Das alte Runddorf Lutschen wird im 14. Jahrhundert in der mähr. Landtafel „Lucka, Luczca" genannt, im 15. Jahrhundert und in deutschen Urkunden heißt es „Lutschen, Lutschn, Lutzen, Luczen, zun Lutzen", im 16. Jahrhundert wurde es auch „Lautschka, Lautczka" geschrieben.
Naheliegend ist die Namenserklärung von luza, Sumpf. Die Lage ist allerdings nicht sumpfig. Es kann auch an den alten Personennamen Lutz, Lutsch gedacht werden.
Da einst bei Lang-Pirnitz auch ein Ort Lauczka war, ist es schwer, die ältesten Nachrichten nach den beiden Orten zu scheiden.
Im Jahr 1349 ist ein Heinrich von Pimitz bezeugt, der seiner Gattin Margareta die Dörfer Pirnitz und Luczka abtritt. Im Jahr 1350 wurde diese Margaretha von Klein-Pirnitz genannt. 1358 überließ Lanczlinus de Birnycz seinen Besitz in „Luczka" an seinen Bruder Johann Schossel. In demselben Jahre wird ein Philipp de Luczek genannt. 1360 verpfändete Lenczlinus de Birtnycz seiner Gattin Agnes „Luczky" auf 70 Schock. 1365 verschrieb Jessco Schossl de Birthnicz nebst anderem Besitze in Pirnitz auch zwei Lahne und
Heinrich von Luczka erscheint im gleichen Jahre mit Besitzrechten im gleichgenannten Orte. Er schrieb 1366 neun Mark Zins in Luczka seiner Gattin Margareta zu und verkaufte achteinhalb Lahne in Luczka an Ulrich von Paczow. Dieser ließ den Zins seiner Gemahlin Anna zuschreiben. Die Besitzrechte Margaretens wurden 1374 gelöscht, Die genannte war die Schwester des Besitzers von Vranyn (Franing). Die Kinder der verwitweten Katharina von Vranyn besaßen 1369 Lahne in Luczka. 1377 verkaufte Janko de Herarticz den Iglauer Bürgern Jakob und Johann von Pilgram seinen Besitz in Lutschen. Nun blieb es über hundert Jahre in den Händen dieser angesehenen Iglauer Bürgerfamilie, die auch das Stadtgericht inne hatte.
Im Jahr 1488 vermachte der Stadtrichter Prokop von Pilgram in seinem Testamente das Nutzeigentum seines Dorfes Lutschen dem St. Wenzelsaltare der Iglauer Pfarrkirche, das Obereigentum und die Herrschaft dem Rate der Stadt. Im Jahr 1493 wurde das Besitzrecht der Stadt in der Landtafel eingetragen, Fortan blieb Iglau die Grundherrin, bis 1848 alle alten obrigkeitlichen Rechte aufgehoben wurden.
Einige Zahlen zeigen die Höhe der Abgaben: Im Jahr 1630 hatten 11 Lutschner Untertanen zusammen einen Dorfzins von 8 Schock 2 Groschen 2 Denare zu zahlen, ferner 3 Schock 14 Groschen 3 Denare Wiesenzins und 17 Groschen 3 Denare Bachzins. Im Jahr 1754 zahlten die Lutschner folgende Robotgelder: Martin Röder, Mathes Hury je 3 fl. 10 kr., Jacob Krautschneider, Lorentz Binder, Johann Lang, Andres Hawle, Mathes Zodl, Eva Hannlin Witwe, Mar. Prakeschin Witwe, Mathes Frau Witwe je 2 fl. 30 kr., Joseph Jerzabek 16 fl., Jacob Krautschneider 12 fl. Als im Jahr 1848 die Robotentlastung durchgeführt wurde, betrug das Lutschner Ablösungskapital 828 fl. 52 kr. für die Robot und 44 fl.. 32 kr. für die Erbzinse.
In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges hatte Lutschen schwer zu leiden, es waren 1630 nur 11 Untertanen gegen 17 Anwesen vorher. 1670 lagen beträchtliche Teile des „Georg Baldt Reichen Grund" öde und waren mit Wald bewachsen. Auch 1673 werden öde Gründe in Lutschen vermerkt. 1668 wurden elf „Lutschener" verzeichnet: Greger Hansl, Andreaß Lang, Matheß Körber, Matheß Stantzle, Matheß Paucker, Matheß Zhande, Greger Weber, Steffen Kayser, Marcuß Schmiedt, Lorentz Binder, Barthel Khörber. Vorher wurden 1615 der Richter Mattes und die Geschworenen Göreg Kerber, Mattle Schoffer, Jacob Schiessle genannt. Aus dem Jahr 1662 weist eine Geschworenenliste den Richter Martin Lang, ferner Bartl Kherber, Lorentz Bindter, Mathes Pauckerle aus.
Im Jahr 1779 hatte Lutschen folgende Besitzer:
Nr. 1 Johann Kasamas 34 M 143/4 mß.
Nr. 2 Anton Hably 133 M 4V2 mß.
Nr. 3 Thomas Lang 190 M 14 mß.
Nr. 4 Lorenz Hof mann 123 M 73A mß.
Nr. 5 Johann Zeitzinger 66 M 14 mß.
Nr. 6 Jakob Krautschneider 124 M 15V2 mß.
Nr. 7 Georg Hofmann 62 M 13V2 mß.
Nr. 8 Franz Krautschneider 123 M 6V2 mß.
Nr. 9 Mathes Fenz 74 M 2 mß.
Nr. 10 Johann Zeitzinger.
Nr. 11 Joseph Zeitzinger 110 M 9Va mß.
Nr. 12 Josef Lang.
Nr. 13 Jakob Zatozil.
Nr. 14 Martin Hably 117 M 4V2 mß.
Nr. 15 Johann Jerzabek 76 M 2 mß.
Nr. 16 Joseph Lewolt 127 M V4 mß.
Nr. 17 Jakob Jerzabek 65 M 9V2 mß.
Nr. 18 Mathes Gasamas 100 M 123/4 mß. Gemeinde 42 M 12V4 mß.
Nr. 19 Georg Plaschka.
Nr. 20 Joseph Hury.
Nr. 21 Johann Wessely.
Nr. 22 Hirtenhaus.
Nr. 23 Mathes Krön.
Nr. 24 Martin Roder.
Der „eigentümliche" Grund betrug 1575 M IV4 mß. Ferner waren noch 53 M 8 mß obrigkeitliche Gründe, von denen
Nr. 1: 26 M 2 mß,
Nr. 5:18 M 143/4 mß,
Nr. 13: 5 M I5V2 mß, Nr, 14:1 M 7Vs mß. und
Nr. 18:1 M besaßen. Die Obrigkeit behielt sich die Waldungen vor.
Aufgrund des Gemeindekatasters waren 1945 folgende Eigentümer in Lutschen:
Nr. 1 „Häusler" Josef Pauser, 15,00 ha.
Nr. 2 „Hable" Johann Schindler, 20,00 ha.
Nr. 3 „Richter" Franz Kerpes, 56,00 ha.
Nr. 4 „Reperhons" Franz Neufingerl, 37,50 ha.
Nr. 5 „Weber" Mathias Kasamas, 30,00 ha.
Nr. 6 „Paukerl" Franz Bukatsch, 37,50 ha.
Nr. 7 „Tschandere", Franz Lang, 22,00 ha.
Nr. 8 „Prakesch" Johann Zeizinger, 13,00 ha.
Nr. 9 „Neubauer" Mathias Kauth, 14,86 ha.
Nr. 10 „Koten" Karl Koten, Schmied.
Nr. 11 „Gregor-Schmidt" Mathias Zeizinger, 36,00 ha.
Nr. 12 Franz Lukschanderl, 1,30 ha.
Nr. 13 „Polierer" Franz Polierer, 6,00 ha.
Nr. 14 „Bukatsch" Laurenz Bukatsch, 26,50 ha.
Nr. 15 „Binder" Franz Lang, 22,50 ha.
Nr. 16 „Hansal" Josef Lewold, 39,50 ha.
Nr. 17 „Morkus" Johann Wasserbauer, 17,30 ha.
Nr. 18 „Kasamas" Johann Kasamas, 33,80 ha.
Nr. 19 „Zeizinger" Franz Wolf, 5,00 ha.
Nr. 21 „Schneider" Mathias Singer, 5,00 ha.
Nr. 23 Johann Lukschanderl, 5,00 ha.
Nr. 24 „Wagner" Wenzl Hartmann.
Nr. 25 „Schmied" Johann Pitzal.
Nr. 26 „Nähschuster" Johann Jerschabek, 5,50 ha.
Nr. 28 „Schuster" Franz Wotzka, 4,00 ha. Im Gemeindeeigentum waren 36,00 ha und zwei Gemeindehäuser. Die Gemarkungsfläche hat ein Ausmaß von 707 ha. Lutschen ist eine selbständige Gemeinde und hatte 1939 neun deutsche Gemeinderäte. Schule, Pfarre und Post waren in Wilenz, die zuständige Gendarmerie in Stannern und die nächste Bahnstation war in Iglau.
