof", im 18. Jahrhundert „schüppenhof" und auch „Schüttenhof". Eine Volkssage will den Namen von den Schuppen des Drachen erklären, der im Höllental gehaust habe und dessen Bezwinger Schuppen des erlegten Untiers an das Tor seines Hofes genagelt haben soll. Man wird auch den Namen „Ssipnowsky", wie er 1596 erscheint, in Betracht zu ziehen haben.
Auch der Schippenhof ist im Jahr 1596 aus den Händen der Trczka in den Besitz der Stadt Iglau gekommen. Er zinste zu Beginn des 16. Jahrhunderts an seine Eigentümerin jährlich 2 Schock 15 Groschen und hatte 3 Zuber Hafer (gegen Bezahlung von je 8 Groschen) und einen Wasserzins abzuführen. In der Zeit der Auflassung der städtischen Meierhöfe, es war im Jahr 1778, kamen die Gründe des Schippenhofes an
Nr. 1 Johann Achatzy 70 M 12 mß,
Nr. 1A Mathias Aügl 69 M 82A mß,
Nr. 1B Johann Höfer 64 M 12V4 mß,
Nr. 1C Joseph Schwarz 68 M 72/4 mß.
Augustin Siegl von Gießhübel erhielt bei der Fußdorfer Brücke eine Wiese von 12 mß. Es wurden demnach insgesamt 274 M 4V4 mß vergeben. Die Stadt hat sich die Wälder (Schefer Leitenwald, Im untern Loch, Fusholzwald) und den Teich „im untem Loch" vorbehalten. Die Sage weiß vom Eingehen des Schippenhofes eine romantische Geschichte von feindlichen Brüdern zu erzählen, die einander totgeschossen haben.
1781 waren die Neuraunecker Anwesen in dem Besitz von Johann Holly (
Nr. 1), Jacob Teltscher (
Nr. 13), Johann Höfer (
Nr. 14), Lorenz Schindler (
Nr. 15). Im Jahre 1848 waren die Besitzer Franz Josef (
Nr. 1), Johann Teltscher (
Nr. 13), Jakob Höfer (
Nr. 14), Franz Mathias (
Nr. 15).
Die Eigentumsverhältnisse von 1945 (Stand 1924 in Klammern) waren folgende:
Nr. 1 „Schoffer" (Schippenhof) Josef Schneller, 17,51 ha (Johann Schneller, 17,51 ha).
Nr. 2 „Hirtenhäusl" Gemeindehaus.
Nr. 3 „Greger" Johann Schrammel, 32,00 ha (Mathias Schrammel, 33,71 ha).
Nr. 4 „Frühaf" Johann Kreuz, 22,00 ha (Franz Kreuz, 20,87 ha).
Nr. 5 „Hons" Johann Pollak, 30,00 ha (Franz Pollak, 31,86 ha).
Nr. 6 „Schräme!" Anton Schindler, 26,76 ha
(Franz Friedl, 24,53 ha).
Nr. 7 „Häusler" (Jan Vacek, 3,14 ha, Tscheche).
Nr. 8 „Neubauer" Franz Franz, 30,00 ha (Franz Franz, 38,21 ha).
Nr. 9 „Hury" (Maria Roubal, 2,91 ha, Tscheche).
Nr. 10 „Schneider" (Josef Krejci, 21,72 ha, Tscheche).
Nr. 11 „Fanta" Mathias Fanta, 15,12 ha (Laurenz Fanta, 13,42 ha).
Nr. 12 „Schiller" Katharina Schwarz, 3,93 ha (Katharina Schwarz, 3,93 ha).
Nr. 13 „Teltscher" (Schippenhof) Franz Withelm, 17,58 ha (Anna Hruschka, 17,58 ha).
Nr. 14 „Schulmeister" (Schippenhof) (Josef Sankot, 18,15 ha, Tscheche).
Nr. 15 „Zackl" (Schippenhof) Josef Schneller, 6,90 ha (Franz Schneller, 6,90 ha).
Nr. 16 „Neubauer-Häusler" Josef Franz, 5,60 ha (Franz Franz, 5,60 ha).
Nr. 17 „Hegerhaus" Stadt Iglau.
Nr. 18 „Honsn-Häusl" Johann Kremser, 9,30 ha (Johann Kremser, 9,18 ha).
Nr. 19 „Schraml-Häusl" Franz Müller, 0,62 ha (Susanna Höfer, 0,62 ha).
Nr. 20 „Pauli-Schuster" besteht nicht mehr.
Nr. 21 „Bruckhäusl" Elisabeth Siegl, 2,00 ha (August Siegl, 5,38 ha, Haus bei der Fußdorfer Brücke).
Nr. 22 „Hury-Wagner" Elisabeth Schindler, 5,93 ha (Laurenz Schindler, 5,93 ha).
Nr. 23 (Josef Kopecek, 4,23 ha, Tscheche).
Nr. 24 (Vojtech Knize, 5,89 ha, Tscheche).
Nr. 25 „Binder" Johann Ille, 2,97 ha (Frantisek Vatzek, 2,97 ha).
Nr. 26 „Gregern-Häusl" gehört zu Hs.-
Nr. 3.
Nr. 27 (Vaclav Roubal, 3,70 ha, Tscheche).
Nr. 28 „Schüler" gehört zu Hs.-
Nr. 12.
Nr. 29 „Patry-Mühl" Jan Peschek, Tscheche (Josef Chadim, 14,08 ha).
Nr. 30 „Schneid er kästen" Johann Reichtomann, 0,37 ha (Johann Reichtomann, 0,37 ha). Einst Schüttkasten von Neu-Rauneck.
Nr. 31 Bahnwächterhaus (6,47 ha).
Nr. 32 „Stübla-Häusl" (Schippenhof) Anton Franz, 0,94 ha (Laurenz Franz, 0,94 ha).
Nr. 33 „Kreuz" Johann Kreuz (Johann Kreuz).
Nr. 34 „Schuster" Hans Watzek (Heinrich Watzek).
Nr. 35 „Friedl" Mathias Friedl, 0,60 ha.
Nr. 36 „Villa" Ing. Konrad Weigner.
Nr. 37 „Hurka" Johann Franz, 1,50 ha.
Nr. 38 August Köttner. — Im Gemeindeeigentum sind 24,00 ha. — Die Gemarkungsfläche umfaßt 585 ha.
Rauneck ist ein Ortsteil der pol. Gemeinde Deutsch-Gießhübel. Alle öffentlichen Einrichtungen waren in Deutsch-Gießhübel.
