Die Anlage des Ortes hat Langendorf den Namen gegeben. Rechts und links vom Bächlein stehen die stattlichen Gehöfte und hinter ihnen liegen in Streifen die Grundstücke dazu. Eine ganze Stunde muss man gehen, um von einem Ende des Dorfes zum andern zu kommen. Solche Dorfformen sind im ganzen großen deutschen Siedlungsgebiete vom Rhein bis in die Mittelgebirgstäler des deutschen Nordmährens verbreitet und werden als „Reihendörfer", „Kettendörfer" und auch „Waldhufen-Dörfer" bezeichnet. Diese Dorfform ist eine ausgesprochen deutsche. Langendorf ist daher von allem Anfang an von Deutschen angelegt worden. Es sind auch die Namen der Einwohner vor rund 600 Jahren deutsch. In einem Frauentaler Zinsregister des 14. Jahrhunderts werden nämlich folgende Langendorf er genannt: Nickusch Czwyfoler, Hensl Ekser, Franz Creuzer, Vinder, Schwarz Jekl, Mertl, Fricz, Eberhart, Stol, Peschl, Michel Czader, Herscho, Vinck, Herscho, Lang Peschel, Jekl Maer, Nickus, Enderl Übler."
Die über Langendorf erhaltenen Urkunden reichen bis in den Beginn des 14. Jahrhunderts zurück. Sie nennen Langendorf in lateinischer Bezeichnung „Longa villa [Deutsch: langes Dorf; hier Langendorf]".
Wie die übrigen Dörfer gehörte auch Langendorf früher einem Grundherrn, dem es bestimmte Abgaben zu entrichten hatte und der die oberste Gerichtsbarkeit besaß. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war Grundherr von Langendorf das vom Grafen Wilh. von Sulzbach 1120 begründete Kloster Wilhelmszell, das heutige Wilimov bei Goltsch-Jenikau. Durch einen Gütertausch kam es aber am 16. Oktober 1307 an das Adelsgeschlecht Lichtenburg, das einen großen Landbesitz erwarb und im Sommer auf einer Burg in der Nähe von Illemnik lebte. Kleine Reste der einstigen Sommerburg sind noch heute im Sommerwalde kenntlich. Ein Herr aus diesem Geschlecht, Raimund mit Namen, verpfändete aber schon im Jahr 1308 (17. Januar und 8. Mai) unser Langendorf wieder an ein Kloster und zwar an das Zisterzienserkloster Sedletz, das im Jahr 1143 von deutschen Mönchen aus Waldsassen begründet worden war.
Dieses Mönchskloster Sedletz wurde Eigentümer des ihm verpfändeten Langendorf. Im Jahr 1316 verkaufte es aber den Ort an den Archidiakon und Magister Rapoto, der für Langendorf und den Zins der Sybotonis villa [Deutsch: Dorf des Syboto] (Saibendorf oder Siebentann) den Kaufpreis von 225 Schock Groschen erlegte. Der genannte Kanonikus schenkte darauf das Dorf dem Nonnenkloster Frauental.
Bei Frauental blieb es nun fortan. Es hatte im 14. Jahrhundert an das Kloster für je einen Lahn jährlich 12 Groschen und zwei Hühner abzuliefern. Ein Lahn war das durchschnittliche Ausmaß einer Bauernwirtschaft. Der Richter von Langendorf erscheint im Zinsregister bloß für einen halben Lahn mit 6 Groschen und einem Huhn belastet.
Die Bewohner mussten für ihre Grundherrschaft unbezahlt arbeiten. Diese Pflichtarbeit hieß Robot. Die Bewohner waren vom Kloster abhängig. Ohne dessen Erlaubnis durften sie weder ihren Besitz verkaufen noch ihre Kinder ein Handwerk oder einen anderen Beruf erlernen lassen. Noch sind uns einzelne Aufzeichnungen erhalten, in denen z. B. 1542 verlangte die Äbtissin von Frauental vom Iglauer Stadtrat die Rückkehr einer untertänigen Frau namens Katharina aus Langendorf.
1545 wurde verlangt, einen Mann namens Motl aus Langendorf in Iglau zu entlassen. Die Genannten hatten eben das Langendorfer Gebiet ohne Erlaubnis der Herrschaft verlassen. Diese Leibeigenschaft ist erst durch Kaiser Josef II. aufgehoben worden. In Böhmen geschah dies durch sein Patent vom 1. November 1781. Seitdem konnte jeder sich verehelichen, wie er wollte, wegziehen, wenn er wollte, oder ein Handwerk lernen, das er wollte.
Langendorf hat eine alte Kirche zu St. Nikolaus. Früher war sie eine Filialkirche von Schlappenz. Im Jahr 1335 wurde sie von Schlappenz losgelöst und unter das Patronat der Äbtissin von Frauental gestellt, die ja seit 1316 Grundherrin von Langendorf war. Der damalige Pfarrer hieß Walther, er hatte seit der Abtrennung an den Schlappenzer Pfarrherrn jedes Jahr eine halbe Mark zu zahlen. Im Jahr 1347 kam es zwischen dem Schlappenzer Pfarrer Johann und dem Langendorfer Pfarrer Bartholomäus wegen des Kirchenzinses zu einem Streit, der schließlich dadurch endigte, dass Bartholomäus an die Schlappenzer Pfarre zwei Kühe und zwei Kälber gab.
Im 14. Jahrhundert werden noch mehrere Langendorfer Pfarrer genannt, so ein Johannes, ein Jakob, ein Nikolaus, ein Konrad. Seit wann die Langendorfer Kirche ohne Pfarrer ist, wissen wir gegenwärtig nicht. Seit 1643 ist sie in der Administration der Frauentaler Pröbste. Eine Sage will wissen, dass der Pfarrer während einer Pest den Ort verlassen habe. Noch heute gibt es in Langendorf das „Pfarrhöfel", es ist Nr. 54. Es hatte bis zur Aufhebung des Frauentaler Klosters im Jahr 1782 zu diesem gehört und war dann nach Entschädigung des Frauentaler Pfarrers mit jährlichen 200 fl. an den Religionsfond gekommen.
Das „Pfarrhöfel" hatte dann einige Zeit als Schulgebäude gedient. Der Gottesdienst in der Langendorfer Kirche wird an bestimmten Tagen des Jahres von Frauentaler Geistlichen ausgeübt.
Langendorf ist flächenmäßig einer der großen Orte der Sprachinsel, es hat ein Ausmaß von 1082 ha und wird im böhmischen Teile nur von Stecken übertroffen.
Das Gemeindekataster weist 1945 (in Klammern 1924) folgende Besitzverhältnisse aus:
Nr. 1 „Richter" Johann Lehrl, 78,00 ha (Johann Lehrl, 70,63 ha), das ehemalige Dorfrichterhaus.
Nr. 2 „Kaziner" Franz Lindl, 0,76 ha (Anton Kubicek).
Nr. 3 „Nähschuster" (Andreas Schützl, 12,00 ha).
Nr. 4 „Katziner" Anna Langhans (Marie Lindl, 0,80 ha).
Nr. 5 „Wonderer" Wenzl Ranezky, 7,00 ha (Josef Ranetzky, 7,00 ha, — von
Nr. 1 abgebaut, Viertelbauernwirtschaft).
Nr. 6 „Schütz" (Franz Benz, 1,20 ha).
Nr. 7 „Paul" Johann Wenzhöfer, 2,00 ha (Johann Wenzhöfer).
Nr. 8 „Rutsch" Josef Rutsch, 28,00 ha (Franz Rutsch, 28,63 ha).
Nr. 9 „Gigal" Wenzl Turnhöfer, 21,00 ha (Wenzl Turnhöfer, 19,65 ha).
Nr. 10 „Timpl" Johann Tonner, 20,00 ha (Franz Tonner, 19,05 ha).
Nr. 11 „Slama" Johann Slama, 22,00 ha (Johann Slama, 22,85 ha).
Nr. 12 „Rasl" Anna Neubauer, 24,00 ha (Anna Neubauer, 21,09 ha).
Nr. 13 „Tischler-Gasthaus" Josef Tischler, 8,00 ha (Josef Tischler, 7,73 ha).
Nr. 14 „Tischler" Johann Tischler, 43,65 ha (Johann Tischler, 36,40 ha).
Nr. 15 „Kudra" (Theresia Lindl).
Nr. 16 „Niederschneider" Franz Schrogl (Franz Schafferhans, 1,20 ha).
Nr. 17 „Adel" Franz Tesarsch, 2,00 ha (Marie Tesaf, 2,00 ha).
Nr. 18 „Barbara" Anton Klement, 2,50 ha (Josef Klement, 2,40 ha).
Nr. 19 „Tonner"
Josef Tonner, 56,00 ha (Josef Tonner, 52,0^ ha).
Nr. 20 (Franz Palendal, 39,05 ha).
Nr. 21 „Niederlanghans" Johann Langhans.
Nr. 22 „Feltl" (Veit Slama, 34,10 ha).
Nr. 23 „ffirtenhäusl".
Nr. 24 „Jankl" (Jakob Straschil).
Nr. 25 „Luksch" (Franz Turnhöfer, 6,40 ha).
Nr. 26 „Katzenschutz" (Johann Patek, 1,40 ha).
Nr. 27 „Stodllehrl" Wenzl Klement, 6,00 ha (Wenzl Klement, 6,00 ha).
Nr. 28 „Neiper" Mathias Straschil, 24,37 ha, Tscheche).
Nr. 29 „Lehrl" Martin Kabelka, Gastwirt, 5,40 ha (Theresia Altrichter, 5,60 ha).
Nr. 30 „Nikifolter" (Franz Jokl, 23,09 ha).
Nr. 31 „Gräberveit" Johann Musil, 2,00 ha (Anton Sokal, 2,00 ha).
Nr. 32 „Turnhöfer" (Jakob Turnhöfer, 37,19 ha).
Nr. 33 „Lohons" (Johann Jokl, 20,47 ha).
Nr. 34 „Schönmottl" Josef Schönmottl, 24,12 ha (Katharina Schönmottl, 22,12 ha).
Nr. 35 „Ober-Schneider" Franz Poreich, 6,60 ha (Anna Höfer, 6,60 ha).
Nr. 36 „Bruchner-Mühle" Wenzl Altrichter (Anna Klement).
Nr. 37 „Brückner" Johann Slama, 20,00 ha (Johann Slama, 18,80 ha).
Nr. 38 „Veit" Johann Altrichter, 1,15 ha (Johann Altrichter, 1,20 ha).
Nr. 39 „Klement" Marie Klement, 29,70 ha (Marie Klement, 29,70 ha).
Nr. 40 „Jofker" (Johann Lindl, 3,00 ha).
Nr. 41 „Schlackl" Franz Rutsch, 3,00 ha (Josef Rutsch, 13,00 ha).
Nr. 42 „Wenzhöfer" Josef Feltl, 39,66 ha (Johann Feltl, 41,02 ha).
Nr. 43 „Höfer" (Alois Dolezal, 88,00 ha, Tscheche).
Nr. 44 (Josef Rutsch/.
Nr. 45 „Lukl" Franz Feltl, 6,60 ha (Johann Feltl, 6,60 ha).
Nr. 46 „Sokal" Anton Klement, 20,83 ha (Franz Lindl, 20,83 ha).
Nr. 47 „Häusler" Anton Höfer, 2,00 ha (Wenzl Klement, 2,00 ha).
Nr. 48 „Urba" Laurenz Altrichter, 1,40 ha (Laurenz Altrichter, 1,40 ha).
Nr. 49 „Tirs" Franz Langhans, 1,60 ha (Franz Langhans, 1,60 ha).
Nr. 50 „Oberer Hirt" (J. Rutsch, 4,40 ha).
Nr. 51 „Lindl" Franz Lindl, 50,00 ha (Marie Lindl, 43,27 ha).
Nr. 52 „Kraln" Franz Grödl (Franz Kral).
Nr. 53 „Philippn" Johann Langhans, 4,20 ha (Elise Langhans, 4,20 ha).
Nr. 54 „Pfarrhöfl" Franz Schafferhans, 2,40 ha (Anna Langhans), gewesener Pfarrhof.
Nr. 55 „Schmied" Josef Hart, 5,00 ha (Franz Hart, 5,00 ha).
Nr. 56 „Tondl" Elisabeth Lehrl, 19,48 ha (Josef Lehrl, 22,48 ha).
Nr. 57 „Josefn" Johann Fitz, 4,00 ha (Johann Fitz, 3,00 ha).
Nr. 58 „Höfers-Familie" Wenzl Feltl, 16,16 ha (Wenzl Feltl, 16,16 ha).
Nr. 59 „Polzer" Franz Polzer (Franz Polzer, 3,20 ha).
Nr. 60 „Turnhöfers-Familie" Johann Lehrl, 13,72 ha (Andreas Lehrl, 12,63 ha).
Nr. 61 „Patl" Franz Rutsch, 13,70 ha (Laurenz Rutsch, 13,60 ha).
Nr. 62 „Weber" Wenzl Schliksbier, 3,00 ha (Wenzl Schliksbier, 3,00 ha).
Nr. 63 Gemeindehaus (Alte Schule).
Nr. 64 „Tonners-Familie" Anton Schliksbier, 13,99 ha (Wenzl Rutsch, 13,99 ha).
Nr. 65 Marie Stefanek, 0,76 ha (Wenzl Stefanek).
Nr. 66 „Mühle" (Franz Henzl).
Nr. 67 Wenzl Sokal, 0,36 ha (Anna Altrichter).
Nr. 68 „Proutak" Johann Tonner, 1,35 ha (Johann Tonner).
Nr. 69 Deutsche Schule.
Nr. 70 (Turnhöfer).
Nr. 71 Marie Turnhöfer, 2,00 ha.
Nr. 72 „Brückenhäusler" Wenzl Klement.
Nr. 73 „Totengräber" Wenzl Tonner.
Nr. 74 (Sokal).
Nr. 75 (Rutsch).
Nr. 76 (Schönmottl).
Nr. 78 „Maurer" Franz Klement.
Nr. 79 „Jousl" Josef Lehrl.
Nr. 80 „Schütz" Josef Klement, 0,76 ha.
Nr. 81 „Neuhäusler" Johann Schönmottl, 2,50 ha.
Nr. 82 „Zimmermann" Johann Feltl.
Nr. 84 „Teichrutsch" Anton Rutsch.
Nr. 87 „Altpolzer" Franz Polzer.
Nr. 90 „Schneider" Mathias Lindl.
Nr. 91 Franz Tonner.
Nr. 92 „Hinterschütz" Wenzl Rutsch.
Nr. 93 „Wagner" Johann Langhans.
Nr. 95 „Familienhäusler" Anton Feltl.
Nr. 97 Johann Langhans.
Nr. 98 Johann Franz, 4,00 ha.
Nr. 99 Rudolf Lerche.
Nr. 101 „Wenzhöferhäusl" Franz Schönmottl.
Nr. 102 „Purger" Mathias Feltl.
Nr. 103 „Weberschmied" Johann Schliksbier.
Nr. 104 Johann Feltl.
Nr. 105 „Feltlhäusler" Laurenz Rutsch, 2,00 ha.
Nr. 107 Neubauer.
Langendorf war früher nach Frauental eingeschult. Hier war eine Klosterschule. Nach Aufhebung des Klosters 1782 wurde eine öffentliche Schule errichtet, die auch aus den Nachbargemeinden besucht wurde. Am 22. November 1792 wurde in Langendorf eine Filialschule für die Kinder von Langendorf, Pattersdorf und Uttendorf eröffnet. Sie war im „Pfarrhöfel" untergebracht. 1831 wurde ein Schulgebäude (Nr. 63) gebaut und 1914 am Schulhaus ein Stockwerk aufgesetzt. Zum Umbau spendete der Deutsche Schulverein 17 000,— K. Im Jahr 1920 wurde eine tschechische Minderheitsschule im deutschen Schulhaus untergebracht.
Als selbstständige Gemeinde hatte Langendorf 1939 acht deutsche und vier tschechische Gemeinderäte. Die Pfarre, Post, Bahnstation und die Gendarmerie waren in Frauental.
Eine Sage erzählt, dass hinter dem Dorf in Tonners Walde einst Zwerge gehaust haben, die Schmiedearbeiten machten und oft zu den nächsten Bauern um Milch kamen. Das Graben nach Eisenerzen war hier früher im Brauche, noch vor einem Jahrhundert grub man in Slamas Wald und lieferte die Erze nach Ransko. In Tonners Walde, der sich gegen Silberberg hinzieht und dem Grundbesitzer Tonner Nr. 19 gehört, war früher ein Stollen, dessen Mundloch man vor einigen Jahren noch sehen konnte. Nun ist es verschüttet. Er stammte vom Silberbergbau, denn das Gebiet um Uttendorf gegen St. Katharina hatte Bergwerke, in denen im 17., 18. und 19. Jahrhundert nach. Edelmetallen gesucht wurde.
